ARD History: Geheimdiplomat Bundeskanzler - Wie Helmut Kohl die Staatssicherheit narrte - Mo. 27.05. - ARD: 23.35 Uhr

Die drei Tage im Frühjahr 1988: Familienausflug und Wendetest

24.05.2024 von SWYRL/Wilfried Geldner

Die drei Tage des Helmut Kohl in der DDR im Frühjahr 1988: Zum ersten Mal reiste ein Bundeskanzler privat in den anderen deutschen Staat, ohne mediale Begleitung. Was führte er im Schilde? Klopfte er die Möglichkeit zur Wende ab? Oder wollte er sich bloß ein wahres Bild vom Zustand "drüben" machen?

Helmut Kohls Reise vom 26. bis zum 28. Mai 1988 hat Münchhausen-Potenzial. Beim Besuch Erich Honeckers im Jahr zuvor hatte Kohl dem gebauchpinselten Staatschef das Versprechen zum touristischen Privatbesuch der DDR abgerungen und damit die Staatssicherheit in die größte Alarmstufe versetzt. Zwar wurde jede Berichterstattung über den Undercover-Besuch ausgeschlossen, doch die Stasi begleitete Kohl und seine familiäre Begleitung auf Schritt und Tritt. Der Film "Geheimdiplomat Bundeskanzler - Wie Helmut Kohl die Staatssicherheit narrte" von Claus Räfle (Erstausstrahlung: 2. Mai bei ARTE) lebt 35 Jahre nach Kohls Coup von der nostalgischen Sicht auf das Leben der anderen.

Ein Gespräch über Fußball soll der Auslöser des unpolitischen Abenteuers gewesen sein. Das jedenfalls berichtet der damalige Pressechef des Ex-Kanzlers, Friedhelm Ost. Nach der Trauerfeier für Olof Palme in Schweden war er mit Honecker ins Gespräch gekommen, bei dem sich dieser als Kenner der früheren westdeutschen Fußballgeschichte erwies. Honeckers Hinweis, dass der ehrwürdige SC Dresden inzwischen "Dynamo" hieß, brachte Kohl später beim Bonner Besuch Honeckers derart geschickt ins Spiel, dass er sich damit publikumswirksamen Zugang zu einem Oberligaspiel in Dresden verschaffte.

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Die Nase im Wind

Nicht nur dort entgingen Kohl und seine Begleitung, bestehend aus Frau Hannelore und Sohn Peter nebst Pressesprecher und persönlichem Berater, bewusst der hautnahen Stasi-Begleitung. Begnadete Erzähler wie Friedhelm Ost färben die skurrile, aber absolut sehenswerte Doku humorvoll ein. Doch Bauchgrimmen weckt nicht erst der von einer Ausreisewilligen der Kohl-Gattin Hannelore in der Semper-Oper zugesteckte Bittbrief. Man spürt Jahrzehnte danach noch einmal die Angst und die Paranoia der Stasi, die keineswegs so putzig war, wie mancher sie heute vielleicht sehen könnte.

Den Kohl-Besuch spielte sie ordnungsgemäß herunter bis zum Gehtnichtmehr. Kohls "Versuch durch Kontaktfreudigkeit in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu gelangen", sei gescheitert, so hieß es in den überlieferten Tagesberichten. Die erhaltenen Schwarzweiß-Fotos (teils Stasi, teils Amateure) sprechen da eine andere Sprache.

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