Naturjournalist im Interview

Dirk Steffens feiert Premiere im Ersten: "Die Menschen dürsten nach positiven Nachrichten"

26.04.2026 von SWYRL/Maximilian Haase

Nach dem Ausflug ins Privatfernsehen geht es für Dirk Steffens nun erstmals ins Erste: Im Interview spricht der 58-jährige Journalist und Naturliebhaber über seine Premiere bei "Erlebnis Erde", die Probleme der Nationalparks, Pessimismus und Populismus und das Bedürfnis nach positiven Nachrichten.

Seit 35 Jahren zeigt er dem Fernsehpublikum, wie schön unsere Welt ist - aber auch, wie bedroht: Dirk Steffens ist zugleich Naturliebhaber und klassischer Aufklärer im Namen der Forschung, das merkt man all seinen oft atemberaubenden Reportagen an. Jahrelang präsentierte der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalist seine Naturfilme in der ZDF-Reihe "Terra X", bevor er 2022 zu RTL wechselte und für "GEO" arbeitete. Nach vier Jahren Ausflug ins Privatfernsehen kehrt der 58-Jährige nun ins Öffentlich-Rechtliche zurück: Als neuer Moderator der ARD-Reihe "Erlebnis Erde" soll er der altehrwürdigen Sendung ein neues Gesicht verleihen. Gleich in der Premierenfolge (Montag, 27. April, 20.15 Uhr, ARD) betrachtet Steffens mit dem Kruger-Nationalpark eine wichtige Instanz des Tier- und Naturschutzes. Ein Gespräch über seinen Einstand im Ersten, Overtourism und kuriose Elefanten, über problematischen Weltuntergangspessimismus und den Durst der Menschen nach positiven Nachrichten.

teleschau: Herr Steffens, bei "Erlebnis Erde" sind sie nun regelmäßig im Ersten zu sehen. Welche Beziehung hatten Sie persönlich vorher zu dem Format und den ARD-Naturfilmen?

Dirk Steffens: Ich bin natürlich, wie fast das ganze Land, mit den Naturfilmen im Ersten aufgewachsen. Bernhard Grzimek ist schuld daran, dass ich diesen Beruf habe.

teleschau: Das müssen Sie ausführen!

Steffens: Ich erzähle gern, dass ich im Alter von sechs Jahren einen Film von ihm gesehen habe, in dem er ein Zebra am Schwanz zieht. Und deshalb habe ich beschlossen, wenn ich groß bin, will ich das auch mal machen. Das ist die schlichte Wahrheit. Der ARD-Tierfilm hat mich sehr geprägt und war Inspiration für diesen Beruf.

teleschau: Heißt das, mit ihrer neuen Aufgabe im Ersten ging auch ein kleiner Traum in Erfüllung?

Steffens: Ich reib mir manchmal selbst die Augen, wenn ich das aufzähle: "Terra X", "GEO" und jetzt "Erlebnis Erde" - das sind die drei großen Namen aus diesem Bereich. Es ist ein großes Glück, dass ich für alle arbeiten durfte und darf. Natürlich macht das Spaß, dass ich nun dort bin, wo auch Grzimek früher zu Hause war. Wer fände das nicht großartig?

teleschau: Bislang war "Erlebnis Erde" nicht mit festen Köpfen verknüpft. Soll die Reihe nun mit Ihnen ein Gesicht erhalten?

Steffens: Die Dokus im Ersten setzen allgemein mehr auf Köpfe als früher. Das ist eine Strategie, die ist ja nicht geheim. Der Naturfilm war das letzte Genre, in dem das nicht so war. Also, ja: Ich werde mit der Reihe assoziiert, aber wie schon bei "Terra X" oder den RTL-GEO-Dokumentationen wird es keine One-Man-Show. Im ZDF machte ich jährlich vielleicht zehn Dokus, aber die meisten waren ja immer noch ohne mich (lacht). Das wird bei "Erlebnis Erde" genauso sein. Es wird eher eine Weiterentwicklung, den Kern der Marke wollen wir nicht antasten: Den klassischen Tierfilm muss es weiterhin geben. Die Menschen wollen hochklassige Naturaufnahmen sehen, aber mit einem Presenter können Geschichten anders erzählt werden.

teleschau: Inwiefern?

Steffens: Man kann die Dinge etwa humorvoller betrachten, man kann in einer Moderation reflektieren. Man kann auch weitere Bögen spannen und die großen Naturschutzerzählungen besser einbeziehen, als nur über pure Verhaltensbeobachtung. So wie in der ersten Folge zum 100-Jahre-Jubiläum des Kruger-Nationalparks in Südafrika. Da zeigen wir nicht nur die Elefanten und Löwen und Büffel, sondern erzählen auch eine Geschichte.

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"Man kann nicht beliebig viele Menschen in einen Naturraum bringen"

teleschau: Haben Sie die Geschichte über einen der bekanntesten Nationalparks bewusst als Einstand gewählt?

Steffens: Ich würde gern behaupten, es war eine kluge Idee von mir, aber das stimmt nicht! (lacht) Es war ein glücklicher Zufall, dass gerade das Jubiläum anstand.

teleschau: Der Park steht wie kein zweiter als Symbol für Natur- und Tierschutz ...

Steffens: Alle Menschen kennen diesen Namen, alle interessieren sich dafür. Auch wenn man noch nicht das Privileg hatte, hinzufahren, kennt man den Park aus dem Fernsehen.

teleschau: Wie vermeidet man denn in einer Doku darüber die Romantisierung?

Steffens: Es gibt allgemein Gefahren im Naturfilm, von verschiedenen Seiten: Man kann die Natur romantisieren und den Eindruck erwecken, da draußen sei ja alles noch ganz wunderbar. Das entspricht nicht der Wahrheit. Die zweite Gefahr ist, dass man angesichts der zunehmenden Naturzerstörung in den anprangernden Naturjournalismus mit erhobenem Zeigefinger abdriftet. Der wiederum nimmt die Menschen aber nicht mit, weil man von Vorwürfen und Wut nur eine gewisse Dosis ertragen kann. Das sieht man auch an den Einschaltquoten. Der Anprangerfilm von vor 20 Jahren holt keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Wir wissen, dass wir ein Problem haben, und deshalb muss uns niemand ständig schütteln.

teleschau: Wie findet man da eine Balance?

Steffens: Man sollte sich zwischen den beiden Polen bewegen, menschlich und journalistisch sauber. Man soll zeigen, dass man die Natur liebt, aber nicht verschweigen, dass sie gefährdet ist und wir über unseren Umgang mit ihr nachdenken sollten. Das ist die erzählerische Herausforderung des modernen Naturfilms.

teleschau: Wie geht man diese Herausforderung an - etwa konkret am Beispiel des Kruger-Nationalparks?

Steffens: Ein Beispiel: Man sieht, so wie jeder Safari-Tourist, dass dort ganz schön viel Natur zerstört ist. Große Teile des Parks sehen aus, als wäre gerade ein Wirbelsturm durchgefegt und danach hätte es noch gebrannt ...

teleschau: Das überrascht dann doch. Woran liegt das?

Steffens: Man kommt schnell darauf: Es liegt an den Elefanten. Da stellt man erstaunt fest, dass einer der größten Naturschutzerfolge unerwünschte Nebenwirkungen hat. Als der Kruger-Park vor 100 Jahren eingerichtet wurde, gab es nur noch wenige hundert Elefanten - aufgrund von Wilderern, Großwild- und Elfenbeinjägern. Heute leben im Park schätzungsweise 30.000 Elefanten. Es gibt viele Stimmen, die sagen: Das sind zu viele. Wenn die essen, kommt da eine freundliche Panzerarmee, das Buschland wird zerstört.

teleschau: Aber was tun?

Steffens: Es stellt sich die Frage - müssen wir die abschießen? Eine schreckliche Frage für alle, die Tiere lieben. Für mich sind es sogar die Lieblingstiere in der Wildnis, weil sie so sensibel sind. Man schützt die Natur, die Elefanten vermehren sich, dann sind es plötzlich zu viel, und man soll sie abknallen? Das hat man ja in den 90-ern noch gemacht.

teleschau: Und heute?

Steffens: Heute steckt hinter dem Naturschutz viel Forschung. Es geht nicht nur um Zahlen, sondern darum, das Verhalten der Tiere zu lenken, etwa über die Schließung künstlicher Wasserlöcher, Öffnung von Zäunen oder Vergrämung an besonders übernutzten Orten. Die ganze Geschichte kann man sich in unserem Podcast "Kettenreaktion" anhören.

teleschau: Welchen Problemen müssen sich die Nationalparks in der Wildnis heute noch stellen?

Steffens: Overtourism etwa. In der zweiten ARD-Doku geht es um die Migrationsbewegungen der Tiere, die für ökologische Prozesse von enormer Bedeutung sind. Wir brauchen diese großen Tierwanderungen, von den Zugvögeln bis zu den Gnu-Herden. Für den Dreh waren wir in der Masai Mara, während zwei Millionen Gnus den Fluss überqueren. Aber man sah auch die vielen Touristen, wie Kolonnen an Safari-Fahrzeugen das Überqueren der Herden stoppten. Die Gnus wollen über den Fluss, der voller Krokodile ist, überall lauern die Löwen, und auf der anderen Seite die Touristen. Die Gnus können nirgendwo hin und drehen mitten im Fluss um. Overtourism ist für die großen Naturschätze unserer Welt ein Riesenproblem. Das muss reguliert werden.

teleschau: Wie kann das gelingen?

Steffens: Am besten nicht über den Preis, dann schreien die Leute immer auf, das sei unsozial. Dabei hat jedes Fußballspiel, jedes Theater eine begrenzte Zahl von Plätzen. Man kann nicht beliebig viele Menschen in einen Naturraum bringen und denken, das hätte keine Auswirkungen. So naiv dürfen wir nicht sein. Dann würden wir das zerstören, was wir gerade sehen wollen.

"Pessimismus und Populismus helfen sicher nicht"

teleschau: Immer wieder plädieren Sie dafür, nicht nur die Katastrophenerzählungen zu bedienen, sondern vor allem positive Narrative. Wie kann dieser Spagat im TV gelingen?

Steffens: Das ist sicher eine redaktionelle Entscheidung, hinter der bei mir aber auch eine wissenschaftliche und philosophische Erkenntnis steht: Wer ein Problem hat, kann es nicht lösen, indem er aufgibt. Das ist sehr banal, wird aber gerne mal vergessen. Zudem gibt es einen Überfluss an schlechten Nachrichten. Wer also sein Problem an die Menschen bringen will, muss eine Erzählform finden, die angenommen wird. Schreit man immer nur "Weltuntergang", hilft das niemandem.

teleschau: Sie spielen darauf an, dass es in den letzten Jahren oft hieß, die Menschheit sei dem Untergang geweiht ...

Steffens: Wenn ich über große Menschheitsprobleme rede, dann rede ich nicht über Politik oder Kriege. Sondern über unsere Lebensgrundlagen. Dass wir Menschen atmen können, etwas zu trinken haben und etwas zu essen haben. Diese basalen Grundlagen müssen wir schützen, das hat höchste Priorität. Wenn die kaputt sind, spielen alle anderen Fragen überhaupt keine Rolle - selbst die großen Kriege nicht. Aber: Es ist möglich, diese Lebensgrundlagen zu bewahren und das dauerhaft. Daran gibt es keine Zweifel.

teleschau: Der Weltuntergang steht also nicht unmittelbar bevor?

Steffens: Es gibt keinen Grund zu behaupten, wir hätten keine Chance. Das ist sachlich falsch. Aber der Eindruck entsteht, wenn wir nur betonen, was alles schiefläuft.

teleschau: Woran liegt es, dass medial die negativen Geschichten überwiegen?

Steffens: Das menschliche Gehirn liebt den Skandal und das Problem mehr als die gute Nachricht oder die unspektakuläre Lösung. Entsprechend negativ ist die Berichterstattung, und dem versuche ich etwas entgegenzusetzen.

teleschau: Können Sie ein Beispiel nennen?

Steffens: Ich sage etwa: Ja, wir haben den Klimawandel, aber gibt tolle Ansätze. Wir sind bei neu gebauten Kraftwerken bei 90 Prozent erneuerbarer Energie. Aber diese Erzählung hören Sie nicht, dafür hört man in den Nachrichten Streit ums Windrad, Deutschland verfehlt Klimaziele, Trump steigt aus Klimaabkommen aus. Es ist meine Mission geworden, der wahren frustrierenden Hälfte der Nachrichten die genauso wahre motivierende Hälfte entgegenzusetzen.

teleschau: Haben Sie dabei das Gefühl auch gegen eine mediale Aufmerksamkeitsökonomie ankämpfen zu müssen?

Steffens: Kämpfen ist vielleicht zu stark. Es gibt keine Verordnung oder intrinsische Motivation der Kollegen, sondern da wirken Mechanismen. Nachrichtensendungen, die mit Skandalen aufmachen, bekommen höhere Quoten. Das sind die Medien, und das ist nur ein Teil der Realität.

teleschau: Sie meinen, abseits davon möchten Menschen nicht nur negative Nachrichten hören?

Steffens: Bei der Tour zu meinem Buch "Hoffnungslos optimistisch" erlebe ich jeden Tag, wie sehr die Menschen sich über gute Nachrichten freuen, die Mut machen und Grund für Optimismus sind. Ich glaube, das Bedürfnis danach ist derzeit da.

teleschau: Hängt das auch mit der aktuellen Weltlage zusammen?

Steffens: Die Menschen dürsten nach positiven Nachrichten. Ein bisschen wie der Durstige in der Trockenzeit. Wir haben genug Probleme und es gibt genügend Aufgaben. Niemand wäre so blöd, dem zu widersprechen. Wir sind alle von den Multikrisen überfordert. Da tut es der Seele und der Schaffenskraft gut, wenn man hin und wieder schaut, was wir geschafft haben. Deutschland bezieht inzwischen 60 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien. Hätte ich das vor 25 Jahren in einem Interview gesagt, hätten Sie wahrscheinlich gedacht, ich hätte nicht alle Tassen im Schrank. Wir feiern die wunderbaren Dinge, die wir schon erreicht haben, viel zu wenig.

teleschau: Bräuchte es also weniger Pessimismus und mehr Optimismus hierzulande?

Steffens: Ein Pessimist ist ein wenig denkfaul. Er analysiert das Problem, beschäftigt sich aber nicht mit den Lösungen. Ein Optimist geht einen Schritt weiter und schaut, ob man das Problem irgendwie lösen kann.

teleschau: Sind die Pessimisten in diesen Zeiten auch anfälliger für Populisten, die das ausnutzen?

Steffens: Ein Populist hat zuerst eine Meinung und sucht sich dann die Fakten, die ihm in den Kram passen. Natürlich muss man dem etwas entgegensetzen. Es ist ja wahr: Wir haben große Probleme, und manche Probleme sind so groß, dass sie unsere Zivilisation auslöschen könnten. Das ist ein schrecklicher Satz, aber er ist die naturwissenschaftliche Wahrheit. Wie kommen wir da wieder raus? Pessimismus und Populismus helfen sicher nicht. Sondern lösungsorientierter, wissenschaftsbasierter Optimismus.

"Man darf nicht den Fehler machen, mit jedem Idioten zu reden"

teleschau: Wenn es um den Begriff der Wahrheit geht, hört man oft die Kritik, die Medien seien nicht neutral oder objektiv genug ...

Steffens: Kein Mensch und keine Sendung ist objektiv. Schon die Auswahl der Nachrichten ist ein subjektiver Akt. Die Behauptung von Objektivität ist im Einzelfall widersinnig. Und Neutralität kann nur erreicht werden, wenn man berechtigte Meinungen gleichberechtigt nebeneinanderstellt. Aber: Man darf nicht den Fehler machen, mit jedem Idioten zu reden. Wenn jemand sagt, die Erde sei eine Scheibe, dann hat der nichts in einer Talkshow zu suchen. Das haben wir in der Corona-Krise gesehen, da bekamen viele querdenkende Realitätsverleugner plötzlich eine öffentliche Plattform. Beim Klimawandel das gleiche Problem. Das ist ein journalistisches Grundversagen.

teleschau: Was kritisieren Sie konkret?

Steffens: Es gibt Menschen, die sachlich nichts beizutragen haben, sich aus Populismus oder Geld- und Machtgier aber mit kruden Thesen zu Wort melden. Wenn man die dann gleichberechtigt in den Medien präsentiert, ist das im naturwissenschaftlichen Bereich wirklich desaströs. Ich darf mich nicht nur journalistisch neutral in die Mitte stellen. Die Wahrheit ist nicht eine von vielen Möglichkeiten. Sondern die Wahrheit ist die Wahrheit.

teleschau: Ist diese wissenschaftliche Wahrheitssuche beim Blick auf einen Naturfilm wie über den Kruger-Nationalpark schwieriger?

Steffens: Naturschutz betrifft alle gesellschaftlichen Bereiche. Es gibt etwa eine koloniale Geschichte, Menschen sind während der Apartheid umgesiedelt und vertrieben worden, damit die Tiere einen Park bekommen. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit. Unter Nelson Mandela haben diese Menschen dann ihr Land zurückbekommen. Auch das erzählen wir. Also insofern, ja: Es gibt die naturwissenschaftlichen Wahrheiten, da ist es sehr eindeutig. Aber alles was das umgibt, was die Menschen und Wirtschaft betrifft, ist nicht so eindeutig zu beantworten. Da greift das Prinzip aus der Politik: Man holt verschiedene Meinungen ein und schaut, ob es eine konstruktive Mitte gibt.

teleschau: Sollte man dabei dem menschlichen Bedürfnis nach Emotionalisierung Raum geben?

Steffens: Man sollte das unbedingt bedienen! Es ist ein seit Immanuel Kant verbreiteter Irrtum, dass wir Menschen reine Verstandeswesen seien. Das ist totaler Bullshit. Wir sind in erster Linie Geschöpfe der Evolution. Das heißt, wir sind überwiegend gesteuert von Intuition, Instinkt und Gefühl. Wir sind emotionale Wesen. Aus der Hirnforschung wissen wir, dass man Dinge besonders gut abspeichert, wenn sie eine emotionale Verbindung haben. Menschen folgen nicht Fakten, sondern Geschichten. Das Entscheidende ist deshalb die Geschichte, das war schon immer so, seit wir das Feuer beherrschen und uns drumherum setzen. Erst gibt es eine Geschichte, dann verändert sich die Welt. Geschichten sind mächtiger als Fakten.

teleschau: Hat sich ihre Weise, Geschichten zu erzählen, denn in den letzten Jahrzehnten verändert?

Steffens: Ja, meine Erzählweise ist eine ganz andere geworden. Mit Anfang 20 wollte ich um die Welt fahren, Abenteuer erleben und die tollen Tiere und die Natur sehen. Das war nur positiv konnotiert. Dann kam die lange Phase der Erkenntnis, dass diese Natur bedroht ist und damit die anprangernden Aufklärungsfilme. Diese Phase ist nun auch vorbei und es kippt in diesen notwendigen Optimismus.

teleschau: Und wenn Sie nun auf Ihren persönlichen Blick auf die Natur schauen, nicht nur als Journalist, sondern auch als Privatmensch ... - hat der sich im Laufe der Zeit verändert?

Steffens: Das ist etwas völlig anderes. Da hat sich genau gar nichts verändert. Für den aktuellen Film war ich wieder im Kruger-Park. Meine ersten wilden Elefanten sah ich vor 35 Jahren. Und nach so langer Zeit war ich noch immer genauso aufgeregt, genauso glücklich und froh, wenn ich so einem Tier gegenüberstehe. Das ist das Wunderbare an der Liebe zur Natur: Sie nutzt niemals ab. Das ist anders als bei Dingen, die man kaufen kann. Man freut sich über das neue Auto, die erste und auch noch zehnte Fahrt ist toll, aber bei der tausendsten erinnert man sich nicht mehr daran. Das ist beim Naturerlebnis völlig anders. Die Liebe zur Natur ist unendlich.

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