16.04.2026 von SWYRL/Natascha Wittmann
Bei "Markus Lanz" offenbarte Journalist Michael Bröcker, dass Steuererhöhungen schon bald Realität sein könnten. Er skizzierte dabei mögliche Änderungen beim Spitzen- und Reichensteuersatz und sagte voraus, dass das Konzept bald stehen werde. Lanz reagierte mit Fassungslosigkeit.
Der Irankrieg wirkt weit über die Region hinaus. Die schwarz-rote Koalition hat daher Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen angekündigt. Doch schon bevor Details greifen, gibt es Kritik: an der Ausgestaltung und vor allem an der Kommunikation. Bei "Markus Lanz" versuchte der ZDF-Moderator deshalb einzuordnen, ob der Konflikt im Nahen Osten den Welthandel dauerhaft verändern könne.
Energieökonomin Claudia Kemfert machte die Dimension der Krise mit Blick auf die blockierte Straße von Hormus deutlich: "Wir sind in der schlimmsten fossilen Energiekrise, in der wir je waren." Sie erklärte weiter: "Dadurch, dass diese Meerenge nicht passierbar ist, stauen sich ja bis zu 2.000 Tanker im Moment (...) - und das ist gravierend für den internationalen Markt."
Als Lanz auf Deutschland zu sprechen kam, nahm Journalist Michael Bröcker die Bundesregierung ins Visier: "Die Kommunikation ist wirklich schwierig dieser Bundesregierung." Zwar brauche es zielgerichtete Maßnahmen, doch Bröcker beklagte: "Nichts davon macht diese Bundesregierung gerade, weil sie selber Getriebene der Verhältnisse ist." Zudem würden die "unterschiedlichen kommunikativen Ideen aus der Bundesregierung" am Ende nur die eigene "Planlosigkeit" belegen. Kemfert pflichtete ihm bei: "So wie es im Moment ist, kann es nicht weitergehen."
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"Das ist hochgefährlich"
Für Lanz war das der Moment, die nächste Zuspitzung zu wagen: Wie nah sei Deutschland an einer "Stagflation"? Bröcker antwortete ohne Zögern: "De facto, Herr Lanz, haben wir es." Es gebe "bereits eine Stagnation der wirtschaftlichen Tätigkeit und eine Inflation. Und das ist hochgefährlich". Der Journalist warnte in dem Zusammenhang vor den verheerenden Signalen an Unternehmen: "Kein Wunder, dass Investoren sagen: 'Das ist gerade nicht der bevorzugte Markt, in den ich gehen möchte'." Bei den möglichen Gegenmaßnahmen setzte Kemfert auf einen klaren Schwerpunkt: "Es gibt ein Gegenmittel - das sind die erneuerbaren Energien. Die senken die Preise nachweislich."
Lanz zeigte sich skeptisch: "Aber das können wir ja nicht so schnell machen, Frau Kemfert." Die Energie-Expertin widersprach: "Aber warum denn nicht? Wieso können wir denn keinen Turbo von erneuerbaren Energien ausbauen?" Lanz bohrte nach: "Aber wie schnell geht das? Wir können den Leuten keinen Sand in die Augen streuen!" Kemfert hielt schwammig dagegen und sagte, Deutschland müsse "aus der fossilen Abhängigkeit herauskommen".
Sie betonte, den "Hintern (...) retten wir uns nur, indem wir wirklich mal sparen und alles dafür tun, die Energieeffizienz zu verbessern". Ihre Formel lautete: "Wenn man will, findet man Wege. Wenn man nicht will, findet man Gründe!" Bröcker konterte prompt: "In der Theorie klingt es alles richtig." Doch er mahnte zur Realität: "So einfach ist es nicht. Deswegen plädiere ich dafür, möglichst breit den Maßnahmen-Mix zu machen. So viel Energieangebot wie möglich!"
"In wenigen Wochen wird dieses Konzept stehen"
Später lenkte der ZDF-Moderator den Blick auf das angekündigte Entlastungspaket und den Koalitionsstreit. Er fragte direkt: "Haben wir überhaupt einen Plan?" Michael Bröcker blieb kühl: "Ich sehe diesen Kompass nicht." Lanz bohrte unbeirrt weiter: "Plötzlich geistert wieder das Wort Steuererhöhungen durch das Berliner Regierungsviertel." Bröcker offenbarte in dem Zusammenhang, dass innerhalb der Regierung geplant sei, beim Spitzensteuersatz etwas zu ändern, "um die große Breite zu entlasten". Andernfalls komme es aus Sicht der Union "zu keinerlei Verständigung mit der SPD".
Der Journalist weiter: "Die Idee ist, (...) den Grenzsteuersatz für die Spitzenverdiener (...) von 42 Prozent auf etwa 45 Prozent zu erhöhen und den Reichensteuersatz von heute 45 Prozent (...) auf 47, 48 Prozent zu erhöhen. Das bringt ein paar Milliarden Euro." Auch Kanzler Friedrich Merz sei dafür offen, so Bröcker: "Insgesamt sollen alle entlastet werden, (...) aber es wird Verlierer geben, die eben einen höheren Spitzensteuersatz zahlen müssen."
Seine Prognose? "In wenigen Wochen wird dieses Konzept stehen." Anders lasse sich die Koalition mit der SPD kaum fortführen, "weil das ist nahezu Bedingung der SPD". Lanz reagierte fassungslos: "Das heißt, da deutet sich der nächste 180-Grad-Wendepunkt von Friedrich Merz an?" Bröcker bejahte dies vorsichtig: "Je nachdem, wie er das kommuniziert."



