ZDF-Talk "Markus Lanz"

"Für uns ist es schon zu spät": Intensivmedizinerin übt Kritik an Bundesregierung

22.04.2021 von SWYRL

Am Mittwochabend sprach Markus Lanz mit seinen Gästen über die bundesweite Notbremse in der Corona-Krise. Doch weder die Vertreter aus der Medizin noch aus der Politik zeigten sich endgültig zufrieden.

Nun scheint es also endlich voranzugehen: Nach langem Ringen um Einzelheiten hat sich die Bundesregierung am Mittwoch auf eine bundesweite Verordnung im Infektionsgeschehen geeinigt. Die Ergebnisse wurden natürlich am Abend bei "Markus Lanz" im ZDF diskutiert. Weder der eingeladene FDP-Politiker und Ex-Innenminister Gerhart Baum, noch die Intensivmedizinerin Dr. Caterina Reuchsel zeigten sich dabei zufrieden.

Dabei begann es zunächst positiv: "Es geschieht etwas. Wir haben jetzt eine Chance, noch mal dem Virus die Grenzen zu zeigen", lobte Baum die Beschlüsse. Wichtig sei nun das gegenseitige Vertrauen zwischen Politik und Bevölkerung wiederherzustellen. Denn eben jenes vermisst der 88-Jährige dieser Tage: "Ich spüre, dass die Leute das Vertrauen in das Funktionieren unserer Demokratie verlieren." Ob da nicht auch der derzeitige Parteivorsitzende Christian Lindner seinen Teil dazu beitrage, versuchte Gastgeber Lanz wieder und wieder zu erfragen. Baum jedoch wollte dazu keine Stellung beziehen. Stattdessen beschränkte er sich auf sein persönliches Grundverständnis der Politik: "Ich bin in der Politik, um Kompromisse zu machen".

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"Ich kann die Menschen nicht heilen"

Auch die eingeladene Intensivmedizinerin Dr. Caterina Reuchsel übte Kritik an den ewigen Diskussionen. "Debatten sind sehr wichtig", beteuerte sie. Allerdings könne sie nicht verstehen, warum man diese jetzt führe: "Für uns ist es schon zu spät", erklärte sie und tadelte die Politik: "Ihr hattet ein Jahr Zeit!" Selbst, wenn nun ein Lockdown durchgesetzt werde, würden sie auf der Intensivmedizin es erst in zwei Wochen spüren.

Die Tatsache, dass es bislang keinen bevölkerungsweiten Aufschrei angesichts der vielen verschobenen Operationen gibt, verwundert die Medizinierin: "Warum reagiert da keiner drauf?", fragte sie in die Runde. Ihre eigene Arbeit schien sie derweil eher zu ernüchtern: "Ich kann die Menschen nicht heilen. Es ist, als hätte man das Penicillin noch nicht erfunden", stellte sie klar.

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