Apple-Krimidrama

Neue Serie "Now And Then": Wie ein Verbrechen Freundschaften zerstört

17.05.2022 von SWYRL/Julian Weinberger

Geplatzte Lebensträume, zerstörte Freundschaften und ein Verbrechen, das lange Schatten wirft: Apple seziert im Krimidrama "Now and Then", wie ein einst verschworener Freundeskreis durch einen Schicksalsschlag entzweit wurde.

Spätestens seit Apple vor 15 Jahren das erste iPhone auf den Markt brachte, gilt das Unternehmen als Innovationstreiber und Tech-Pionier. Seit November 2019 mischt Apple mit Apple TV+ auch in der Streamingwelt kräftig mit - und geht auch hier einen eigenen Weg. Anders als bei der Konkurrenz von Netflix und Co. verzichtet Apple größtenteils auf Lizenzprodukte, sondern setzt lieber auf ausgesuchte, aufwendige Eigenproduktionen. Inhaltlich geht der Tech-Riese ebenfalls neue Wege - ob beim Hörspiel-Serienexperiment "Calls" oder im zuletzt von Kritikern hochgelobten, dreisprachigen Melodram "Pachinko".

Die Reihe besonderer Serien abseits der Norm erweitert ab 20. Mai die achtteilige Thrillerserie "Now and Then". Auf Spanisch und Englisch gedreht, spannt die Produktion einen Bogen von 20 Jahren und erzählt die Geschichte eines einst verschworenen Freundeskreises. Verwackelte, körnige Handkameraaufnahmen zu Beginn entführen das Publikum ins Jahr 2000, an einen Strand in Miami. Dort feiert eine Gruppe von Freunden ausgelassen ihren College-Abschluss - bis einer der ihren im Drogenrausch zusammenbricht. Auf der Fahrt ins Krankenhaus rammen sie zu allem Überfluss ein entgegenkommendes Auto und lassen in Panik nicht nur ihren Freund, sondern auch das Unfallopfer zurück.

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Kommt die düstere Wahrheit ans Licht?

20 Jahre später kreuzen sich die Wege der einstigen Weggefährten bei einem Klassentreffen erneut. Sie alle erhielten im Vorfeld eine Droh-Mail, es würde die ganze Wahrheit ans Licht kommen - es sei denn, jeder der damals Beteiligten würde eine Million Dollar zahlen. Alles nimmt eine noch dramatischere Wendung, als die Künstlerin Daniela (Soledad Villamil) tot aufgefunden wird. Der Todesfall ruft die Kommissarin Flora (Rosie Perez, oscarnominiert für "Fearless - Jenseits der Angst") auf den Plan, die schon vor 20 Jahren - damals erfolglos - gegen die Freunde ermittelt hatte.

Zunächst mutet "Now and Then" wie ein klassischer, recht bedacht erzählter Krimi an. Mit zunehmender Dauer aber wandelt sich die achtteilige Serie zu einem Drama über geplatzte Lebensträume, zerstörte Freundschaften und private Probleme. War die Freundesgruppe einst unzertrennlich und in großen Hoffnungen an die Zukunft vereint, verbindet sie 20 Jahre später nurmehr die Erinnerung an den tragischen Verlust und das begangene Verbrechen.

Zweisprachigkeit in "Now and Then" erschließt sich nicht

Anwältin Sofia (Maribel Verdú) steckt in einer Identitätskrise und ist unzufrieden mit der Person, die sie geworden ist. Politiker Pedro (José María Yazpik) ist nur vordergründig glücklich mit Ana ("Roma"-Star Marina de Tavira) verheiratet, unterdrückt er doch seit seiner Schulzeit homoerotische Gefühle. Und Schönheitschirurg Marcos (Manolo Cardona) leidet unter einem Vater-Komplex.

Die clever inszenierte Diskrepanz zwischen Rückblenden in eine glückliche, unbeschwerte Vergangenheit und der belastenden Gegenwart zählen zu den Stärken von "Now and Then". Der Zugang zu den Figuren fällt trotzdem schwer. Weil die Serie ob der Zweisprachigkeit größtenteils untertitelt ist, fällt viel Lesearbeit an. Anders als im eingangs erwähnten Serien-Juwel "Pachinko", wo die Sprachbarriere die Ausgegrenztheit der Protagonisten verdeutlicht, weisen die Macher um Regisseur Gideon Raff der Zweisprachigkeit in "Now and Then" keine Bedeutung zu. Das starke Niveau der viel gelobten Serien "Suspicion" und "Pachinko" - beide datieren aus diesem Jahr - kann Apple mit "Now and Then" nicht halten.

Ab 20. Mai sind die ersten drei Folgen bei Apple TV+ zum Streamen verfügbar. Die restlichen Episoden folgen im Wochentakt immer freitags.

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