Lemmings

35 Jahre "Lemmings": Immer dem Verderben entgegen

18.02.2026 von SWYRL/Michael Eichhammer

"Lemmings" feiert seinen 35. Geburtstag. Ein kniffliges Kult-Game, bei dem kleine Wesen mit grünen Haaren und blauen Kutten vor allem vor sich selbst gerettet werden müssen. Kaum zu glauben, aber dahinter stecken die Macher der brachialen "GTA"-Reihe.

Streng genommen basiert die Spielidee eines der größten Klassiker der Spielgeschichte auf einer falschen Annahme über das Tierreich. "Lemmings" spielt mit dem Klischee, dass die Wanderungen der Lemminge einem Massensuizid durch Springen von Klippen dienen. Diese These gilt längst als widerlegt.

Auch sonst nimmt der in die Jahre gekommene Meilenstein der Videospiel-Historie es nicht so genau mit der Realität. Denn die "Lemmings", deren biologische Vorlage zur Unterfamilie der Wühlmäuse zählt, werden im Game als niedliche Figuren mit grünen Haaren dargestellt. Spieler haben auch nicht die Aufgabe, die Wesen über die Klippe springen zu lassen, sondern vielmehr für deren Überleben zu sorgen, indem man so viele von ihnen wie möglich sicher zum Ausgang des jeweiligen Level navigiert. Auf sich allein gestellt, würden die Lemminge reihum in ihr Verderben laufen. Selbstredend werden die Herausforderungen zunehmend schwieriger und erfordern mehr Planung. Den Lemmingen können in Echtzeit unterschiedliche Fertigkeiten zugewiesen werden - etwa Blockierer, Kletterer, Fallschirmspringer, Athlet, Treppenbauer oder Bergmann.

Zunächst erschien "Lemmings" am 14. Februar 1991 für den Heimcomputer Commodore Amiga. Die originelle Spielidee und die für damalige Verhältnisse flüssigen Animationen sprachen sich schnell herum. Aufgrund der Popularität der Mischung aus Denk- und Geschicklichkeitsspiel folgten bald andere Plattformen wie der Mitbewerber Atari ST, ZX Spectrum und MS-DOS.

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Was hat Rockstar Games damit zu tun?

Verantwortlich zeichnete das 1988 gegründete DMA Design aus Schottland. 1999 wurde das für "GTA" bekannte Studio für elf Millionen US-Dollar von Take 2 übernommen und später in Rockstar North umbenannt.

Es gibt einen Grund, warum ausgerechnet im schottischen Dundee Spielegeschichte geschrieben wurde. Die Stadt beherbergte das Technikunternehmen Timex. In den 1980er-Jahren wurden im Auftrag des britischen Heimcomputer-Riesen Sinclair Research in der Fabrik an der Ostküste Schottlands die Heimcomputer ZX81 und ZX Spectrum montiert. Das führte zu einer Art "Silicon Valley"-Stimmung in Dundee. Die Stadt wurde zu einem Hotspot der Programmierer- und Gamer-Szene. Mittendrin: die DMA Design-Gründer David Jones, Russell Kay, Steve Hammond und Mike Dailly.

Das erste Büro bestand aus zwei kleinen Räumen über einem Fish-and-Chips-Restaurant. Hier entstand nach "Menace" und "Blood Money" auch "Lemmings". Die erste Präsentation der Demo kam trotz herausragender Charakteranimationen beim Publisher Psygnosis allerdings nicht gut an. Der lehnte zunächst aus Image-Gründen ab, weil man sich selbst als Schmiede für harte Actionspiele wie "Shadow of the Beast" definierte. Auch andere Vertriebsfirmen sagten der Grundidee massenhaft ab.

Statt aufzugeben, feilten die Macher weiter am Leveldesign und am Gameplay. Cartoon-hafte Optik, schrille Ideen wie Fallschirme für die Lemminge und der ikonische Schrei "Oh, no!" überzeugten letztlich Publisher Psygnosis, doch zuzuschlagen. Während heutige Spieleproduktionen von riesigen Teams umgesetzt werden, wirkte DMA Design fast wie ein kleiner Familienbetrieb: Für die Stimmen der Lemminge war die Mutter von Scott Johnson zuständig, während der Sohn für die Animationen verantwortlich zeichnete. Johnsohns jüngerer Bruder Brian wiederum sorgte für die Soundeffekte und die Musik. Neben Scott Johnson entwickelte Gary Timmons ebenfalls Grafik und Animationen, während David Railly war für das Level-Design verantwortlich zeichnete.

Prinzip Schadenfreude im Zwei-Spieler-Modus

Zur Erfolgsgeschichte von "Lemmings" trug auch der Umstand bei, dass man sich nicht zwingend allein um die digitalen Lemminge kümmern musste. Der Zwei-Spieler-Modus konnte per Splitscreen gedaddelt werden. Jeder Spieler hatte seine eigene Gruppe von Lemmingen und ein eigenes Reiseziel. Der Clou: Es war möglich, den anderen Spieler zu sabotieren, indem man ihm Hindernisse in den Weg legte. Spielbar war der erste Mehrspielermodus allerdings nur auf Amiga und Atari ST, nicht aber in der PC-Version. In der langen Geschichte der "Lemmings"-Reihe taucht auch andere legendäre Hardware auf - vom Sega Genesis über SNES und C64 bis zu Game Boy und PlayStation 2 und 3.

Am Launch-Tag des Puzzlers sollen die Programmierer von "Lemmings" nahezu stündlich begeisterte Anrufe des Publishers erhalten haben, in denen die aktuellen Verkaufszahlen genannt wurden. Zusammen mit den späteren Versionen wie "Lemmings 2: The Tribes" oder "All New World of Lemmings" sowie diversen Erweiterungspaketen hat sich die Marke weltweit bis heute rund 15 Millionen Mal verkauft und als Kult-Game etabliert.

1993 übernahm Sony den Publisher Psygnosis, sodass die Rechte an "Lemmings" bis heute bei den Machern der PlayStation liegen. 1995 entstand mit "Lemmings 3D" ein weiterer technischer Meilenstein - so die Theorie. In der Praxis empfanden die Spieler die Steuerung in der dreidimensionalen Variante aber als unangenehm, woraufhin man mit "Lemmings Revolution" wieder zur klassischen 2D-Steuerung mit lediglich dreidimensionalen Kulissen zurückkehrte. Es folgten Spiele mit den Lemmingen für Hardware wie PS Portable, PS3 und PS Vita sowie 2019 für iOS und Android, doch die Strahlkraft der frühen Jahre wurde nicht mehr erreicht.

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