"Wer wird Millionär?"

"RTL ist schuld!" Günther Jauch kritisiert bei "WWM" seinen Arbeitgeber

03.08.2022 von SWYRL/Jürgen Winzer

Verliert RTL nach Dieter Bohlen demnächst auch Günther Jauch? Nein, das wäre übertrieben. Dass der Quizmoderator bei "Wer wird Millionär?" seinem Arbeitgeber Schuld in die Senderschuhe schob, war nur einem Reflex geschuldet. Vielleicht sorgte sich Jauch über die Gewinnsumme des Abends: RTL muss 256.000 Euro löhnen!

Es war die letzte und - aus Kandidaten- und Kandidatinnen-Sicht - erfolgreichste Vorrundenshow innerhalb der "3-Millionen-Euro-Woche" von "Wer wird Millionär?". Die Zockerinnen und Zocker auf dem Ratestuhl erwiesen sich als "fantastische Vier", die frohgemut 64.000-Euro-Quartett spielten. Sowohl Christoph Klöckner aus Unterhaching, Silke Wittkamp aus Essen, Daniela Rive aus Troisdorf, als auch Ulrike Huber aus Raischach in Südtirol wussten, rieten und zockten sich bis zur vierthöchsten Gewinnstufe empor.

Als einziger Mann im erfolgreichen Quartett legte Klöckner, Patentanwalt aus Unterhaching, vor. Er wagt auch im Privatleben gerne mal was, entweder beim 0,5-Cent-Skat mit den Kumpels oder beim Wetten gegen die eigene Ehefrau. "Aber die wettet nur, wenn sie recht hat." Sei es da nicht doof, gegen sie zu wetten, fragte Jauch treuherzig. Der Kandidat antwortete mit dem Kompliment des Jahres: "Gegen wen verliert man lieber als gegen die eigene Frau?"

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Kandidat ist "verrückt nach deinem Erdbeerkinn"

Aber Klöckner, Vater zweier Söhne, von dem sich einer einen mindestens so stattlichen Gewinn erhofft, dass es für ein batteriebetriebenes Spielzeugmotorboot reicht, war nicht nur wortgewandt, sondern auch gripsgesegnet. Die unteren Fragen waren Pillepalle für ihn. Erst bei der 4.000-Euro-Frage musste er überhaupt länger nachdenken.

Er war längst fürs Finale qualifiziert, als Klöckner über den "Unterschied zwischen zu Hause auf der Couch und hier auf dem Stuhl" haderte. "Daheim würde ich keine Sekunde zögern", im Studio allerdings wurde dann doch vermehrt gezaudert und gezockt. Für die 64.000-Euro-Frage verballerte er die letzten drei Joker. Der 50/50 brachte keine Erhellung, der Telefonjoker auch nicht. Denn Jokerin Anna war weder mit den als Lösung infrage kommenden "Erdbeerkinn" oder "Stachelbeerhals" gesegnet, noch hatte sie die Wörter je gehört. Und die Gattin, Hautärztin von Beruf und wahrscheinlich geeignet, die Frage im Schlaf zu beantworten, hatte sich vorm Joker-Dasein gedrückt. Letztlich half Zuschauerin Hannah dem Kandidaten aus der Bredouille und sich selbst zu einem 500-Euro-Scheck.

Berufsschullehrerin steht auf dem Schlauch

Silke Wittkamp fing schnell an - sie brauchte nur 5,05 Sekunden zur Lösung der Quali-Frage - und machte im Eiltempo weiter. Erst bei der 500-Euro-Frage ("Welchen Beruf kann man durch ein zusätzliches k zu einem anderen machen?") brauchte sie ein bisschen, bis sie den Maler erfolgreich zum Makler umschulte. Gleich danach geriet die Berufsschullehrerin aber aus der Spur - ausgerechnet bei der Frage, wie ein Merksatz für Grundschüler ("Vergiss die kleinen Zeichen nicht da, wo man ...") korrekt vervollständigt wird, saß die Lehrerin lange auf dem Schlauch. Mit den "kleinen Zeichen" war sie überfordert, vermutete erst Worttrennungs-Striche, dann Kommata und Ausrufezeichen, bevor ihr dann doch noch die Anführungsstriche der wörtlichen Rede und somit die richtige Lösung ("... redet, sagt und spricht.") einfiel.

Schwere Geburt, die aber keinen Joker verbrauchte. Die Joker hütete sie wie Augäpfel, "als hätte sie die im Tresor", staunte Jauch. Als sich Wittkamp fürs Finale qualifizierte, hatte sie erst einen Joker investiert, dann brauchte sie zwei für die 32.000-Euro-Frage, den letzten setzte sie ein, um 64.000 Euro zu sichern. Zuschauer Herr Fürst wusste, dass man bei Marilyn Monroes Geburts- und Sterbejahr nur die letzten beiden Ziffern vertauschen muss (1926-1962) und bescherte sich 500 und Wittkamp 64.000 Euro. Danach stieg sie, nun jokerlos, bei 125.000 Euro aus. "Zocken fängt erst morgen an." Gesunde Einstellung.

Schwer gebeutelt: die armen Leute im Keller von RTL

Daniela Rive beamte sich regelrecht auf den Ratestuhl - 4,31 Sekunden für die Quali-Frage sind rekordverdächtig. Das gilt auch für das Antwort-Tempo: Nach gefühlt einer Minute hatte Rive die 500-Euro-Stufe erreicht. Erst bei der siebten Frage opferte sie den ersten Joker, der ihr Bauchgefühl ("Bauch hab ich reichlich und da ist viel Gefühl drin.") stützen sollte. Jauch war angetan, wie "super souverän" die Assistentin der Geschäftsführung einer Steuerberatungsgesellschaft durch den Fragenkatalog pflügte.

Bei der Knackfrage um den Finaleinzug (16.000 Euro) waren sich Moderator und Kandidatin einig, dass RTLs Fragenschreiber da doch mal was überprüfen sollten. Über die Anzahl der Formel-1-Rennen 2021 gab es keine Diskussion - es waren 22 und sie ebneten Rive den Weg ins Finale -, aber dass es nur 33 olympische Sportarten geben soll, sahen Jauch und Rive kritisch. "Das müssen die Leute im Keller noch mal prüfen", meinte Jauch, was Rive barmte: "Ach, die sitzen bei euch im Keller?" Jauch: "Fensterlos." Rive: "Und ohne Klimaanlage." Jauch: "Elektrisch Licht nur, wenn sie's brauchen."

Und überhaupt: Bei Unklarheiten gelte, so Jauch, "RTL ist schuld." Rive: "Ich dachte eigentlich, Sie sind an allem schuld, Herr Jauch." Jauch: "Nein, ich schiebe Verantwortung immer gleich weiter."

Beinahe wären 125.000 Euro nach Südtirol gegangen

Die Letzte im Bunde der "fantastischen Vier" wurde Ulrike Huber aus Südtirol. Die Beamtin bei der Tiroler Landesverwaltung kam auch bis 64.000 Euro, obwohl sie immer wieder verschämt grinsend anmerkte, was sie nicht kann. "Zahlen kann ich mir nicht merken" - aber sie entschied sich in Sachen Pi dann doch richtig. Mit Fliegen kennt sie sich auch nicht aus, aber dafür tat dies Rentner Herr Kreitling. Der ordnete die Bedeutung von Charles Lindbergh zu "99,9 Prozent sicher" ein - und führte die Südtirolerin zu 64.000 Euro.

Und Huber hätte auch die 125.000 geknackt, wenn sie auf ihren Telefonjoker gehört hätte. Der hatte Uruguay als die Fußballnation vermutet, die zwar nur in einem WM-Finale stand, aber zweimal Weltmeister wurde. Huber ("Mit Fußball hab ich's auch nicht.") zögerte und passte. Die Erklärung, warum Uruguay stimmte, nahm sie so erstaunt zur Kenntnis wie Günther Jauch auch: 1930 standen die Südamerikaner im Finale der WM und siegten. 1950 gab es aber keinen K.O.-Modus, sondern einen Finalgruppenmodus, bei dem jeder gegen jeden spielte. Wieder was gelernt.

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