"Boom Boom Bruno"

Zwischen Saufen, Stripclub und Sexismus: In dieser Serie kennt Ben Becker kein Pardon

05.12.2023 von SWYRL/Julian Weinberger

Für seine erste Serienhauptrolle hat sich Ben Becker lange Zeit gelassen. Umso mehr haut er in der Comedyserie "Boom Boom Bruno" auf den Putz. Als Möchtegern-Wildwestsheriff mit politisch inkorrektem Mundwerk soll Becker ausgerechnet den Tod einer Dragqueen aufklären.

"Es stinkt nach Pisse, aber das Bier ist billig und die Weiber willig": Bruno (Ben Becker) nimmt wahrlich kein Blatt vor den Mund. Der Provinzsheriff ist schließlich ein echter Mann, zumindest sieht sich der bierbäuchige Polizist mit Vorliebe für Stripperinnen und harten Alkohol so. Was er hingegen nicht mag, sind "Weicheicher, Schwuchteln, Tunten, Lesben mit Kurzhaarschnitt". Eines ist spätestens jetzt klar: Serienfans, die auf politisch korrekte Unterhaltung wert legen, sollten um "Boom Boom Bruno" (ab 7. Dezember, WarnerTV, unter anderem buchbar via Sky und MagentaTV) einen Bogen machen.

Bruno sei "eine Antithese zu unserer modernen pluralistischen Gesellschaft", beschreiben die Serienproduzenten Vitus Reinbold und Ann-Kathrin Ebner ihre Titelfigur. Dabei unternimmt die sechsteilige Comedyserie eine bisweilen schmerzliche Gratwanderung, die ob Brunos Obszönitäten hin und wieder ins Unangenehme abdriftet. Das liegt auch daran, dass Bruno mit seinem neuen Partner Mark (Vincent zur Linden) den Tod einer Dragqueen aufklären muss.

Dass er sich während der Ermittlungen im Umfeld der glamourösen Lady Lovelyn ("Der Alte"-Star Pierre Sanoussi-Bliss) auf einer Faschingsveranstaltung wähnt und die Dragqueens wahlweise als "Fummelfeen" oder mit anderen Obszönitäten verunglimpft, sind noch die harmloseren verbalen Ausreißer, die sich Bruno leistet.

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Brunos Herz gehört einer Stripperin

Sieht man von den wortgewaltigen Macho-Predigten des aus der Zeit gefallenen Sexisten ab, hat der "dreckige, laut bellende Straßenköter" (Regisseur Maurice Hübner) aber auch seine sanften Seiten. Seinem unsicheren und verschüchtertem Partner Mark möchte er ein guter Mentor sein und nimmt ihn auch privat unter seine Fittiche - ob beim Biertrinken in seiner miefigen Männerhöhle oder beim gemeinsamen Angelausflug. Dass Mark sich offensichtlich zu Männern hingezogen fühlt, blendet Bruno geflissentlich aus. Am Ende sei Bruno, der obendrein seinen "Pimmelkrebs" konsequent totschweigt, laut Hübner eben doch nur "liebesbedürftig und voller Sehnsucht".

Tatsächlich zählen das sich anbahnende Vater-Sohn-Verhältnis der Kollegen und Brunos mühsames Werben um die Gunst von Stripperin Alice (Sabrina Ceesay) zu den stärkeren Handlungssträngen von "Boom Boom Bruno". Die Ermittlungen im Mordfall ähneln dagegen eher der Qualität von Vorabendserien aus dem öffentlich-rechtlichen Krimiangebot. Immerhin: Ben Becker macht als Obermacker eine glänzende Figur. Mit welch maskulinem Stolz er seine monströse Wampe vor sich herschiebt und er pseudo-witzige Dadjokes in Reihe reißt, bietet amüsante Unterhaltung.

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