23.04.2026 von SWYRL/Julia Schöppner-Fleige
Horst Lichter traute seinen Augen kaum: Diese Papsturkunde sollte aus dem Jahr 1439 stammen? Doch die Expertin bestätigte, das Mitbringsel sei "sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr alt" - aber auch sehr, sehr, sehr begehrt?
Das wohl aufregendste Objekt des Tages wurde bei "Bares für Rares" beinahe ehrfürchtig mit Samthandschuhen behandelt. Kein Wunder, denn laut Expertin war dieses Schriftstück "sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr alt". Horst Lichter zeigte sich erst einmal misstrauisch. Das Blatt mit Siegel wirkte auf ihn eher wie eine gut gemachte Kopie als wie ein Relikt aus vergangenen Jahrhunderten. Bianca Berding blieb jedoch dabei: Das Stück sei außergewöhnlich gut erhalten und genau das mache es so selten. Ebenso ungewöhnlich sei, dass solche Urkunden überhaupt im Handel auftauchten. Um welche Art Urkunde ging es wohl? Und von wem?
Die Verkäufer hatten eine Papsturkunde mitgebracht, die nicht nur hervorragend erhalten war, sondern fast 600 Jahre auf dem Pergament hatte. Das Kanzleischreiben samt Bleisiegel war im Auftrag von Papst Eugen IV. von Hand gefertigt worden und trug das Datum 31.05.1439. Wie Berding erklärte, war das genau jenes Jahr, in dem Gutenberg begann, mit beweglichen Lettern Geschichte zu schreiben. Spätmittelalter pur also - und für die Expertin "richtig, richtig lange her". Lichter blieb trotzdem skeptisch, zu makellos erschien ihm das Dokument.
Obwohl ein Käufer für so ein Stück schwer zu finden sein dürfte, taxierte die Expertin den Wert auf 2.500 bis 2.800 Euro. Horst Lichter drückte die Daumen, dass vielleicht zwei oder drei Händler hier das ganz große Ding wittern. Und tatsächlich: Während Lichter noch staunte, erkannten die Händler sofort die Besonderheit. Das ehrwürdige Schriftstück entlockte Julian Schmitz-Avila 1.500 Euro. Das passte, schließlich ist er katholisch und des Lateins mächtig, wie er versicherte.
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Emaille-Werbung lässt "Bares für Rares"-Expertin staunen
Deutlich jünger, aber kaum weniger begehrt, präsentierte sich ein altes Emailleschild von Boos und Hahn. Die makellos erhaltene Werbung des Allgäuer Brauhauses brachte diesmal sogar die Expertin ins Grübeln, so gut sei der Zustand gewesen, dass Annika Raßbach beinahe an der Echtheit gezweifelt hätte. Das Schild aus den Jahren 1950 bis 1955 war einst ein Geschenk der Großmutter an Wolfgang gewesen. Mit 650 bis 1.000 Euro wurde es bewertet.
Was folgte, war ein Bietergefecht mit Seltenheitswert. Die Gebote flogen nur so durch den Raum. Als bei 1.000 Euro alles entschieden schien, legte der Verkäufer noch einmal geschickt Feuer nach. Am Ende stoppte das Gefecht erst bei stolzen 1.400 Euro. Den Zuschlag bekam Jos van Katwijk. Waldi zeigte sich beeindruckt von so viel Biss: "Der Jos ist da wirklich gnadenlos." Und Julian Schmitz-Avila mutmaßte: "Er war in seinem früheren Leben Wadenbeißer."
"Das war heftig": Horst Lichter berichtet von Sammelwahn
Dann wurde es gesellig: Gleich sechs Damen verwandelten Bianca Berdings Tisch in eine kleine Kaffeerunde. Horst Lichter war entzückt. Kein Wunder bei seiner Vergangenheit als leidenschaftlicher Kaffeekannen-Sammler. Dass der Moderator einst die größte Kaffeekannensammlung Deutschlands besaß, verriet er bereits in früheren Sendungen "Bares für Rares". "Ja, ich hatte viereinhalbtausend Kaffeekannen." In Ziffern: 4.500. Berdings Staunen war groß: "Oh mein Gott!" "Das fing ganz harmlos an", erzählte Lichter: "Eine kriegte ich geschenkt und dann dachten die Leute, der sammelt Kaffeekannen. Und ich bekam immer mehr geschenkt. Das war heftig."
Zurück zu den Objekten: Die sogenannten Scherzkannen verkörperten verschiedene Rollen und Stereotype, darunter Haushälterin, Köchin oder Gouvernante. Nahm man den Kopf ab, ließ sich Kaffee einfüllen. Die teils beschädigten Porzellanstücke, vermutlich von Carl Tielsch und um 1900 bis 1920 entstanden, wurden von der Fachfrau mit 370 Euro bewertet. Bei 300 Euro fiel schließlich der Hammer. Wolfgang Pauritsch griff zu und hatte nun das passende Inventar fürs nächste Kaffeekränzchen.
Beim nächsten Schmuckstück steckte die Besonderheit im Detail: In der Brosche war geflochtenes Haar verarbeitet. Der Erinnerungsschmuck mit Granaten stammte aus dem London des 19. Jahrhunderts und wurde auf 250 bis 300 Euro geschätzt. Auch wenn solche haarigen Antiquitäten heute nicht mehr ganz oben auf Wunschlisten stehen, brachte das Stück immerhin 200 Euro, die Wolfgang Pauritsch zückte.
Eine außergewöhnliche Kette aus Gelbgold und Platin, besetzt mit über 100 Diamanten, konnte zudem zu Brosche und kleinerem Collier umgebaut werden. Ein echtes Verwandlungstalent mit französischen Wurzeln aus der Zeit um 1880 bis 1900. Die Expertise fiel mit 8.500 bis 10.000 Euro spektakulär aus. Doch so begeistert die Händler bei Anblick auch waren, preislich gingen sie nicht mit. Mehr als 4.000 Euro wollte niemand bieten. So trat das Ehepaar am Ende mitsamt Schmuckstück wieder die Heimreise an.



