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Werbeunterbrechungen mitten im Twitch-Stream: User und Streamer reagieren empört

Vom Privatfernsehen kennt man Werbeunterbrechungen im laufenden Programm. YouTube machte sich damit keine Freunde. Nun will auch Twitch inmitten der Streams Spots einspielen. Die Antwort der Community ist eindeutig: Es hagelt massiv Kritik.

Im klassischen linearen Privatfernsehen hat man sie als lästiges Übel akzeptiert. Bei YouTube sorgen sie noch immer für Augenrollen. Die Rede ist von Werbespots, die mitten im laufenden Programm auftauchen. Twitch will diese nun auch einführen - sehr zum Unmut der Content Creator und ihrer Zuschauer.

Amazons Streaming-Plattform versucht, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, indem das Unternehmen behauptet, die Spots würden die Streamer direkt unterstützen. Dieses Argument kommt aber bei der Zielgruppe nicht an.

Kaum hatte Twitch angekündigt, zukünftig Werbung mitten in den Videos zu platzieren, meldeten sich bekannte Streamer zu Wort. Beispielsweise schossen die "Call of Duty"-Heroen TimTheTatman oder Nickmercs sofort aus der Hüfte. Sie fragten, woher man als Streamer wissen könne, ob man von der Maßnahme betroffen sei und wie man diese Option abbestellen könne. Andere Kritiker prognostizierten, dass Twitch mit diesem Streben nach mehr Profit das Gegenteil erreichen würde, da sich verärgerte Zuschauer und frustrierte Streamer abwenden würden.

Der "WoW"-Streamer Asmongold beispielsweise nannte das Vorhaben "die schlimmste Art, Streamer zum Schalten von Werbung zu bewegen". Die Spots würden die Zuschauer möglicherweise dazu zwingen, Werbung in den packendsten Live-Momenten zu sehen, befürchtete er. Die Streamerin ThatBronzeGirl erinnerten die Pläne von Twitch an die Verfehlungen von YouTube. Auch Googles Videodienst verärgerte die User mit immer mehr Werbeplatzierungen: "Ihr seid nicht YouTube!"

Bei Twitch würden während der Ad-Einblendungen die Streams zwar nicht komplett pausiert, allerdings würden sie lediglich in einem verkleinerten zweiten Fenster weiter laufen - ohne Ton. Die Werbung würde dem Programm also auf alle Fälle die Show stehlen.

Twitch nennt die Idee "ein Experiment"

Bei Twitch ist man offenbar selbst unsicher, ob die User die radikal neue Werbewelt tolerieren würden. Daher soll die Idee noch nicht komplett umgesetzt werden, sondern an vereinzelten Usern getestet werden. Das Unternehmen spricht von "einem Experiment".

Was die Streamer besonders aufregt: Bisher konnten sie aktiv auswählen, wo ihre selbstgeschalteten Ads auftauchen, mit den Mid-Roll-Spots würde allein Twitch entscheiden, wann und welche auftauchen. Der "Overwatch"-Profi Seagull brachte seine Sorge augenzwinkernd auf den Punkt: "Wenn ich nicht genug Ads spiele, kommt Jeff Bezos in meinen Stream und drückt den Werbe-Knopf".

Twitch verteidigt die Pläne: Wer bereits vor einem Stream Werbung gesehen hat, würde nicht erneut eine Einblendung eingespielt bekommen. Auch Subscriber eines Kanals würden von Unterbrechungen verschont bleiben. Doch auch dieses Argument wird von den Skeptikern entkräftet: Das Subscriber-Modell für Werbefreiheit könne dazu führen, dass User sich neue Kanäle gar nicht erst ansehen, da sie keine Werbeunterbrechungen in Kauf nehmen wollen. Sinnvoller sei die Option, ein komplettes Twitch-Abo abschließen zu können, um Werbefreiheit zu erkaufen, argumentiert WoW-Streamer Asmongold.

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