Serien-Comeback in "Wolf Pack"

"Buffy"-Star Sarah Michelle Gellar im Interview: "Ich habe das Recht, meine Stimme einzusetzen!"

18.05.2023 von SWYRL/Rachel Kasuch

Als "Buffy" bleibt sie unvergessen: Nun gibt Sarah Michelle Gellar ihr Comeback in einer Serie des Streamingdienstes Paramount +. Im Interview verrät die Schauspielerin, was es mit "Wolf Pack" auf sich hat und wie es ihr seit der Rolle der legendären Vampirjägerin erging.

Mit "Buffy - Im Bann der Dämonen" (1997 bis 2003) wurde Sarah Michelle Gellar zum Star und zu einer Ikone der 90er-Jahre: In der Titelrolle der Vampirjägerin, die es nicht nur mit den Dämonen, sondern auch mit den besonderen Herausforderungen als weiblicher Teenager aufnahm, schrieb die New Yorkerin Fernsehgeschichte. "Die Monster waren für mich eine Art Metapher für die Schrecken, die man beim Älterwerden überwinden muss", sagt die Schauspielerin heute. Nachdem es länger recht ruhig um sie war, feiert die 46-Jährige dieser Tage ihr großes Serien-Comeback. Und wieder ist es eine Fantasy-Geschichte: "Wolf Pack", zu sehen beim Streaminganbieter Paramount+ und via Sky Q, erzählt von Werwölfen und anderen wahlweise romantischen oder finsteren Gestalten mit Faible für Vollmondphasen. Sarah Michelle Gellar ist diesmal auch als Produzentin mit von der Partie. Im Interview erinnert sich die Ehefrau von Freddie Prinze jr. an die Anfänge ihrer Karriere, sie spricht über ihre Liebe, über Hollywood nach #metoo, und sie verrät, was sie von einer "Buffy"-Neuauflage hält.

teleschau: Sie waren schon als Kind als Schauspielerin aktiv, haben Ihren ersten Emmy mit gerade einmal 18 Jahren gewonnen. Wie war es damals, in der Öffentlichkeit aufzuwachsen?

Sarah Michelle Gellar: Ich glaube, ich war gar nicht so richtig berühmt, als ich jünger war. Aber es war definitiv positiv. Ich war eine arbeitende Schauspielerin und habe so viele Erfahrungen sammeln dürfen und bin dabei erwachsen geworden. Ich wuchs in New York City auf, wo so viele Eindrücke auf mich eingeprasselt sind. Die Schauspielerei war nur ein Teil davon, sie hat mein Leben nie voll eingenommen. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass ich dankbar bin, wie viele Dinge mir durch meinen Job schon früh ermöglicht wurden. Ich wurde mit einer Single-Mom groß und hätte eigentlich nie die Chance gehabt, so viel zu reisen und neue Orte kennenzulernen. Durch meinen Job war das plötzlich alles möglich.

teleschau: Sind Sie sehr aufgeregt, dass Sie mit "Wolf Pack" nach vielen Jahren wieder einmal in einer großen Serienproduktion zu sehen sind?

Sarah Michelle Gellar: Ja, ich bin extrem aufgeregt. Ich habe bereits vor Monaten so vielen Leuten von der Serie erzählt und wie hart ich daran gearbeitet habe. Jetzt ist endlich der Moment gekommen, an dem ich das Werk mit anderen teilen kann. Es ist nervenaufreibend. Gleichzeitig genieße ich diese Zeit auch sehr.

teleschau: Trotz Ihrer langjährigen Karriere sind Sie immer noch nervös?

Sarah Michelle Gellar: Auf jeden Fall, das bin ich immer. Wenn man sich für ein Projekt entscheidet, dann geschieht das meist, weil man dafür brennt und das Gefühl hat, dass die Geschichte erzählt werden muss. Ich hoffe dabei natürlich gleichzeitig immer, dass die Zuschauer es genau so sehen und genießen können. Es macht Spaß, sich danach mit dem Publikum auseinanderzusetzen und mit ihnen über die Serie zu sprechen.

teleschau: Dann tun wir das: Glauben Sie an die supernatürlichen Kräfte des Vollmondes?

Sarah Michelle Gellar: (lacht) Ja. Ich glaube schon, dass vor allem wir Frauen von einem Vollmond betroffen sind. Der Mond hat einen Einfluss auf das Wasser und damit auf die Balance der Erde. Deshalb denke ich, dass etwas Wahres dran ist, dass der Mond besondere Kräfte besitzt. Wenn man nicht in einer großen Stadt lebt, dann wirft der Vollmond ein neues Licht auf unsere Umgebung. Man sieht plötzlich Dinge, die man nicht erklären kann.

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"Nicht nur am Set von 'Buffy' gab es viele Probleme"

teleschau: Sie sind auch als Produzentin tätig. Wie wichtig war Ihnen dieser Schritt?

Sarah Michelle Gellar: Mittlerweile ist es für mich fast schon Pflicht. Es gab so viele Momente, an denen ich von einem Drehbuch begeistert war und an Bord gekommen bin. Und danach fangen dann plötzlich die Produzenten und das Filmstudio an, kleine Änderungen hier und da vorzunehmen. Als Produzentin habe ich nun selbst die Möglichkeit, den Ursprung des Drehbuchs zu schützen und somit die Serie zu machen, die wir von Beginn an erzählen wollten. Gleichzeitig habe ich als Produzentin auch die Macht, die Atmosphäre am Set mitzugestalten.

teleschau: Sie sprechen hier sicherlich aus Erfahrung, wenn sie sagen, dass sie die Atmosphäre am Set mitgestalten wollen?

Sarah Michelle Gellar: Man lernt viel von der Vergangenheit. Mir ist es wichtig, eine gute Kommunikation und einen Team-Geist zu entwickeln, sodass jeder das Gefühl hat, seine Meinung und Gedanken zum Ausdruck bringen zu können. Als Produzentin aktiv mit am Set zu sein, hat mir die Möglichkeit gegeben, wirklich zu sehen, wie die Stimmung während der Dreharbeiten ist. Oftmals ist es so, dass die Schauspieler und Crew am Set nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen, wenn es ihnen körperlich oder seelisch nicht gut geht. Ich wollte genau diese Anlaufstelle für alle sein.

teleschau: Wie war es für Sie damals bei "Buffy"?

Sarah Michelle Gellar: Nicht nur am Set von "Buffy" gab es viele Probleme. Ich habe viel Zeit an Sets verbracht, und einige von ihnen waren echt hart. Es war eine andere Zeit und viele Verhaltensweisen wurden damals einfach akzeptiert, weil es schon immer so war. Es hat am Ende einfach nur ein paar starke Menschen gebraucht, die das Ganze gestoppt und gesagt haben: "Nur, weil wir es immer so gemacht haben, heißt das nicht, dass es so weitergehen muss."

teleschau: Ist es heute besser?

Sarah Michelle Gellar: Ja, seither gab es viele positive Veränderungen an Filmsets. Es gibt Intimitäts-Coaches, deren Job es ist, für die Schauspieler in intimen Szenen da zu sein und ihnen zu helfen, dass sie sich wohl und zu nichts gezwungen fühlen. Das sind wichtige Veränderungen. Aber nicht nur für die Schauspieler, sondern auch für die Film-Crews hat sich vieles zum Positiven verändert. Heutzutage kann sich ein Produktionsassistent ohne Angst beschweren, wenn er 18 Stunden am Stück gearbeitet hat und nicht mehr fahren kann. Heute kann ich als Produzentin sagen: "Keine Sorge, wir holen ein Auto für dich, du musst nicht fahren." So fühlt sich die Crew am Set respektiert und weiß, dass ihre Stimmen gehört werden.

teleschau: Hat sich Ihrer Meinung nach auch seit #MeToo und der Verhaftung von Harvey Weinstein etwas in der Branche getan? Oder herrscht hier Ihrer Meinung nach noch viel Verbesserungsbedarf?

Sarah Michelle Gellar: Ich glaube, es geht auf natürlichem Wege langsam vorwärts. Meine Devise ist, dass Fehler nur Fehler sind, wenn man nicht aus ihnen lernt. Wenn jedoch ein Fehler passiert und man daraus seine Lehren zieht, dann hat man an Weisheit gewonnen und gibt diese weiter. Das gilt aber für jede Karriere - nicht nur in Hollywood.

" In der Serie ging es darum, erwachsen zu werden"

teleschau: Sie waren sechs Jahre lang, von 1997 bis 2003, Buffy, wurden mit der Serie weltberühmt. Könnten Sie sich ein Comeback vorstellen?

Sarah Michelle Gellar: Für mich war die Geschichte von Buffy schon immer extrem wichtig und tiefgründig, denn die Monster waren für mich eine Art Metapher für die Schrecken, die man beim Älterwerden überwinden muss. Ich glaube zwar, dass ich jung aussehe, aber leider nicht mehr so jung (lacht). Dementsprechend bin ich der Meinung, dass die Geschichte besser durch die Augen einer jüngeren Person erzählt werden sollte. Ich mochte die Art und Weise, wie wir die Serie beendet haben - mit der Idee, dass jedes Mädchen Kräfte besitzen kann. Daran kann man definitiv anknüpfen, aber ich glaube nicht, dass ich die richtige Person dafür wäre. In der Serie ging es darum, erwachsen zu werden. Das bin ich definitiv geworden (lacht).

teleschau: Sie haben in insgesamt 145 Episoden von "Buffy" mitgespielt. Spontan: Was hat sich im Vergleich zu damals am meisten geändert?

Sarah Michelle Gellar: Vor allem die Kommunikation ist offener geworden. Aber ich muss auch sagen, dass ich mich selbst mit dem Alter und mit der Erfahrung, die ich sammeln durfte, verändert habe. Ich habe meine eigene Stimme und Haltung gefunden. Als junge Schauspielerin hört man viel zu oft, dass man bloß nicht "zu schwierig" sein soll und "einfach nur mit den Umständen leben" soll, weil "so nun mal die Industrie ist" ... Ich weiß jetzt, dass das absolut nicht stimmt. Ich habe das Recht, meine Stimme einzusetzen und werde dafür respektiert und fair behandelt. Das ist doch das, was wir alle am Ende des Tages bei der Arbeit wollen.

teleschau: Sie haben eine kleine Schauspielpause eingelegt, als Sie Mutter geworden sind. Wie schwer war das damals, als erfolgreiche Schauspielerin einen Gang runterzuschalten und dann wieder zurückzukehren?

Sarah Michelle Gellar: Ich dachte damals, dass es das Ende für mich wäre, wenn ich eine Pause einlege. Ich habe aber nie die Hoffnung verloren, dass Menschen mir immer noch gerne zuschauen würden. Deshalb traf ich damals die Entscheidung. Ich wollte nicht verpassen, wie meine Kinder groß werden. Einer der wenigen Nachteile meines Berufes ist, dass er mit sehr viel Reisen verbunden ist. Selbst wenn man in der Stadt dreht, in der man auch lebt, ist man stundenlang von zu Hause weg. Man muss ans Set, bevor die Kinder aufwachen, und man kommt zurück, wenn sie schon wieder im Bett sind. Ich wusste, dass es nicht das ist, was ich will. So wollte ich mein Leben nicht leben.

teleschau: Nicht viele Schauspielerinnen gehen diesen Weg.

Sarah Michelle Gellar: Das it auch vollkommen okay. Für manche Menschen ist das eben der für sie richtige Weg, und ich verurteile das auf keinen Fall. Für mich wäre es einfach nur undenkbar gewesen.

teleschau: Sie haben Ihren Ehemann in den 90er-Jahren am Set von "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast" kennen- und lieben gelernt. Sie sind mittlerweile seit über 20 Jahren verheiratet. Das ist nicht normal in Hollywood. Was ist Ihr Liebes-Geheimnis für eine glückliche Ehe?

Sarah Michelle Gellar: Wenn ich darauf eine Antwort hätte, hätte ich schon längst ein Buch darüber geschrieben und würde auf einer Insel meine Rente genießen. Wir leben heutzutage in einer Welt, in der alles austauschbar geworden ist. Wenn dein Fernseher kaputt geht, dann kaufst du dir eben einen neuen. Wenn du keine Lust mehr auf dein altes Auto hast, dann holst du dir eben ein neues. Ich bin der Meinung, dass wir manchmal nicht genug Arbeit in Beziehungen stecken. Das gilt für Ehen, aber auch für normale Freundschaften. Du musst dazu bereit sein, in deine Beziehungen zu investieren. Das ist mein Geheimnis.

teleschau: Sie sind auch mit vielen Ihrer Schauspielkolleginnen eng befreundet. Wie schwer ist das in dieser Industrie?

Sarah Michelle Gellar: Es ist tatsächlich sehr schwer. Aber, wie gesagt, man muss Arbeit in die Beziehung stecken, damit sie funktioniert. Nur so klappt es.

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"Manche Menschen verlieren ihren Job, weil sie vor Jahren Online mal etwas Dummes gesagt haben"

teleschau: Ihre Kinder sind mittlerweile 13 und 10 Jahre alt. Hätten Sie es gern, dass die beiden in Ihre Fußstapfen treten?

Sarah Michelle Gellar: Meine Tochter zeigt jetzt schon großes Interesse in die Richtung, aber wir sind sehr streng, was das angeht. Sie muss erst ihre High School zu Ende bringen, und dann sehen wir weiter. Sie ist zwar der Meinung, dass das unfair ist, weil ich auch eine junge Schauspielerin war, aber ich hatte im Vergleich zu ihr keine berühmten Eltern. Die Erwartungen an sie werden komplett anders sein, und deshalb ist es mir wichtig, dass sie charakterlich stark genug und auch alt genug dafür ist, um mit dem Druck und der Verantwortung umzugehen, die der Job mit sich bringt.

teleschau: Heutzutage gibt es auch Social Media wie TikTok und Co. Wie sieht es bei Ihnen mit Social Media aus - dürfen Ihre Kinder Accounts haben?

Sarah Michelle Gellar: Nein, momentan erlauben wir das noch nicht. Meine Tochter findet das unfair, aber ich habe ihr erklärt, dass die Menschen einfach anders auf ihre Beiträge schauen würden. Das ist sehr schwer für sie. Ich habe aber einfach Angst vor der Verantwortung, die man im Umgang mit Social Media nicht unterschätzen sollte. Als 12-, 13-, oder 14-Jähriger hat man noch nicht das Gespür dafür, dass die Dinge, die man sagt, in 10, 15, oder 20 Jahren schwerwiegende Folgen haben können. Manche Menschen verlieren ihren Job, weil sie vor Jahren Online mal etwas Dummes gesagt haben. Aus diesem Grund will ich, dass meine Tochter ein wenig älter und weiser wird, bevor sie sich auf Social Media austoben darf.

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