10.06.2026 von SWYRL/Wilfried Geldner
In der Wiederholung des 15. Films der Krimireihe aus Zürich besucht der "Anwalt ohne Lizenz" eine Vernissage. Dabei verliebt er sich nicht nur in die Künstlerin, sondern hat nach dem Mord an dem Veranstalter auch einen neuen Mandanten: den Caterer Giovanni Lazzari.
Jedem anderen als diesem Borchert würde man es wohl kaum verzeihen, pochte er nur immerzu auf die Gerechtigkeit, die sich nur ihm alleine erschließen will. Er sieht nun mal den Menschen hinter dem Täter, den er verteidigt. Und, das diesmal vor allem: Er glaubt daran, dass sich Menschen, insbesondere Täter, ändern können. Auch im 15. Film "Der Zürich-Krimi: Borchert und das Geheimnis des Mandanten" (2022, Buch: Robert Hummel, Regie: Roland Suso Richter), den das Erste am Samstagabend wiederholt, dreht sich alles um diesen Borchert, den Christian Kohlund mit seiner knarzigen Bassbariton-Stimme so kongenial mimt. Dass da Nebenfiguren vor lauter Ehrfurcht leicht ins Verhaspeln geraten, sei ihm verziehen. Diesmal kriecht er einem mit einer 13 Jahre zurückliegenden Mordgeschichte ins Ohr.
Auf die wird das Publikum nach einer eher trivialen Eingangssituation verwiesen. Da gibt es anlässlich der Vernissage einer Fotoausstellung einen Riesenstreit zwischen dem Veranstalter Altweger (Steffen Münster), einem Foodfabrikanten und Mäzen, und einem italienischen Caterer. Borchert findet im Hof der Galerie die Leiche Altwegers, der kurz zuvor eine flammende Rede auf sein Mäzenatentum gehalten hatte. Borchert glaubt nicht, dass der Caterer Lazzari (Michele Cuciuffo) der Täter ist, dessen Frau (Clelia Sarto) ihn bittet, mit Dominique die Verteidigung zu übernehmen. Doch schon bald bekommt er das Gefühl, dass sein Mandant vielleicht nicht den Abzug gedrückt hat, aber dennoch etwas mit dem Mord zu tun haben könnte. Recherchen führen zu einem 13 Jahre zurückliegenden Mord, zur kalabrischen Mafia und Machenschaften wie Schutzgelderpressung und Geldwäsche.
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Borchert ist verliebt
Die schönste Stelle spielt sich im Fall in Borcherts "Absturzkneipe" ab, wenn er dorthin Corinna (Julia Richter) bittet, ebenjene Fotografin, in die er sich bei der Vernissage gleich auf den ersten Blick verliebt hatte. Vor leuchtendem Tresen-Hintergrund ergreift Borchert die Hand der Künstlerin, die sich prompt von ihm verabschieden will. Er: "Ich dachte, wir stürzen zusammen ab!". Sie (verkürzt): "Ich bin vergeben. Für immer!" Der kurze Satz hat tiefere Bedeutung, er verweist auf den Ausgang des Falles, bei dem Borchert dann ein anderes Leben rettet.
Dass Gegenwart und Vergangenheit nicht wirklich zusammenfinden, wird durch das intensive Spiel aller Beteiligten wettgemacht. Es hätte eigentlich der etwas übererregten Handkamera des Kameramannes Max Knauer mit ihren bewussten Unschärfen und Verwacklungen nicht bedurft - auch so wäre aus dieser Episode ein intensives Kammerspiel geworden, in dem das Drehbuch von Robert Hummel leichthin Sätze von Hegel und Ingeborg Bachmann verstreut. Eines ist uns der Film von Roland Suso Richter (Regie) allerdings schuldig geblieben: den sichtbaren Beweis dafür, dass sich ein Täter im Verlauf seines Lebens von Grund auf ändern kann. Dafür wurde dieser Fall doch zu sehr in der Vergangenheit versenkt.
Die Erstausstrahlung von "Borchert und das Geheimnis des Mandanten" lockte im September 2022 6,16 Millionen Menschen vor die Bildschirme. Ein großer Erfolg. Der letzte neue Film der Reihe, "Borchert und die Glut des Bösen", im vergangenen Dezember ausgestrahlt, kam auf 4,76 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer. Zwei weitere Filme sind bereits abgedreht, die Ausstrahlungstermine stehen noch nicht fest.



