Siegfried Lenz und die Kraft des Gewissens - Sa. 14.03. - 3sat: 19.30 Uhr

Die erstaunliche Aktualität eines Nachkriegsschriftstellers

13.03.2026 von SWYRL/Wilfried Geldner

Leise Töne und wissender Zweifel waren seine Markenzeichen, Gehorsam und Widerstand die Themen des Schriftstellers Siegfried Lenz. 3sat sendet ein Porträt des vor 100 Jahren, am 17. März 1926 geborenen Dichters.

Schuld oder nur Pflichterfüllung? Wie viel zählt die Verantwortung des Einzelnen und dessen Gewissen? Das waren die Themen in Siegfried Lenz' Lebenswerk. Fast vergessen gewinnt einer der berühmtesten Nachkriegsautoren neben Heinrich Böll und Günter Grass gegenwärtig angesichts neuer Demokratiegefährdung und gefährlicher Autokraten erstaunliche Aktualität. Die 3sat-Dokumentation von Anna Pflüger und Lara Heinemann zeigt das Leben und Werk des 1926 in Masuren / Ostpreußen geborenen Autors, der 1943 nach einem Notabitur zur Kriegsmarine eingezogen wurde und kurz vor Kriegsende in Dänemark desertierte. Lenz, dessen Geburtstag sich am 17. März zum 100. mal jährt, starb am 7. Oktober 2014 in Hamburg, wo er über 60 Jahre lebte. Das Bundesverdienstkreuz lehnte er in den 70-ern mit der Begründung einer Hamburger Gewohnheit gegenüber Ordensverleihungen ab.

Lenz, der insgesamt 15 Romane, viele eindrucksvolle Hörspiele und über 150 Erzählungen schrieb, versuchte nach den Erfahrungen der NS-Zeit steile Thesen und große Gesten zu vermeiden. Der Roman "Deutschstunde" (1968), in dem der Ex-Schüler Ole Jepsen in der Zelle einer Erziehungsanstalt die Erinnerungen an seinen fanatisch autoritätsgläubigen Vater, einen Polizisten, niederschreibt, der seinen Jugendfreund und Künstler Nansen mit einem Malverbot belegt und bespitzelt, gilt als Lenz' wichtigstes Werk: ein Buch, in dem seine politisch-moralischen Ansprüche kulminieren. 3sat sendet eine Verfilmung von 2019 mit Ulrich Noethen und Tobias Moretti am Samstag, 21. März, um 20.15 Uhr. Der Sender wiederholt einige sehenswerte Lenz-Adaptionen.

"In seinem Werk setzt sich Lenz immer wieder mit Pflicht, Gehorsam, Moral, Gewissen und individueller Verantwortung auseinander. Themen, mit denen wir heute angesichts autoritärer Regime, Demokratieverlust, zivilem Ungehorsam und Krieg erneut konfrontiert sind", heißt es in einer Erläuterung der Autorinnen zu ihrem Film. Lenz schaffe es, als Geschichtenerzähler "mit viel Empathie für Land und Leute und ohne urteilend zu werden die großen gesellschaftlichen Themen im ganz Kleinen zu erzählen". Im Film äußern sich Freunde und Weggefährten, die Lenz-Zitate werden von Ulrich Tukur gelesen.

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