Olympia-Berichterstattung

Corona-Chaos: Infektionen werfen Olympia-Teamplanung von ARD und ZDF durcheinander

04.02.2022 von SWYRL/Elisa Eberle

Die Personaldecke von ARD und ZDF wird immer dünner: Nach Lea Wagner, Claus Lufen, Hajo Seppelt und Marco Büchel fällt nun auch "Sportschau"-Moderator Michael Antwerpes für die Berichterstattung von den Olympischen Winterspielen in Peking aus. Grund dafür ist ein positiver Corona-Test.

Es sind keine schönen Zeiten für die Sportverantwortlichen bei ARD und ZDF: Kurz vor der Eröffnung der XXIV. Olympischen Winterspiele in Peking befinden sich bereits fünf Teammitglieder, die aus China berichten sollten, in Corona-Quarantäne. Zuletzt traf es den "Sportschau"-Moderator Michael Antwerpes. Noch in Deutschland wurde der 58-Jährige positiv getestet. "Es ist bitter, so knapp vor den Spielen ausgebremst zu werden. Alles war vorbereitet, zwei Koffer gepackt", sagte Antwerpes gegenüber dem SWR. "Aber am Ende muss man auch den Vorteil sehen: lieber vor dem Abflug positiv getestet als nach der Landung!"

Antwerpes war an einer gemeinsamen Außenposition von ARD und ZDF im Internationalen Broadcastcenter (IBC) als Hauptmoderator eingeplant. An seiner Stelle wird nun Markus Othmer vom Skispringen berichten und die Athletinnen und Athleten an der Schanze in Zhangjiakou interviewen. Bereits in den vergangenen Tagen waren mit der TV-Journalistin Lea Wagner (27), Doping-Experte Hajo Seppelt und Reporter Claus Lufen (55) drei Mitglieder aus dem Redaktionsteam der ARD positiv auf Corona getestet worden. Beim ZDF traf es zudem den Alpin-Experten Marco Büchel (50).

Wagner, Seppelt und Büchel wurden noch vor ihrer Abreise nach China positiv getestet. Bei Lufen schlug der Test erst vor Ort in Peking an. Er befindet sich, ARD-Angaben zufolge, derzeit in einem Quarantänehotel. Seppelt und Büchel gelten inzwischen zwar als genesen, aufgrund der strengen Grenzwerte in China werden sie jedoch nicht einreisen, sondern von Deutschland aus arbeiten und sich um Hintergrundberichte kümmern.

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Sender reduzieren Teams vorsorglich massiv

Aus Sorge um etwaige Ausfälle hatten sowohl die ARD als auch das ZDF bereits im Vorfeld der Olympischen Winterspiele entschieden, das Gros der Sendestrecken aus Mainz zu bespielen. Für das Erste moderieren Jessy Wellmer (42) und Julia Scharf (41), im Zweiten sind Rudi Cerne (63) und Katrin Müller-Hohenstein (56) zu sehen.

Das Team vor Ort in China wurde sowohl vor als auch hinter der Kamera auf eine minimale Größe geschrumpft: Berichteten 2014 noch rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem russischen Sotschi werden 2022 nur rund 50 Personen vor sowie etwa gleich viele hinter der Kamera beschäftigt sein. Die restlichen 80 Prozent werden in Mainz bleiben.

"Unsere Linie: Das Team vor Ort so klein wie möglich und die Aufenthaltsdauer in China so kurz wie möglich zu halten", erklärte ARD-Teamchef Christoph Netzel diesen Kurs. "Die knallharten Vorgaben der Olympia-Arbeitsquarantäne, die Kontrollen und die permanente Überwachung werden die persönlichen Freiheiten enorm einschränken - dies sind hohe Belastungen." Neben Markus Othmer (ARD) wird Sven Voss (ZDF) die Interviews nahe der Skisprungschanze führen. Berichte aus China kommen von Stephanie Müller-Spirra und Claus Lufen aus der Quarantäne für das Erste. Für das ZDF berichten Alexander Ruda und Sven Fischer (Biathlon), Lena Kesting (Ski alpin), Norbert König und Toni Innauer (Skisprung). Außerdem Teil des Teams sind die China-Korrespondentin Tamara Anthony (ARD) und ihr ZDF-Kollege Ulf Röller.

Lena Kesting: "Unser Job ist es, zu berichten"

Noch hat man also ein schlagkräftiges Team im Einsatz. Dass es aber weitere Berichterstattende "erwischen" könnte, ist wahrscheinlich. Auf die Frage, was passieren würde, wenn man sich vor Ort mit Corona infiziert, sagte ZDF-Sportmoderatorin Lena Kesting der Agentur teleschau: "Das ist der große unbekannte Faktor in diesem Spiel. Man wird isoliert werden, zunächst im Hotel und dann bei einem zweiten positiven Test auf einer Quarantäne-Station. Bei Symptomen muss man dann in ein chinesisches Krankenhaus - selbst, wenn es nur leichte Symptome sind."

Lena Kesting hat sich vorgenommen, sollte sie das Virus in China erwischen, die Umstände ihrer Isolation zum Thema zu machen: "Zwar bin ich geboostert und grundsätzlich gesund, aber unser Job ist es, zu berichten", betonte sie im teleschau-Interview. "Nicht nur über den Sport, sondern auch über die Zustände. Ich bin mir nicht sicher, ob das aus dem Quarantäne-Hotel noch gehen würde. Wenn mich Corona trotzdem treffen sollte, wäre es mein Ziel, darüber zu berichten, wie ich die Situation vor Ort erlebe."

"Komplizierteste Spiele aller Zeiten"

"Auch wir haben uns diesen Austragungsort nicht ausgesucht", sagte BR-Sportchef Christoph Netzel vor den Spielen. Der ARD-Teamchef Olympia 2022 spricht vor dem Event in Peking von den "kompliziertesten Spielen aller Zeiten".

ARD und ZDF sowie natürlich auch Eurosport machen, was die Programmflächen mit Übertragungen aus Peking angeht, trotz allem keine Abstriche - dank digitaler Ausweichmöglichkeiten gibt es vom 4. Februar bis zum 20. Februar mehr Wintersport denn je. ARD und ZDF zeigen von den XXIV. Olympischen Winterspielen in Peking je 120 Stunden Live-Sport im linearen TV, dazu kommen jeweils etwa 500 Stunden mit Olympia-Streams auf den digitalen Kanälen und in den Mediatheken. Verpasstes kann jederzeit nachgeholt werden. Olympia total.

"Der Sport steht im Mittelpunkt, das haben alle Athletinnen und Athleten verdient", betont Christoph Netzel. "Wir freuen uns gemeinsam mit den vielen Wintersportfans in Deutschland auf tolle und emotionale Wettkämpfe." Der ARD-Olympia-Verantwortliche zitierte im Vorfeld Biathletin Franziska Preuß, die es seiner Meinung nach im neuen Sportschau-Podcast "Olympia Countdown" auf den Punkt gebracht habe: "Es war nicht der Traum, Olympia in Peking zu erleben. Aber es ist der Traum eines jeden Sportlers Olympia zu erleben." Netzel versichert: "Dieses Spannungsverhältnis werden wir abbilden."

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