Gesine Cukrowski im Interview

"Die Frauen im Iran sind ein leuchtendes Beispiel für die ganze Welt!"

18.01.2023 von SWYRL/Martina Maier

Durch Bekanntheit Gutes bewirken? Gesine Cukrowski ist dabei. Als Schauspielerin darf es aber auch mal etwas Fieses sein, wie nun zumindest anfänglich in der Hauptrolle der neuen ZDF-Serie "Hotel Mondial".

Eisig wie ein Whiskey on the rocks setzt die neue Chefin ungewollte Mitarbeiter auf die Straße. Doch im Gespräch mit Gesine Cukrowski ("Letzte Spur Berlin", "Weihnachtstöchter"), die jene unterkühlte Blonde spielt, ist man nahezu erleichtert, wie fröhlich und offen die Schauspielerin daherkommt. Anders als ihre Filmfigur ist sie gerne mit Menschen zusammen und hat sich auf die Fahnen geschrieben, gerade Frauen in schwierigen Situationen zu unterstützen. Im Gespräch über Hotels, Findelbabys und ja: Menstruationstassen offenbart die 54-jährige Berlinerin sowohl eine weiche Seite als auch eine energische: Zupacken kann sie ganz offensichtlich, ob am Set, für die Welthungerhilfe oder via Instagram für die Frauen im Iran. Nun ist die Mutter einer erwachsenen Tochter in der neuen Serie "Hotel Mondial" (ab 1. Februar jeweils mittwochs im ZDF, in der Mediathek ab 18. Januar) zu sehen.

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"Ein Hotelteam ist wie ein Schauspielerensemble"

teleschau: Frau Cukrowski, die von Ihnen gespielte Hotelchefin sitzt vor einem übervollen Frühstücksbuffet und begnügt sich mit einem Kaffee und einem Croissant, das sie nicht isst. Was für ein Hotelfrühstückstyp sind Sie?

Gesine Cukrowski: (lacht) Ein ähnlicher! Ich bin nicht so ein Frühstücksmensch und fange eher mittags an zu essen, dann aber ausführlich. Ich esse wahnsinnig gern, aber eben kein Frühstück. Kaffee vertrage ich leider nicht, deswegen ist es bei mir schwarzer Tee mit Zitrone und Honig. Dann belasse ich das Frühstück meistens dabei. Hunger bekomme ich nicht vor zwölf, ein Uhr, aber dann esse ich viel und gerne.

teleschau: Und was würden Sie sich dann bestellen, wenn es auf der Karte alles gäbe?

Gesine Cukrowski: Dann würde ich ein Spiegelei nehmen, eine gebratene Tomate und ein richtig köstliches, feines Roggenbrot. Früher hatte ich dazu noch Speck, aber das lasse ich aus Umweltgründen weg jetzt. Das geht halt einfach nicht mehr und macht keinen Spaß mehr.

teleschau: Wie stehen Sie zur Institution Hotel?

Gesine Cukrowski: Ich liebe Hotels! (lacht sehr) Sonst wäre ich auch ganz schön falsch für die Rolle. Ich bewundere die Arbeit in einem Hotel. Eine Freundin von mir leitet ein Hotel an der Ostsee, da kriege ich immer mal mit, wie es hinter den Kulissen aussieht. Mit ihr habe ich in der Vorbereitung auf die Rolle viel gesprochen, und als ich im Sommer einmal bei ihr war, bin ich wirklich ihr Schatten gewesen und habe geguckt, wie sie das macht.

teleschau: Und?

Gesine Cukrowski: Das ist ein harter Job. Ein Hotelteam ist wie ein Schauspielensemble: Man muss sehr aufeinander abgestimmt arbeiten, damit so ein Hotel funktioniert. Das fand ich schon immer spannend.

teleschau: Ist etwa eine Hotelchefin an Ihnen verlorengegangen?

Gesine Cukrowski: Bei der Berufsberatung, zu der man kurz vor Ende der Schule geschickt wurde, habe ich mir zwei Broschüren mitgenommen: Schauspielerei und Hotelfach. Für mich war aber Theater ganz weit vorne. Ich habe angefangen, Theaterwissenschaften zu studieren, aber gleichzeitig wollte ich immer die Welt entdecken. Da war in meinem Umfeld das Hotelfach eine der Möglichkeiten, über den Horizont zu gucken. Die Vorstellung, ein fremdes Land nicht als Tourist kennenzulernen, sondern dass man dort arbeitet und die Menschen anders kennenlernt, das hat mich schon immer gereizt. Das reizt mich auch beim Drehen. Ich hatte das Glück, oft auch an anderen Orten in der Welt zu drehen, das ist ein großes Geschenk dieses Berufes. Wenn man vier Wochen zusammen arbeitet, ist es etwas anderes, als wenn man sich irgendwo hinsetzt im Restaurant und mal kurz mit dem Kellner schnackt.

teleschau: Gibt es eine Lieblingsurlaubsregion?

Gesine Cukrowski: Ich habe viele Lieblinge. Es gibt so viele schöne Orte auf der Welt. Wenn wir privat reisen, fahren wir meistens an die Ostsee. Laut einer Reisezeitschrift haben wir hier einen der zehn schönsten Strände der Welt! Fischland, Darß, das ist einfach ein Traum! Da müssen wir auch nicht weit irgendwo hinfliegen. Und mein Lieblingshotel ist natürlich das, in der meine Freundin die Chefin ist. Danach kommt eine Weile gar nichts. Als ich die Fischerin in der Reihe "Eine Robbe zum Verlieben" spielte, haben wir zwei Jahre hintereinander dort gedreht und in diesem Hotel gewohnt. Seitdem bin ich verliebt in dieses Hotel.

Mit Udo Lindenberg im "Hotel Atlantic"

teleschau: Was war das Außergewöhnlichste, was Sie je in einem Hotel erlebt haben?

Gesine Cukrowski: (überlegt) Im Hamburger Hotel Atlantic hatte ich zufälligerweise das Zimmer neben dem von Udo Lindenberg. Das war eine wunderbare Begegnung, schon im Fahrstuhl. Meine damals noch kleine Tochter war mit dabei und hatte gerade einen Terrible-Two-Wutanfall. Er hat zauberhaft reagiert und uns willkommen geheißen als seine neuen Nachbarn. Das hat das Kind sofort beruhigt.

teleschau: Was macht das "Hotel Mondial", in dem Ihre Figur die Leitung übernimmt, besonders?

Gesine Cukrowski: Ich bin ein bisschen krimimüde, von daher fand ich eine Hotelserie ganz erfrischend. Außerdem bin ich sehr begeistert von dem Cast, mit meiner Kollegin Agnes Mann war es schon beim ersten Casting "Liebe auf den ersten Blick". Wir haben drei Monate lang zusammen die ersten zwölf Folgen gedreht, in einer alten Teppichfabrik, die als Studio für das Hotel herhalten musste. Eine komfortable Studiosituation hatten wir nicht (lacht). Aber die Geschichten sind supergut geschrieben, und es macht großen Spaß, eine Figur auf Langstrecke zu erzählen.

"Etwas Großartigeres, als bei einer Geburt dabei zu sein, gibt es im Leben nicht"

teleschau: Ihre Hotelchefin ist nicht sehr menschenfreundlich, im Gegensatz zu Ihnen. Sie engagieren sich für mehrere Organisationen. Wie geht es der Stiftung "Projekt Findelbaby", für die Sie seit vielen Jahren aktiv sind und Mütter in Konfliktsituationen dabei unterstützen, ihre Babys bei sich zu behalten?

Gesine Cukrowski: Seit acht Jahren gibt es, durch das überarbeitete Schwangerschaftskonfliktgesetz, die "Vertrauliche Geburt", und seitdem ist unser Notruftelefon nicht mehr so hart im Einsatz. Ich hatte jetzt lange keine Einsätze mehr, aber wenn etwas ist, stehe ich immer noch parat. Bevor es dieses Gesetz gab, war ich so dreimal im Jahr aktiv bei Geburten, oder Beratung dabei. In der Hannoveraner Klinik, in der meine Schwester als Ärztin arbeitete, durfte ich eine Woche lang die Hebammen begleiten und ein Praktikum machen, um bei Geburten zu helfen. Einmal ist es bei einem Notruf passiert, dass die Hebamme sich verfahren hatte und ich als Erste da war. Das Kind war gerade in der Badewanne geboren worden, und ich musste es erstversorgen. Natürlich habe ich mich über das Telefon anleiten lassen. Diese Praktikum ist eine unglaubliche Bereicherung für mein Leben gewesen, denn etwas Großartigeres, als bei einer Geburt dabei zu sein, gibt es im Leben nicht. Das ist jedes Mal ein richtiges Wunder.

teleschau: Bleibt der Kontakt zu den Kindern oder Müttern bestehen?

Gesine Cukrowski: Ja. Vielleicht ein bisschen wie bei einer Patentante. Nicht immer, aber es gibt Fälle, wo ich es noch sehr mitbekomme, wie die Kinder sich entwickeln.

Ein Sprachrohr für die Frauen im Iran

teleschau: Für die Welthungerhilfe sind Sie seit Langem im Einsatz und waren schon mehrfach in Karamoja, Uganda. Auch dort engagieren Sie sich für Frauen und Mädchen. Was ist der Grund dafür?

Gesine Cukrowski: Wir sind weit von Gleichberechtigung entfernt. Frauen haben so viele Nachteile in unserer Welt, und es ist absolut mein Thema, Frauen zu unterstützen. Darum bin ich auch sehr aktiv, was die Frauen im Iran angeht. Frauenrechte und Gleichberechtigung sind mir sehr wichtig. Beispielsweise unser Eva-Projekt, das ich mit der Welthungerhilfe entwickelt habe.

teleschau: Worum geht es dabei?

Gesine Cukrowski: In Karamoja, Uganda, werden menstruierende Frauen während ihrer Periode aus dem Dorf geschickt, sie dürfen in dieser Zeit ihre Kinder nicht versorgen, und die Mädchen bleiben der Schule fern aus Scham, alles, weil sie keinen Zugang zu Hygieneartikeln haben. Eine wirklich schlimme Situation, man kann es sich nicht vorstellen. Und eine solche Ungerechtigkeit! Wenn es da etwas gibt, das man tun kann, muss man doch handeln. Also haben wir dort, neben der Aufklärung, Menstruationstassen eingeführt, die zehn Jahre lang halten und einfach gereinigt werden können. Für die Frauen, die nun im Dorf bleiben dürfen, bedeutet das richtig viel Gleichberechtigung, denn die Männer bekommen die Periode nicht mehr mit und sehen so keinen großen Unterschied mehr zu sich selbst. Es ändert das Bewusstsein zwischen Mann und Frau. Und die Mädchen verpassen keine Schule mehr. Natürlich gibt es auch hier Frauen, die sich Menstruationsartikel nicht leisten können. Ich bin sehr dafür, diese frei erhältlich zu machen. Neulich war ich im Kino, und dann stand auf der Damentoilette eine Packung Tampons. Das freute mich einfach.

teleschau: Was machen Sie in Bezug auf den Iran?

Gesine Cukrowski: Ich gehe auf Demonstrationen und ich nehme meinen Instagram-Kanal, um die Nachrichten aus dem Iran weiterzustreuen. Das ist ja das, worum die Männer und Frauen dort bitten: dass die Informationen, die rauskommen, möglichst weit gestreut werden. Da kann ja auch jeder mitmachen. Teilweise wird das Internet abgestellt, es wird alles getan vom Regime, um zu verhindern, dass diese Nachrichten in die Welt gehen. Seit September teile ich also die Informationen, die ich selber erhalte.

teleschau: Haben Sie Angst, sich deshalb mit den falschen Leuten anzulegen?

Gesine Cukrowski: Nein, überhaupt nicht. Angst wäre da auch kein guter Ratgeber. Die Frauen im Iran sind so ein leuchtendes Beispiel für unsere ganze Welt, was Zivilcourage angeht. Es ist der Großteil der Gesellschaft, der da jeden Tag auf die Straße geht und sein Leben riskiert, und wenn man das nicht unterstützt, weiß ich auch nicht, wo da die Empathie geblieben ist. Das kann man ja nur unterstützen. Die Resonanz ist sehr positiv. Es ist ein Schneeballprinzip, inzwischen machen so viele Menschen mit. Das ist ja das Schöne an so einer Plattform wie Instagram, dass man global vernetzt ist, Informationen teilen und international Druck aufbauen kann, denn darum geht es.

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