10.03.2026 von SWYRL/Susanne Bald
Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene. Ihr Fund in den Neunzigern führt im fiktiven Mysterythriller mit Felicitas Woll zum Mord. Liegt wirklich ein Fluch auf der Scheibe?
Die besten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben selbst. Der ARD-Film "Das dunkle Vermächtnis" (Buch: Thomas Sieben, Regie: Ziska Riemann) erzählt am Samstagabend jedoch nicht die wahre Geschichte des Funds der Himmelsscheibe von Nebra, sondern spinnt in einer Mischung aus Mysterythriller und Familiendrama einen Mordfall voll düsterer Geheimnisse und übernatürlicher Geschehnisse.
Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als älteste bekannte Darstellung astronomischer Phänomene. Als Teil eines Bronzeschatzes lag sie tausende von Jahren auf dem Mittelberg in Sachsen-Anhalt vergraben. 1999 fanden zwei Sondengänger den Schatz und nahmen ihn an sich, obwohl derartige Funde dem Land gehören. Stattdessen ging er in der Folge durch diverse Hehler- und Händlerhände, ehe er nach teils kuriosen verdeckten Ermittlungen samt Lockvogel schließlich sichergestellt werden konnte. 2003 wurden Räuber und Hehler zu Bewährungsstrafen verurteilt, die Himmelsscheibe befindet sich heute im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle.
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Liegt auf der Himmelsscheibe ein Fluch?
Im ARD-Thriller kehrt die Himmelsscheibe zum Jubiläum des Fundes zurück nach Nebra. Das soll groß gefeiert werden, einer der beiden Finder, Arko Haumann (Walter Plathe), eine Rede halten. Doch dazu kommt es nicht, Arko wird ermordet. In Verdacht gerät sein damaliger Kumpan Paul Wenrich (Elmar Gutmann). Der räumt ein, Arko gedroht zu haben, da er in seiner Rede "seine Version der Geschichte" von damals erzählen und "alles richtigstellen" wollte. Getötet habe er ihn aber nicht.
Was damals wirklich geschehen ist wird man erst ganz am Ende erfahren. Kommissar Ritter (Torben Liebrecht) erhofft sich von Wenrichs seit Langem in Hamburg lebender Tochter Kim (Felicitas Woll) Informationen. Sie war als Kind beim Fund der Scheibe dabei, erinnert sich aber nicht. Verdrängung zum Selbstschutz, wie es scheint. Zurück in der Heimat wird sie bald von Erinnerungsfetzen, Albträumen und Visionen heimgesucht.
Arkos Sohn Jonas (Florian Bartholomäi) und die seltsame Blumenhändlerin Agnes Schneider (Barbara Philipp) sind überzeugt, dass die Scheibe nichts als Unglück und Tod bringt. Irgendwann ist auch Schneider tot, und diesmal kann es Wenrich nicht gewesen sein, denn der befindet sich nach einem Herzinfarkt im Krankenhaus.
Felicitas Woll überzeugt
Trotz der stellenweise arg überfrachteten, konstruierten Geschichte geht man dank der atmosphärischen Inszenierung, ruhig aufgebauten Spannung und des überzeugenden Spiels von Felicitas Woll lange mit ihr mit. Die zugegeben überraschende, aber auch ziemlich hanebüchene Auflösung zum Schluss aber ist dann doch ein bisschen zu viel des Guten.
Umso mehr stellt man sich die Frage: Warum hat man nicht die filmreife wahre Geschichte rund um den Fund der Himmelsscheibe umgesetzt? Als Thriller oder als ähnlich skurrile Räuberpistole wie dereinst die unglaubliche Posse rund um die gefälschten Hitlertagebücher, unsterblich gemacht durch Helmut Dietls Filmsatire "Schtonk!", das könnte man sich gut vorstellen.



