"Wer stiehlt mir die Show?"

"Ich blamiere mich hier voll!": So irre bis unterhaltsam war Jokos neue Schleudersitz-Show

06.01.2021 von SWYRL/Simone Deckner

Es sei "ein wahr gewordener Traum", sagt Joko Winterscheidt über seine erste eigene Show auf ProSieben. Die zeigte: Der 41-Jährige kann auch Quizmaster. "Wer stiehlt mir die Show?" überraschte mit originellen Ideen und einem bestens aufgelegtem Rateteam, angeführt von Altmeister Thomas Gottschalk.

"Herzlich willkommen zum außergewöhnlichsten Quiz in ihrer Fernsehzeitschrift!", ruft Joko Winterscheidt den Zuschauern zu Beginn von "Wer stiehlt mir die Show?" zu - kurz #WSMDS, Hashtag inklusive.

Damit machte der 41-Jährige in den ersten Sendeminute direkt drei Dinge klar:

  1. Er nimmt sich weiterhin nicht zu ernst, auch, nachdem ihm ProSieben seine erste eigene Sendung gegeben hat.

  2. Er spricht mit #WSMDS ein deutlich älteres Publikum an als sein von "Circus Halligalli" und "Duell um die Welt" bekanntes, man denkt auch an den "Gong"- und "Hörzu"-Leser.

  3. Er präsentiert sich nicht mehr als verrückter Fernsehfuzzi, der sich von seinem ebenfalls verrückten Klaas Heufer-Umlauf aus Flugzeugen und von Klippen stürzt, sondern als seriöser Quizmaster - okay, ein Quizmaster mit einem seriösen blauen Anzug und einer leicht verspielten Max-Schautzer-Gedächntniskrawatte. Immerhin.

"Pilawa, Jauch, Pflaume, es gibt einen neuen Sheriff in der Stadt! Fragt sich nur, wie lange ...", umreißt Winterscheidt - in bester, aufgekratzter Stimmung - seinen Job, der einem Schleudersitz gleicht. Denn: Das Kandidatenteam aus Thomas Gottschalk (!), Palina Rojinski und Elyas M'Barek sowie einem wöchentlich wechselnden Zuschauerkandidaten (dieses Mal: Luisa, 26 aus Köln) spielen bei #WSMDS nicht um Geld, acht Autos oder eine lebenslange Rente - sie spielen um die Show selbst.

"Der Gewinner bekommt den Sendeplatz, die Band, das Team", stellt Joko in Aussicht. Er bekommt auch das "krasseste Studio", mit extra-steiler Showtreppe, besagte Band ("The Mighty Winterscheidts") und ein komplett sinnbefreites, mobiles Moderationspult, das sich Joko Winterscheidt augenscheinlich gewünscht hat, um seine Hibbeligkeit umzulenken.

Fakt ist: Joko begibt sich bei jeder Sendung in die Gefahr, sie an einen der Kandidaten abgeben zu müssen: "Doch der Weg dorthin - und jetzt muss ich leider das Liedgut eines stadtbekannten Vollidioten zitieren - ist steinig und schwer", disst er Xavier Naidoo im Vorüberrollen.

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Gottschalk in Hochform

Die Pointen sitzen - nicht nur bei Winterscheidt. Vor allem Altmeister Thomas Gottschalk läuft zu Hochform auf. Die Joko-Pappkameraden im menschenleeren Studio begrüßt er mit breitem Grinsen, als stolziere er bei "Wetten, dass ...?" ein. Er legt sich mit Joko an ("Wie der hier rumlatscht, wie mein Mathelehrer, ich hasse das!"), beschwert sich über die Spiele ("Das ist was für Verhaltensgestörte!") und bringt Winterscheidt immer wieder zum Lachen: Als der Moderator ein Spiel namens "Der ewige Vize" ankündigt, bei dem berühmte Zweitplatzierte aus Sport, Show und Co. gesucht werden, frotzelt Gottschalk: "Wir suchen Klaas Heufer-Umlauf, oder wie?" Großartig auch Gottschalks Replik auf Jokos Ansage, er bekomme "langsam richtig Angst", als dieser kurz vorm Einzug ins Finale steht: "Richtig Angst musst du erst bekommen, wenn ich anfange zu moderieren, mein Freund."

Auftritt der hinreißenden Mini-Me's

Doch nicht nur die Chemie zwischen den prominenten Kandidaten stimmt, auch die originellen Spiele überzeugen auf ganzer Linie: Sei es "Song Song Song", bei dem auf ein Instrumental eines Liedes der Text eines anderen gesungen wird, etwa der Text zu Grönemeyers "Bochum" auf die Melodie von Oasis' "Wonderwall". Oder "Extrablatt! Extrablatt! Extrablatt", bei dem historische Ereignisse wie die Schlacht um Troja durch Boulevard-Schlagzeilen umschrieben werden ("Gaga-Griechen gewinnen mit irrem Geschenke-Trick!") oder die umwerfend süße Idee, drei Kinder als Gottschalk-, Rojinski- und Luisa-Kopien auftreten zu lassen - exakt so angezogen wie die Großen. Gottschalk zu seinem Mini-Me: "Ich hoffe, die Klamotte ist dir nicht peinlich?"

Dass H.P. Baxxter seine Scooter-Songs umdichtet (Faster! Harder! Quizzer!) und ein Spiel, bei dem Schulwissen herausgekramt werden muss, "Das braucht man doch eh nie wieder!" heißt, sind nur die i-Tüpfelchen einer bemerkenswert einfallsreichen Produktion. Im Studio kann, wer mag, zudem überall Verweise auf große Unterhaltungsshows entdecken: Seien es die Quizpulte, die entfernt an "Der große Preis" erinnern, oder der "Walk of Shame", der auf rausgeworfene Kandidaten wartet: Statt Whitney Houstons "One Moment In Time" wie einst bei Stefan Raab erklingt hier das deprimierende "All By Myself" von Céline Dion - unter anderem für Elyas M'Barek, der als Erster ausschied: "Ich blamiere mich hier voll", stöhnte der "Fack ju Göhte"-Schauspieler bereits in Quizrunde 1, nachdem er bei Fragen nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Maler der Mona Lisa mit Unwissenheit geglänzt hatte. "Unter Druck funktioniere ich einfach nicht!"

Finale mit Rollentausch

Thomas Gottschalk findet nur in Palina Rojinski seine Meisterin: Die Moderatorin und Schauspielerin ist weitaus sattelfester, wenn es um aktuelle Musik und Markenlogos geht als der einstige Show-Titan. Der trägt sein Ausscheiden kurz vor Schluss mit Fassung. Joko: "Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich dich mal nach Hause schicke." Gottschalk: "Ich muss nicht nach Hause, ich muss zum Flieger, mein Freund!"

Die Regeln des Finales sind dann komplizierter als alles, was vorher lief: Joko wird vom Moderator zum Kandidaten - dafür schlüpft Katrin Bauerfeindt in seine Rolle. Als Herausforderin muss Palina stets ihre Antwort auf eine Wissensfrage (In diesem Fall: Wie heißt die größte Insel der Welt?) laut vorlesen. Joko darf seine Antwort zurückhalten - warum? Das erklärt sich nicht. Nachdem Palina falsch mit "Australien" antwortet, glaubt sie nicht daran, dass Joko die richtige Antwort aufgeschrieben hat - doch siehe da: Joko wusste Bescheid und lag mit Grönland richtig. "Ich behalte meine Show, es gibt einen Show-Gott", jubelte der sichtlich erleichterte Joko nach dem Finalsieg. Jubeln können auch die Fernsehzuschauer: "Wer stiehlt mir meine Show?" hat alles, was eine rundum gelungene Unterhaltungsshow ausmacht. Es gibt sie also doch noch, die guten Nachrichten.

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