"XY gelöst"

Ehefrau im Keller eingemauert - dann verriet sich Familienvater bei "Aktenzeichen XY"

12.07.2023 von SWYRL/Rupert Sommer

Fünf Jahre hofften zwei Jugendliche auf die Rückkehr ihrer verschwundenen Mutter. Doch die befand sich im Keller des Familienhauses - erdrosselt und eingemauert. Sven Voss rollte in der ZDF-True-Crime-Reihe "XY gelöst" einen Fall auf, den auch der Täter selbst nicht fassen konnte.

Es ist die Verzweiflung einer Teenagerin, deren Welt von einem Tag auf den anderen zusammengebrochen war. "Liebe Mama", schreibt sie in einem Brief, den sie nie abschicken konnte, weil sie nicht wusste, wohin. "Warum bist du gegangen und warum meldest du dich nicht?"

Eben noch war es ein vermeintlich heile Normalität, in der die junge Frau zusammen mit ihrem bereits volljährigen Bruder und den beiden Eltern aufgewachsen war. Dass ihren Vater, einen in Geschäftsfragen eher unglücklich agierenden Gastronom, Catering-Kellner und zeitweiligen Kiosk-Betreiber, stets schwere Geldsorgen bedrückten, bekamen die Kinder so gut wie nicht mit.

Allerdings: Dass ihre Eltern ab und an heftig in Streit gerieten, bemerkte die Tochter dann doch, ließ sich davon aber zunächst nicht weiter beunruhigen. Eines Morgens jedoch war die Mutter grußlos und ohne Erklärungen verschwunden. "Wo bleibt denn Mama?", fragte die knapp 16-Jährige noch, als sie zusammen mit ihrem Vater und dem Bruder beim überraschend einberaumten Döner-Essen saß. "Heute hatten wir wieder Streit", meinte der Vater da nur. "Diesmal war sie richtig sauer auf mich."

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Eine schreckliches Geheimnis - weil der Mut zum Geständnis fehlte

Was er den Kindern nicht sagte: Der Mann, der im am Mittwochabend gezeigten ZDF-Film Klaus Färber genannt wird, wusste zu gut, wo seine Frau wirklich steckte. Wie die gruselig "reale" True-Crime-Dokumentation "XY gelöst" nach und nach herausarbeitet, war jener Klaus Färber (Name geändert, der wahre Fall wurde 2008 im nordrhein-westfälischen Rhein-Sieg-Kreis aufgeklärt) ein Mann mit einem monströsen Geheimnis. Er hatte seine Gattin im Affekt getötet - und die Leiche im Keller des Familienhauses einbetoniert.

Es ist auch in der zweiten Woche der neuen, von Sven Voss moderierten "XY gelöst"-Staffel ein Fall, der von hoher krimineller Energie, schockierenden Wendungen und vielen falschen Spuren erzählt. Lange tappten die Kriminalbeamten im Dunkeln. Immerhin hatte der Familienvater, der später zu acht Jahren Gefängnis wegen Totschlags verurteilt wurde, ein perfides Lügensystem installiert. Klaus führte seine engsten Angehörigen, die beiden Kinder, komplett hinters Licht, um seine auch für ihn selbst bestürzende Tat zu vertuschen.

Immer wieder hatte Klaus seiner Tochter direkt ins Gesicht gelogen, von zwei angeblichen Kurzbegegnungen mit der "verschwundenen" Mutter erzählt, als diese schon längst eingemauert im Steinsockel eines von ihm gebauten neuen Weinregals im Keller des Familienhauses lag. Später erwähnte er gegenüber der Polizei, dass er zwei Helfer der Frau gesehen habe, die ihr mit einem weißen Kastenwagen beim Durchbrennen geholfen hätten. Was ihm dabei perfekt gelang: nach außen hin die Illusion einer gutbürgerlichen Existenz zu wahren. Sogar einen Hund kaufte er für seine Tochter. Die Mutter hatte sich immer strikt gegen Haustiere ausgesprochen.

Ein Filmbeitrag bei "Aktenzeichen XY ... ungelöst" brachte die Wende

Doch dann bringt ausgerechnet ein Zeugen-Aufruf im ZDF-Klassiker "Aktenzeichen XY ... ungelöst" die entscheidende Wendung. In der Sendung ist zu hören, Vater Klaus im Gespräch mit der Polizei eine vage Beschreibung der von ihm vorgeblich gesichteten zwei Unbekannten mit dem weißen Transporter abgab. Das machte die Tochter stutzig. Immerhin hatte ihr Vater ihr gegenüber stets behauptet, er hätte die beiden Männer nicht richtig sehen können. Nun die überraschende Aussage im Fernsehen. "Was kann ich ihm denn jetzt noch glauben?", zweifelt die Betty genannte Tochter in einer Spielszene der ZDF-Doku. "Jetzt nach der 'XY'-Sendung sehe ich einiges anders."

Tatsächlich spricht die mutige junge Frau letztlich doch bei der Polizei vor. Dort erzählt sie auch von der zunehmend verstörenden Beobachtung, dass ihr Hund immer genau an einer Stelle im Garten zu graben beginne, wo ihr Vater zuvor ein Steinbeet angelegt hatte. "Ich traue meinem Vater nicht mehr", sagt Betty. Und tatsächlich: Der schlimmstmögliche Verdacht bestätigt sich. Als die Kripo mit Baggern, Leichenspürhunden, Stemmeisen und Schlagbohrern bei der Familie auftaucht, wird Vater Klaus kreidebleich. Letztlich führt er die Ermittler in den Keller - zum fünf Jahre versteckt gehaltenen Grab seiner Frau.

"Ich wollte doch nur meine Ruhe haben"

Betty ist am Boden zerstört. "Ich verstehe es immer noch nicht", schluchzt sie. "Ich habe euch beide geliebt." Für ihren Vater, der seine Gefängnisstrafe absitzt, hat sie nur eine bohrende Frage: "Warum hast du Mama getötet?". Doch beantworten kann Klaus sie immer noch nicht. Beim Dauerstreit mit seiner Gattin ums leidige Geld waren dem ansonsten friedliebenden Familienmenschen alle Sicherungen durchgebrannt - und er drückte nach Ansicht des Gerichts im Affekt den Hals seiner Frau zu. "Ich wollte doch nur meine Ruhe haben." Doch mit diesem furchtbaren Geheimnis konnte er über fünf Jahre leben - buchstäblich unter einem Dach.

Im zweiten, ebenfalls erst mit Verspätung gelösten Fall "Tödliche Gier" spielt erstmalig in der mittlerweile zweiten "XY gelöst"-Staffel der Bezug zur "Aktenzeichen XY ... ungelöst"-Sendung keine Rolle. Hier geht's um den hinterhältigen Mord an einem allein lebenden Finanzbeamten, der von seiner Mutter einen heruntergewirtschafteten Hof in der Nähe von Erding geerbt hatte, der aber ein Vermögen wert war. Wie sich erst durch die akribische Rekonstruktion einer Indizienkette herausstellte, wurde der 48-Jährige von einem engen Freund hinterrücks erschossen.

Vom Arzt, der lügt - und tötet

Das Perfide daran: Der Täter war selbst Arzt und wusste um den "perfekten Schusswinkel", der zu einem jähen Tod führen sollte. Geldgier trieb den Mediziner, der auch zwei Testamente zugunsten seiner damals von ihm schwangeren Lebensgefährtin gefälscht hatte, zu seiner Bluttat an.

Obwohl früh der Verdacht auf den Arzt fiel, der - wie sich später herausstellte - auch schon zuvor getötet hatte, reichte die Beweislage für eine Anklage lange nicht aus. Außerdem musste das Kriminalerteam aus dem niederbayerischen Landshut auch absichtlich falsch gelegte Spuren eliminieren.

Doch letztlich klickten auch hier die Handschellen zu. Späte Gerechtigkeit! Und ein beklemmendes Gefühl bleibt, zu wie viel Grausamkeit Menschen fähig sein können - sogar im engsten Familien- und Freundeskreis.

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