Tatort: Murot und das Gesetz des Karma - So. 25.09. - ARD: 20.15 Uhr

Die Melancholie der Distanz

21.09.2022 von SWYRL/Eric Leimann

Zum elften Mal seit 2010 ermittelt Ulrich Tukur als aus der Zeit und sonstigen Krimi-Konzepten gefallener Felix Murot. Diesmal zeigt der Wundertüten-"Tatort" des deutschen Fernsehens einen absurden Hotelfilm, ganz viel "Fargo"-Atmo und einen Ermittler, der nach einer alten Liebe sucht.

Felix Murot (Ulrich Tukur), der schon lange nicht mehr junge Filou-Ermittler des "Tatort", ist bekanntlich Einzelgänger. Seine Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) hat zwar ein liebevolles Auge auf ihren Chef, trotzdem lebt die Figur Murot von ihrer melancholischen Beziehungslosigkeit. Und auch natürlich von der romantischen Idee, dass sich das Junggesellenleben irgendwann doch noch in eines der Zweisamkeit verwandeln könnte. Fans und Beobachter der Murot-Reihe, die jedes Jahr nur um einen Film wächst, wissen jedoch: Immer dann, wenn der LKA-Ermittler auf Liebespfaden wandelt, endet es tragisch.

Im "Tatort: Murot und das Gesetz des Karma" fällt der Titelheld gleich zu Beginn auf die Nase. Nachdem der Kommissar einen Vortrag in einem Wiesbadener Hotel gehalten hat, lernt er abends an der Bar die junge Eva (toll wie immer: Anna Unterberger) kennen. Man trinkt ein Glas Rotwein zusammen. Murot gibt sich, spielerisch aufgelegt, als Versicherungsvertreter aus und wird Opfer von heimlich in seinem Rotweinkelch versenkten K.O.-Tropfen. Am nächsten Morgen wacht er ohne Erinnerung und Brieftasche in seinem Hotelzimmer auf. Am Telefon erfährt Murot von Wächter, dass in seinem Hotel ein toter IT-Fachmann auf seinem Zimmer gefunden wurde.

Diesen Mann hat man im Film schon zuvor konspirativ mit dem seltsamen Xavier (Thomas Schmauser) durch Hotelflure und Aufzüge schleichen sehen. Was hatten die beiden Männer vor - und warum endete das Leben des einen im Hotelzimmer? Gleichzeitig wird Murot seine junge Trickdiebin ebenfalls nicht mehr los. Die Frau schleicht sich in sein Leben und konfrontiert ihn mit Geschehnissen, die er lieber in der Vergangenheit ruhen gelassen hätte.

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Die letzte Szene dürfte lange nachhallen

Wenn ein neuer Murot-"Tatort" ansteht, stellt sich immer die Frage: Welches Filmgenre, welcher Klassiker des Kinos wird hier zitiert oder auch: Mit welchem irren Plot-Trick arbeitet diese Folge? Von Begegnungen zwischen dem Schauspieler Tukur mit seiner Rolle Murot ("Wer bin ich?) bis zum Zeitschleifen-Film ("Murot und das Murmeltier") mussten "Tatort"-Krimi-Puristen schon einiges aushalten. "Murot und das Gesetz des Karma" beginnt als (nur) leicht absurde Hotel-Groteske in dunklen, aber satten Farben. Mit einer Geschichte, die irgendwo zwischen alten Agentenfilmen nach John le Carré und Wes Andersons "Grand Budapest Hotel" angesiedelt ist. Nach und nach verschiebt sich der Plot jedoch in Richtung einer grotesken "Fargo"-Variante mit brutalen, aber nicht immer besonders hellen Kriminellen und Protagonisten, die sich auf unterschiedliche Art hereinlegen, hintergehen und sich dabei als schlechte oder auch als - auf tragische Art - gute Menschen erweisen.

Dabei gerät die Beziehung zwischen Murot und seiner Bar-Bekanntschaft immer mehr in den Fokus der Erzählung, weil sich die Frage stellt: Warum lässt die "Diebin" ihr Opfer nicht in Ruhe, sondern baut eine merkwürdige Beziehung auf, von der lange unklar bleibt, wohin sie führen soll? Der Krimiklassiker "Das Auge" (1983) mit Michel Serrault als Detektiv und Isabelle Adjani als Objekt seiner Begierde mag die Filmemacher Lars Hubrich (Drehbuch) und Matthias X. Oberg (Buch und Regie) zu diesem Film inspiriert haben. Zumindest erinnert er an den fast 40 Jahre alten französischen Klassiker.

Lars Hubrich hatte bereits für den Frankfurter "Tatort" die Folge "Falscher Hase" geschrieben, die ja ebenfalls stark an den "Fargo"-Kosmos erinnerte. Manchmal hat man bei der jüngsten Krimi-Groteske des Felix Murot das Gefühl, die Macher würden den Bogen des arthausigen Kultkrimis hier und da überspannen. Doch dann gibt es wieder wunderbar überraschende Szenen, und am Ende füllt ein - wie so oft bei Murot-Filmen - großes, irgendwie französisch anmutendes Gefühl der Lebensmelancholie den Raum, wie man es von Truffaut- oder Chabrol-Filmen kennt, aber ganz sicher nicht aus Deutschland oder gar aus dem "Tatort". Unbedingt dranbleiben muss man hier bis zur letzten Szene, denn der Krimi schließt mit einem Hammer-Ende, das für längere Diskussionen über den Abspann um 21.45 Uhr hinaus sorgen dürfte.

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