Paul Simon wird 80

Bitte in Ruhe weitermachen lassen!

13.10.2021 von SWYRL/Stefan Weber

Mit 80 kann Paul Simon inzwischen entspannt sein musikalisches Leben Revue passieren, ans Aufhören denkt die Songwriter-Legende aber noch lange nicht.

Eine Legende zu sein, so erklärte Paul Simon einst in einem Interview mit der Musikzeitschrift "Uncut", bedeute doch in Wahrheit nichts anderes als alt zu sein. Macht sich hier einer der größten Songwriter aller Zeiten über sich selbst lustig? Ist der Simon & Garfunkel-Star trotz aller Erfolge bescheiden geblieben? Oder spricht aus ihm vielleicht sogar die leichte Verbitterung des Alters? Nun, zumindest Letzteres ist nicht anzunehmen. Paul Simon, der am 13. Oktober seinen 80. Geburtstag feiert, kann inzwischen - bei allen durchlebten Höhen und Tiefen - entspannt auf seine Karriere zurückblicken.

Dass der am 13. Oktober 1941 in Newark, New Jersey geborene Paul Frederic Simon vor allem die musikalischen Dinge mit einer gewissen Gelassenheit sieht, darf man getrost annehmen. Sein letztes Album mit neuen Songs "Stranger To Stranger" erschien 2016, zwei Jahre später veröffentlichte er die Sammlung "In The Blue Light", auf der er neu arrangierte Versionen von eher unbekannteren Liedern aus seinem Repertoire präsentierte. Er nimmt sich Zeit - seit jeher: Ein produktiver und schneller Arbeiter, so gab Simon schon zu Beginn seiner Solokarriere Anfang der 70er-Jahre zu, sei er nicht.

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Inzwischen Familienmensch

Ohnehin widmete sich Paul Simon in den letzten Jahren vermehrt seiner Familie: Gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau, der Songwriterin Edie Brickell, hat Paul Simon drei Kinder. 2011 erzählte er in einem Interview, dass er seine Kinder jeden Tag zum Unterricht fahre und sie auch wieder abhole. Mit Verweis auf seine Familie, die ihm auf langen Konzertreisen fehlen würde, gab Simon 2018 auch seinen Abschied von großen Tourneen bekannt. Vereinzelte Auftritte gibt es dennoch immer wieder, beim großen "We Love NYC: The Homecoming Concert" im August 2021 verhinderte nur ein Unwetter Simons Auftritt vor 60.000 Menschen im New Yorker Central Park.

Dass er dort, wo Simon & Garfunkel 1981 ein legendäres Konzert spielten, nicht mit seinem langjährigen Partner auf der Bühne stand, dürfte niemanden mehr gewundert haben. Auch wenn das Duo nach seiner Auflösung 1970 immer wieder gemeinsam auftrat und sich trotz aller Streitigkeiten immer wieder annäherte, die Gräben sind inzwischen tief. Garfunkel echauffierte sich 2015 einmal mehr in einem Interview, dass er nicht verstehen könne, warum Simon einst die Zusammenarbeit beendete, und bezeichnete ihn als "Idioten". Simon wiederum schloss 2016 eine erneute Reunion aus: "Wir kommen einfach nicht miteinander aus, es macht einfach keinen Spaß", erklärte er.

Vom Folk- zum Pop-Duo

Dabei kennen sich beide bereits seit der frühesten Kindheit, gingen auf die gleiche Schule, spielten dort gemeinsam in einer Aufführung von "Alice Im Wunderland". Bereits mit zwölf Jahren schrieb Simon erste Songs auf der Gitarre, schon damals war Garfunkel ein talentierter Sänger. Aber schon damals zeigte sich ansatzweise der "starke Wettbewerb", der später die musikalische Partnerschaft bestimmen sollte: "Meine erste Erinnerung an ihn geht zurück bis in die vierte Klasse", erzählte Simon 1984 in einem Interview: "Er sang damals in der Aula, und alle Mädchen redeten über ihn. Und danach beschloss ich, es auch mit dem Singen zu versuchen." Gemeinsam nahmen die beiden bald darauf - unter dem Namen Tom & Jerry - erste Songs auf. 1957 landeten die 16-Jährigen sogar einen Hit: Das stark von den Everly Brothers beeinflusste "Hey, Schoolgirl" erreichte Platz 49 der Popcharts.

Der große Durchbruch ließ aber noch auf sich warten. Erst 1964 unterzeichneten die beiden ihren ersten Plattenvertrag, das erste Album "Wednesday Morning 3 A.M." floppte zunächst. Erst die nachträglich überarbeitete Version - mit E-Gitarre, Bass und Schlagzeug - von "Sound Of Silence" erreichte ein Jahr später Platz eins der Charts. Was folgte, waren Hits wie "I Am A Rock" und "Homeward Bound", der Soundtrack zu "The Graduate" (inklusive "Mrs. Robinson") und 1970 schließlich ein makelloses Meisterwerk: "Bridge Over Troubled Water".

Solokarriere mit Höhen und Tiefen

Es sollte ihr letztes gemeinsames Werk sein. Schon während der Aufnahmen kam es zu Spannungen, die auch aufgrund der Rollenverteilung und den ständigen Vergleichen - Simon als Hauptsongwriter, Garfunkel "nur" der Sänger - hauptsächlich musikalischer Art waren. Extrem verkürzt brachte er den Konflikt bereits 1972 in einem Interview mit dem "Rolling Stone" auf den Punkt: "Arties Geschmack geht eher in Richtung süß. (...) Süß, groß, üppig. (...) Das ist nicht der Weg, den ich gehen will."

Weg von süßen Folk-Songs, hin zu den Rhythmen und Sounds der Welt: Während seiner Solokarriere führte Simons musikalischer Weg unter anderem nach Jamaika, Puerto Rico, Brasilien - und natürlich nach Südafrika, wo Simon mit einheimischen Musikern seinen Klassiker "Graceland" (1986) aufnahm. Aber auch vor Rückschlägen war Simon nicht gefeit: "One-Trick Pony" (1980), ein Film zum gleichnamigen Album, an dem er mitschrieb und in dem er selbst auftrat, aber auch das Musical "The Capeman", an dem er jahrelang in den 90-ern gearbeitet hatte, scheiterten grandios. Letzteres bezeichnete die "New York Post" gar als "den größten Broadway-Flop aller Zeiten". Dazu zeitweise Selbstzweifel, Schreibblockaden und Depressionen, zwei gescheiterte Ehen mit Jugendliebe Peggy Harper und später Schauspielerin Carrie Fisher.

Inzwischen ist er seit fast 30 Jahren verheiratet und ein "glücklicher Mensch", wie er 2011 im "Spiegel"-Interview erklärte. Auch wenn ihn sein Alter nicht unberührt lässt: "Natürlich denke ich darüber nach, dass ich vermutlich in nicht allzu ferner Zeit sterben könnte, und das ist kein Gefühl, das einen vergnügt auf und ab springen lässt. Andererseits ist meine Mutter 97 geworden!" Dass er sein Alter mit Humor nimmt, zeigt auch, dass sich Paul Simon in der Rolle der lebenden Legende nicht wirklich unwohl fühlt. Aber bereit zum Rückzug ist der Songwriter noch lange nicht. Denn - in aller Bescheidenheit - er sei nun mal Künstler: "Ich schreibe Songs und versuche, dass sie so interessant wie nur möglich klingen. Deswegen: Lasst mich doch einfach damit weitermachen!"

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