"ESC"-Teilnehmer im Interview

"Mein Ziel ist eine internationale Stadiontour": ESC-Star Malik Harris hat große Träume

08.05.2022 von SWYRL/Aylin Rauh

Der Sänger und Songwriter Malik Harris vertritt Deutschland beim "Eurovision Song Contest" in Turin. Mit seinem gefühlvollen Song "Rockstars" würde der 24-Jährige am liebsten den Titel holen. Im Interview spricht der Sohn des US-amerikanischen Ex-Talkmasters Ricky Harris über sein Leben und seine Ambitionen.

"Ich denke mal, dass ich kurz vor dem Auftritt ein bisschen nervös sein werde, aber grundsätzlich bin ich voller Vorfreude", sagt Malik Harris im Angesicht seines bevorstehenden großen Auftritts beim "Eurovision Song Contest" in Turin. Seit seiner Kindheit spielt die Musik eine besondere Rolle im Leben des in Landsberg am Lech geborenen Sohns von US-Talker und Schauspieler Ricky Harris. Malik arbeitet schon seit Jahren als Sänger und Songwriter, performte bereits im Vorprogramm für große Künstler wie James Blunt, Alex Clare oder Tom Odell - ein junger Vollblutmusiker wie es im Buche steht. Im Interview spricht der 24-Jährige nun nicht nur über seine Musik und Inspiration, sondern auch über die tiefgründige Bedeutung hinter dem Song "Rockstars", den er am Samstag, 14. Mai, auf der großen Bühne in Italien performen wird (das Erste ist ab 20.15 Uhr live auf Sendung).

teleschau: In zwei Wochen findet der ESC statt, steigt langsam die Nervosität?

Malik Harris: Nervös bin ich nicht, ich freue mich mehr darauf. Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen, ich liebe es, Musik zu machen - vor allem habe ich Lust, auf dieser großen Bühne in Italien zu stehen und vor Europa meinen Song zu performen. Ich denke mal, dass ich kurz vor dem Auftritt ein bisschen nervös sein werde, aber grundsätzlich bin ich voller Vorfreude.

teleschau: Sie wirken auch erstaunlich cool.

Harris: Ich glaube, dass liegt daran, dass ich vor Corona viel unterwegs war und schon viel auf Bühnen stand. Dementsprechend habe ich gelernt, mit dieser Aufregung umzugehen und sie in Vorfreude zu verwandeln.

teleschau: Und wie ist das mit dem Stresslevel? Es gibt vermutlich viele Termine vor dem ESC?

Harris: Oh ja. Es ist einiges los, ich war sehr viel unterwegs. Ich war auch bei vielen Radio- und Fernsehauftritten, hatte selbst noch ein paar Shows. Und die Tour-Planung stand auch noch an, weil direkt nach dem ESC meine Tour losgeht. War auf jeden Fall eine stressige Zeit, hat aber Spaß gemacht! Ein bisschen mehr Schlaf wäre ganz nett, aber ansonsten kann ich mich echt nicht beschweren (lacht).

teleschau: Hat Sie der Rummel überrascht?

Harris: Definitiv. Ich dachte mir schon, dass es viele Termine geben wird, aber dass es dann doch so krass ist und jede Show bei einem anklopft, damit habe ich nicht gerechnet. Aber ich habe mich selbst dafür entschieden, jeden Auftritt mitzunehmen, und bin sehr dankbar für diese Zeit.

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"Mit 13 habe ich mir meine erste Akkustikgitarre gekauft"

teleschau: Wollten Sie als Kind schon Musiker werden?

Harris: Ich bin in einer sehr musikalischen Familie aufgewachsen. Bei uns lief auch immer Musik. Ich habe auch keine Kindheitserinnerung, wo nicht im Hintergrund zum Beispiel Michael Jackson läuft. Die Liebe und Leidenschaft zur Musik sind bei mir sehr früh entstanden. Ich würde auch sagen, dass diese Verbindung sehr besonders ist. Ich höre Musik nicht nur im Hintergrund, sondern fühle mich in jeden Song rein, analysiere und versuche zu verstehen, was gerade passiert. Mit 13 Jahren habe ich mir meine erste Akkustikgitarre gekauft, und dann hat alles angefangen. Ich habe nicht damit gerechnet, dass das funktioniert und bin der Karriere als Fußballprofis nachgegangen - aber der Wunsch Musiker zu werden, war stärker.

teleschau: Ist das auch der Grund, weshalb Sie sich für den ESC-Vorentscheid angemeldet haben?

Harris: Es war eine spontane Entscheidung. Ich habe nie darüber nachgedacht, dort mitzumachen. Ein Kumpel kam zu mir und meinte, dass die Anmeldephase angefangen hat und ich es doch probieren könnte. Da dachte ich mir, dass mein Song "Rockstars" gut dazu passen würde. Weil der einfach mal etwas anderes ist. Es ist ein sehr persönlicher Song, mit dem sich viele Menschen hoffentlich identifizieren können.

"Es muss nicht immer ein lautes Feuerwerk sein"

teleschau: Begleitet Sie jemand aus Ihrem engeren Kreis nach Turin?

Harris: Neben meinem Team werden am ESC-Tag meine Freundin und meine Familie da sein - bis auf meine Schwester, die leider nicht kann. Es ist mir immer wichtig, dass sie da sind, und ich hoffe, dass ich sie dann irgendwo im Publikum sehen kann.

teleschau: Klingt so, als würde Ihre Familie Sie sehr unterstützen.

Harris: Auf jeden Fall, und ich bin auch sehr dankbar dafür! Ich weiß noch, als ich damals meinen ersten Auftritt in einer Bar hatte. Es waren sechs Leute da, und alle sechs waren aus meiner Familie, weil sonst keiner da war. Das war anfangs oft der Fall. Deshalb finde ich es umso schöner, wenn sie bei größeren Auftritten dabei sind, weil man durch sie die eigene Reise und Entwicklung sehen kann.

teleschau: Hatten Sie Kontakt zu ehemaligen "ESC"-Teilnehmern?

Harris: Mir hat Jendrick Sigwart (ESC-Teilnehmer 2021, vorletzter Platz, d. Red.) nach dem Vorentscheid geschrieben und mir seine Hilfe angeboten, falls ich Tipps brauche. Das fand ich sehr nett von ihm. In den Niederlanden habe ich auch Gitte Hænning (ESC-Teilnehmerin 1973, achter Platz, d. Red.) getroffen. Wir haben uns zu dem Thema allerdings nicht viel unterhalten, weil ich versuche, mich von außen nicht zu sehr beeinflussen zu lassen.

teleschau: Wie schätzen Sie Ihre Chancen in Turin ein?

Harris: Ich glaube es ist zum ein Vorteil, dass mein Song sehr persönlich ist. Bei Musik geht es immer um die Gefühle, die rübergebracht werden. Es muss nicht immer ein lautes Feuerwerk sein. Das wurde 2019 bewiesen, als Duncan Laurence gewonnen hat: Es ist möglich, mit einem reduzierten und gefühlvollen Song zu überzeugen.

"Es gibt so viele Dinge, auf die man den Song beziehen kann"

teleschau: Und um was geht es bei Ihrem Song?

Harris: Bei "Rockstars" geht es um die guten alten Zeiten. Den Song habe ich nach einer Folge von "The Office" geschrieben. Da gibt es eine Szene, in der Andy Bernard (Ed Helms, d. Red.) sagt: "I wish there was a way to know you're in the good old days before you've actually left them." Dieser Satz hat mich sehr bewegt. Da habe ich erst bemerkt, wie oft ich meine Zeit damit verbringe, in Erinnerungen zu schwelgen und mich in die Zeit als Jugendlicher zurückzuwünschen, wo alles unbeschwert war. Ich bin bei diesem Song sehr nostalgisch. Was ich auch mit diesem Lied sagen möchte, ist, dass wir Menschen die guten alten Zeiten erst dann bemerken, wenn sie vorbei sind. Das ist typisch für uns und etwas, das wir ändern sollten. Im Hier und Jetzt können so viele schöne Dinge passieren, für die wir den Blick nicht haben.

teleschau: Somit passt Ihr Lied gut zur heutigen Zeit ...

Harris: Absolut! Mir haben auch viele Leute geschrieben und genau das bestätigt. Manche teilten ihre sehr persönlichen Geschichten mit mir. Ich habe gemerkt: Es gibt so viele Dinge, auf die man den Song beziehen kann. Einige Leute meinten, dass sie durch "Rockstars" anfingen, ihr Leben aus anderen Blickwinkeln zu betrachten.

teleschau: Sind alle Ihre Songs mit einer persönlichen Nachricht verbunden?

Harris: Ja. Meine Songs sind alle persönlich, weil Musik und das Liederschreiben wie eine Selbsttherapie für mich sind. Ich finde es echt interessant, was das mit mir macht, wenn ich alles aufschreibe. Ich kann mich viel besser damit auseinandersetzen. Und wenn ich das Schriftliche, kombiniert mit einer Melodie, mit Menschen teilen kann, ist das ein komplett anderes Gefühl. Als wäre man in einem Stuhlkreis und teilt musikalisch seine Gedanken.

teleschau: Wie sehen Sie sich als Musiker in zehn bis 20 Jahren?

Harris: Hoffentlich immer noch live-besessen, weil ich es liebe, auf der Bühne zu stehen. Und auf einer Welttournee! Mein Ziel ist eine internationale Stadiontour, am besten auf der anderen Seite der Welt. Ich spiele nur einen Akkord, alle wissen sofort, welcher Song gespielt wird und gemeinsam singt das ganze Publikum im Stadion. Das ist mein Traum.

teleschau: Und wer sind Ihre musikalischen Vorbilder?

Harris: Ich lassen mich gerne musikalisch von unterschiedlichen Idolen inspirieren. Das wären unter anderem Twenty one Pilots, NF, Macklemore und Imagine Dragons.

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