Das Licht in einem dunklen Haus - Mo. 28.11. - ZDF: 20.15 Uhr

Der Zauber der Klavierlehrerin

23.11.2022 von SWYRL/Eric Leimann

Zum zweiten Mal nach "Tage des letzten Schnees" verfilmt das ZDF einen Kriminalroman Jan Costin Wagners. Henry Hübchen spielt den Ermittler Johannes Fischer, der die Verbindung zwischen einer heutigen Mordserie und Ereignissen des Jahres 1995 aufdecken muss.

Es ist schon mutig, den mittlerweile 75 Jahre alten Henry Hübchen als deutschen Kommissar in Amt und Würden zu besetzen. Das Rentenalter für Beamte hat der große Berliner Schauspieler nämlich mindestens um acht Jahre überschritten. Doch na klar, es gibt auch Pro-Argumente für den Einsatz des silberhaarigen Veteranen: Zum einen könnte der Mann locker als 65-Jähriger durchgehen. Und er ist selbstredend ein herausragender Schauspieler, der Filme besser macht. Schon im Februar 2020 verkörperte Hübchen den Ermittler Johannes Fischer im Film "Tage des letzten Schnees". Nun folgt sein zweiter Fall nach einem Kriminalroman des in Finnland lebenden Deutschen Jan Costin Wagner. Es geht um den Mord an einer Koma-Patientin und ein dunkles Geheimnis, das die Tat mit dem Jahr 1995 verbindet. Bald müssen Chefermittler Johannes Fischer und seine Kollegen Jan Kettler (Lucas Reiber) sowie Konstanze Satorius (Victoria Trauttmansdorff) wegen weiterer Opfer ermitteln.

Wie die erste Wagner-Verfilmung "Tage des letzten Schnees" - übrigens vom Feuilleton durch die Bank weg hochgelobt - ist auch "Das Licht in einem dunklen Haus" mindestens ebenso sehr ein Drama wie Krimi. Jan Costin Wagner, dessen Roman-Plot auch diesmal wieder von Finnland nach Deutschland - nach Hamburg und Umgebung - verlagert wurde, liebt es, Geschichten mit großem Lebenszeit-, Schuld- und Sühnebogen zu versehen und seine Figuren ordentlich leiden zu lassen.

"Das Licht in einem dunklen Haus" spielt auf zwei Zeitebenen: Die aktuellen Ereignisse rund um die Frage, wer eine namenlose Koma-Patientin um die 50 getötet haben könnte und dabei Tränen auf dem Krankenhauslaken hinterlassen hat, wird verknüpft mit einer Freundschaftserzählung aus der Mitte der 90er-Jahre.

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Ein Krimi, dessen Ausstrahlung nur im Winter erfolgen darf

In der Rückblickerzählung kümmert sich der selbstbewusste Tobias (Louis Guillaume) rührend um den scheuen Außenseiter Linus (Mika Tritto). Der Neuankömmling in der Schule wird von Älteren gemobbt. Beide Jungen, vielleicht Achtklässler, himmeln die junge Musiklehrerin Olivia Rentlow (Paula Kroh) an. Die 24-Jährige arbeitet jedoch nicht nur im Schuldienst, sondern gibt auch privaten Klavierunterricht - eine Stunde pro Woche, die sich für Tobias anfühlt, wie ein Aufenthalt im Paradies. Im Laufe des Films erfährt man nun - parallel zu den Mordermittlungen der Gegenwart - wie die Ereignisse von damals komplex und nachhaltig auf die Gegenwart wirken.

"Das Licht in einem dunklen Haus" kann aufs gleiche kreative Film-Kernteam setzen wie der gelungene Erstling: Drehbuchautor (Nils-Morten Osburg) und Regisseur (Lars-Gunnar Lotz). Auch das Spiel mit den beiden Zeitebenen kennt man aus dem ersten Fall. Leider erreicht der zweite Krimi nicht ganz die Qualität des ersten. Das Geheimnis ist etwas durchschaubarer, das Drehbuch etwas geschwätziger und expliziter. Wo in "Tage des letzten Schnees" öfter geschwiegen wurde und die Bilder für sich sprachen, kommen diesmal typische deutsche Erklärbär-Krimisätze ins Spiel. Dass Henry Hübchen und Theater-Ikone Victoria Trauttmansdorff als Ermittler schauspielerisch über dem Durchschnitt agieren, dürfte klar sein - doch sie bekommen diesmal nicht allzu viel zu tun.

Im Roman trägt Jan Costin Wagners finnischer Kommissar den Namen Kimmo Joentaa und ist deutlich jünger. Dennoch glaubt man auch in der nach Deutschland zurücktransferierten Film-Adaption ganz viel skandinavische Düsterheit und vor allem Lebensmelancholie zu spüren. Ein TV-Krimi, dessen Ausstrahlung definitiv nur im Winter erfolgen darf - und der ziemlich trostlos wirkt.

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