"Lebenslinien: Die Eltern der Wanderhure" - Mo. 28.11. - BR: 22.00 Uhr

Wenn aus Kurzgeschichten Bestseller-Romane werden

24.11.2022 von SWYRL/Marina Birner

Über 80 Romane haben sie verfasst: Unter dem Pseudonym Iny Lorentz veröffentlichten sie auch den ein oder anderen Bestseller. Den Erfolg wissen sie jedoch einzuordnen, wie das "Lebenslinien"-Porträt über das Pärchen im Partnerlook Iny Klocke und Elmar Wohlrat zu berichten weiß.

Ganze acht Verlage schlugen einem der in Deutschland inzwischen meistgelesenen Autorenpärchen zunächst mal die Tür vor der Nase zu. Seit 2003 begeistert das Ehepaar Iny Klocke (73) und Elmar Wohlrat (70) unter dem Pseudonym "Iny Lorentz" die Leseratten, hinter ihrer Erfolgsgeschichte verbergen sich jedoch Schicksalsschläge. Das BR-Porträt "Lebenslinien: Die Eltern der Wanderhure" erzählt nun die ganze Geschichte der Verfasser der einst auch von SAT.1 erfolgreich verfilmten Mittelalter-Buchreihe "Die Wanderhure" (2004). Sie umfasst aktuell acht Bände und eine Kurzgeschichte.

Seit Beginn der 90er-Jahre gibt das BR-Format "Lebenslinien" außergewöhnlichen Menschen eine Stimme. Die Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen hinter die Fassade blicken. Wer also steckt hinter diesem sympathischen, bebrillten und Partner-Pullover tragenden älteren Pärchen, das die literarische Welt wesentlich prägte?

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Geschichten als Realitätsflucht

"Die Geschichten in meinem Kopf haben mich abgelenkt. Ich hätte sonst nicht einschlafen können", erinnert sich Iny Klocke an ihre Kindheit und Jugend zurück, an eine Zeit geprägt von Armut und Familienzwist. Unter dem Regime ihres Großvaters sei es ihr untersagt gewesen, mit anderen Kindern zu spielen. Bildung verwehrte man ihr. "Das Einzige, das man mir nicht verbieten konnte, war das Lesen. Dafür habe ich alles getan", erinnert sich die Bestseller-Autorin.

Ein ähnliches Schicksal teilte "ihr Schatz", wie sie Elmar Wohlrat immer liebevoll nennt. Er litt seiner Zeit unter ärmlichen Verhältnissen und dem Erwartungsdruck, nach dem frühen Tod seines Vaters im Alter von zehn Jahren der Mann im Haus zu sein. Auch für ihn stellten Geschichten eine Art Fluchtweg aus der allzu erdrückenden Realität dar: "Ich musste einfach nicht an meine beschissene Situation denken", sagt der Schriftsteller trocken. "Ich gehörte dazu, ich konnte durch die Prärie Amerikas reiten oder aber als Astronaut zum Mond und weiter fliegen." Und schmunzelnd ergänzt er: "Ich muss ein sehr langweiliger Typ gewesen sein, ich war nie der Schurke."

Der Film begleitet die beiden in ihrem Alltag sowie bei ihren Recherchearbeiten. Oft im Partnerlook lässt der erste Eindruck des Paares nicht auf den Erfolg von über 80 Romanen schließen. Allein "Die Wanderhure" wurde im zweistelligen Millionenbereich verkauft und in elf Sprachen übersetzt. Doch für sie geht es um Bodenständigkeit und die reine Liebe zum geschriebenen Wort.

Von Kurzgeschichten bis hin zum Bestseller-Roman

Über ihre Liebe zur Fiktion kreuzten sich schließlich die Wege der beiden eher introvertierten und fast schon menschenscheuen Schreiber. Ein deutschlandweiter Fantasy-Club war letztlich die Grundlage ihrer Beziehung. "Brief hin, Tonkassette zurück, Brief hin, Tonkassette zurück - eineinhalb Jahre lang, das war Elmar", blickt Iny Klocke gerührt auf die anfängliche Brieffreundschaft mit Elmar Wohlrat zurück. Dieser publizierte seine ersten Kurzgeschichten in dem Vereinsmagazin und legte damit den Grundstein seiner Karriere. Das BR-Porträt dreht die Zeit zurück, taucht tief in die Vergangenheit ein und rekonstruiert Wohlrats erste Anläufe, sich als Autor einen Namen zu machen. Bald schon immer an seiner Seite: Iny Klocke.

Fünf Jahre lang schrieben sie Kurzgeschichten für eine Science-Fiction- und Fantasy-Reihe. Schnell war klar, dass die Arbeit im Team bestens gelang. Als ihnen ein Herausgeber plötzlich mit der Begründung kündigt, sie seien völlig unfähig, standen beide kurz davor, den Traum vom eigenen Buch endgültig aufzugeben. Wie konnten sie sich aus dieser Schaffenskrise retten? "Lebenslinien" enthüllt ihr Erfolgsgeheimnis. Und erklärt eine besondere Liebe: "Wenn Iny irgendwann nicht mehr in der Lage wäre zu schreiben, würde ich ihr Geschichten erzählen, und umgekehrt. Wir haben uns schon immer Geschichten erzählt", sagt Elmar Wohlrat.

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