Neue RTL-Krimireihe "Behringer und die Toten"

Schimanski, Maigret und ein Druckerdeal bei Ebay: Multittalent Antoine Monot im Interview

23.02.2024 von SWYRL/Eric Leimann

Antoine Monot bespielt zehn Jahre nach dem Start seines Serien-Reboots "Ein Fall für zwei" (ZDF) ein weiteres Krimifeld: In der RTL-Krimireihe "Behringer und die Toten" gibt er einen kauzigen Franken-Ermittler. Der 48-Jährige über seine - teils - fränkische Kindheit und andere wichtige Lebenseinflüsse.

Antoine Monot, der mit nunmehr 48 Jahren auch den Zusatz "Jr." aus seinem Namen gestrichen hat, ist ein ungewöhnlicher Typ. Der wuchtige Schauspieler war zuerst als Werbefigur für die "Saturn"-Kette populär, bevor er so richtig als Schauspieler Karriere machte. In diesem Jahr feiert er nicht nur das "Zehnjährige" mit der Neuauflage der ZDF-Kultserie "Ein Fall für zwei". RTL hat für Antoine Monot nun gleich eine neue Krimifigur erfunden. In zwei "Behringer und die Toten"-Filmen (Dienstag, 27. Februar, und 5. März, jeweils 20.15 Uhr, RTL) gibt er einen knorrig-schweigsamen Franken-Ermittler. Der arbeitet nicht nur als Kommissar, sondern betreibt nebenbei noch eine Gaststätte. Im Interview spricht Antoine Monot, der auch als Unternehmer und Verbandspolitiker arbeitet, über seine Kindheit, die an vielen Orten - auch in Franken - stattfand. Über sie wird er den erstaunlichen Satz los: "Ich bin ja glücklicherweise ein Scheidungskind". Ein Gespräch über multiple Lebenseinflüsse - und was am Ende daraus wird.

teleschau: Lassen Sie uns über Bamberg sprechen. Haben Sie schon mal Rauchbier probiert?

Antoine Monot: Ja, habe ich. Also, das Rauchige ist eigentlich toll. Es erinnert mich so ein bisschen an Guinness. Was mich allerdings total irritiert, ist der Geschmack nach geräuchertem Schinken. Jeder Schluck Bier schmeckt nach Wurst. Das möchte ich, glaube ich, nicht immer haben. Ansonsten muss man sagen: Bamberg hat eine tolle Bierkultur.

teleschau: Mit etwa 70 Brauereien soll die Region Bamberg die höchste Brauereidichte der Welt haben. Wussten Sie das?

Monot: Ja, natürlich. Das wusste ich schon, bevor ich dort zwei Filme gedreht habe. Meine Familie kommt mütterlicherseits aus Plankenfels, das liegt zwischen Hollfeld und Bayreuth. Das Fränkische ist mir von Kindesbeinen an sehr vertraut. Als Vorschulkind habe ich auch eine Weile in der Fränkischen Schweiz gelebt. Das ist eine tolle, wirklich besondere Region.

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"Eine schöne fränkische Rostbratwurst - das sind wunderbare Erinnerungen"

teleschau: Dass Sie auch Franke sind, wissen viele gar nicht. Sie sind doch auch halber Schweizer ...

Monot: Ich war schon an vielen Orten zu Hause. Gerade früher, als ich aufgewachsen bin. Geboren bin ich in Rheinbach bei Bonn. Mein Vater ist Schweizer, meine Mutter kommt aus Franken. Beide waren am Theater engagiert. Aufgewachsen bin ich dann aber vor allem in Hessen. Erst war ich im Internat bei Fulda, dann auf der Waldorfschule in Frankfurt. Später lebte ich 18 Jahre in Zürich, nun aber schon etwa 15 Jahre in München.

teleschau: Können Sie denn auch Fränkisch sprechen?

Monot: Nein. Weil wir zu Hause immer Hochdeutsch geredet haben, kann ich überhaupt keine Dialekte. Nur Schweizerdeutsch, das kann ich!

teleschau: Haben Sie denn einen Bezug zur fränkischen Seele - und gibt es die überhaupt?

Monot: Es gibt auf jeden Fall eine Liebe zu dieser Region als Heimat, die fühle ich auch. Von Plankenfels nach Bayreuth sind es 20 Minuten mit dem Auto. Eine schöne fränkische Rostbratwurst - das sind wunderbare Erinnerungen. Es ist eine Gegend, die ich total liebe. Bevölkert übrigens mit sehr herzlichen, netten Menschen. Sie haben Humor und verstehen sich darauf, das Leben lustig zu finden und zu genießen. Eine sehr gute Eigenschaft!

"Eine tolle Spielwiese, um Kriminalfälle lösen zu können"

teleschau: Heißt es nicht, der Franke wäre ein wenig knurrig bis barsch ...

Monot: Ja, diese Variante gibt es auch. Aber ich glaube eher, das betrifft die ältere Generation. Als ich ein kleines Kind war, gab es im Dorf die Männer, die den Unterkiefer nicht vom Oberkiefer lösen konnten. Solche knurrigen, wortkargen Männer gab es damals in Deutschland aber überall.

teleschau: Wie sind Sie denn zur Rolle des Kommissars Behringer gekommen?

Monot: Meine Frau, Stefanie Sick, und ich, haben dieses Projekt vor einigen Jahren zusammen mit der Produktionsfirma Redseven, dem Geschäftsführer Jobst Benthues und der Produzentin und Autorin Berit Walch angeschoben. Wir haben in ihnen einen Partner gefunden, der große Lust hatte, daraus Geschichten in Form von in Drehbüchern und Filmen umzusetzen.

teleschau: Der Behringer ist also ein Charakter, den sie sich selbst ausgesucht haben. Was für einen Ermittler wollten Sie erzählen?

Monot: Die Grundidee ist von uns. Die Geschichten, der Plot und all das ist von Berit Walch. Daraus ist ein Kommissar geworden, den man aufgrund seiner Art zu kommunizieren erst mal wenig zutraut. Und den man wegen seines zurückhaltenden Wesens auch schnell unterschätzen kann. Vielleicht ist man deshalb auch etwas nachlässig im Umgang mit ihm. Für mich ergibt sich so eine tolle Spielwiese, um Kriminalfälle lösen zu können.

"Ich bin mit dem 'Tatort' aufgewachsen"

teleschau: Das heißt, Sie würden nach den ersten beiden Fälle gerne weiterdrehen?

Monot: Es ist ein Herzensprojekt von Stefanie, Berit und mir und natürlich auch von der gesamten Redseven. Deshalb würden wir natürlich sehr gerne weitermachen. Voraussetzung ist, dass wir ein ausreichend großes Publikum finden. Der Behringer ist ein Kauz, der sein Umfeld immer so ein bisschen erstaunt zurücklässt. Es gibt einen Satz, den seine junge Kollegin Ela im ersten Film äußert: "Hinterher macht's meistens Sinn" Das ist so ein bisschen das Motto für Behringer.

teleschau: Sie spielen noch in einer zweiten Krimireihe: Bei "Ein Fall für zwei" feiern Sie in diesem Jahr Jubiläum. Die Neuauflage des alten ZDF-Formats mit Ihnen und Wanja Mues gibt es seit zehn Jahren. Wie lange wollen Sie da noch weitermachen?

Monot: Ach, noch lange. Das macht total Spaß, und gerade Wanja und ich sind über die Jahre gute Freunde und Arbeitskollegen geworden. Wir haben in der Serie einen Ton getroffen, mit dem wir sehr zufrieden sind. "Ein Fall für zwei" beschäftigt mich etwa die Hälfte des Jahres. Jetzt im März geht es wieder los mit den Dreharbeiten - bis Mitte, Ende Juni. Und da wir jedes Jahr vier neue Folgen produzieren, habe ich in der zweiten Jahreshälfte genügend Zeit für andere Projekte - wie zum Beispiel den Behringer.

teleschau: Sie sind also noch nicht Krimi-müde, mögen Sie das Genre auch privat?

Monot: Ja, absolut. Ich bin mit dem "Tatort" aufgewachsen und habe sonntags auf diese Filme hingefiebert, als ich eigentlich noch zu jung dafür war. Außerdem las ich viele Krimis: Agatha Christie, Sir Arthur Conan Doyle und Georges Simenons "Maigret" - das waren meine Lieblingsautoren. Von "Maigret" bin ich auch noch heute noch Riesenfan, habe alles gelesen und schaue da auch immer mal wieder in die alten Romane rein.

"Ich bin ja glücklicherweise ein Scheidungskind"

teleschau: Sie reden von Ihrer Kindheit und frühen Jugend. Ist man da nicht eigentlich noch zu jung für den "Tatort"?

Monot: Das hat mich nicht interessiert. Ich bin ja glücklicherweise ein Scheidungskind. Da darf man ja mehr, weil man in zwei Erziehungsmodellen aufwächst. Bei meinem Vater, der war Komponist und Dirigent, durfte ich abends fernsehen, was ich zu Hause nicht durfte. Mein Vater hatte abends in der Regel Vorstellung, dann saß ich entweder im Theater oder eben vorm Fernseher. In der französischen Schweiz gab es zwei Sender: ARD und ZDF, die habe ich studiert. Zum Beispiel Götz Georges "Schimanski" oder Hansjörg Felmy als "Tatort"-Kommissar Haferkamp. Das waren schon Kindheits-Idole. Mein Vater stand im Orchestergraben, und ich war parallel gedanklich in Duisburg oder Essen.

teleschau: Sie haben als Künstler schon immer über den Tellerrand geschaut und haben beispielsweise Politik im Schauspielerverband BFFS gemacht. Sind Sie noch aktiv?

Monot: Ich habe mich nach 16 Jahren Vorstandsarbeit komplett zurückgezogen, weil ich der Meinung war, dass es nach einer so langen Zeit als ehrenamtliches Vorstandsmitglied gut ist, wenn frischer Wind einkehrt. Stattdessen betreibe ich mit meiner Frau ein Online-Unternehmen für Handelsware aller Art, auch ein paar Eigenmarken im Bereich Backstreusel und Lebensmittelfarbe sind dabei. Das macht nicht nur Spaß, sondern auch viel Arbeit. Unser Geschäft läuft sehr gut - und das ist wiederum eine große Freude für Stefanie und mich.

"Ich liebe es, mich in Excel-Tabellen zu vertiefen"

teleschau: Es gibt nicht viele Schauspieler, die unternehmerisch in einem völlig fachfremden Bereich unterwegs sind. Woher kommt bei Ihnen das Interesse am klassischen Unternehmertum?

Monot: Handel war von klein auf eine Leidenschaft von mir. Bevor meine Großmutter nach dem Zweiten Weltkrieg vor den Russen aus Leipzig geflüchtet ist, waren sie dort eine große Handelsfamilie. Das habe ich in meinem Stammbaum und vielleicht auch im Blut. Eventuell ist das der Grund (lacht). Außerdem war ich sehr früh von den Möglichkeiten des Internets fasziniert. Als Anfang der Nullerjahre Ebay nach Deutschland kam, habe ich dort Drucker verkauft. Ich kaufte die im Einzelhandel ein und mit sensationellen Margen weiter - weil damals galt Ebay als hip und total günstig (lacht). Damals gab es im Internet ja auch noch keine Vergleichsmöglichkeiten. Seit Mitte der 90-er bin ich online geschäftlich aktiv und habe da auch ein großes Verständnis, wie es funktioniert.

teleschau: Sie klingen richtig begeistert. Was holen Sie sich als Geschäftsmann emotional ab, das sie als Künstler - konkret als Schauspieler - nicht bekommen?

Monot: Ach - ich liebe es, mich in Excel-Tabellen zu vertiefen und dort nach Antworten zu suchen. Das bietet mir der Schauspielberuf nicht (lacht). Als Schauspieler hat man einen eher unruhigen Lebensrhythmus und Arbeitsalltag. Oft muss man warten, bis andere so weit sind - vor einer Kamera, auf der Bühne oder einem Mikrofon als Synchronsprecher. Und man ist viel unterwegs, hat viele Ortswechsel. Parallel gemeinsam mit meiner Frau ein Unternehmen zu leiten, erdet mich sehr. Man kann sich an jedem Ort der Welt, in jedem Zeitfenster des Wartens, ein paar Gedanken über Zahlen und das Geschäft machen. Für mich ist das tatsächlich ein Stück Glück.

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