"Corona-Diktatur" und "Rückführungspatenschaften"

Ausnahmsweise im Doppelpack: Das sind die "Unwörter des Jahres"

12.01.2021 von SWYRL

Doppelt hält besser: Die "Unwörter des Jahres" stehen fest. Sie lauten: "Corona-Diktatur" und "Rückführungspatenschaften".

Diesmal kommt es ausnahmsweise im Doppelpack, das "Unwort des Jahres": Die Jury der "sprachkritischen Aktion in Darmstadt" hat für das Jahr 2020 gleich zwei Begriffe gekürt. Einer am Dienstag auf dem Portal www.unwortdesjahres veröffentlichten Mitteilung zufolge, wurden "Rückführungspatenschaften" und "Corona-Diktatur" als "Unwörter" des Jahres 2020 ausgewählt.

Wie es in den Ausführungen heißt, sei das Jahr 2020 "in bisher kaum gekannter Weise von einem einzigen Thema geprägt worden, der Corona-Pandemie". Mit der erstmaligen Wahl eines Unwort-Paares gehe die Jury darauf ein, "dass dieses Thema in der Öffentlichkeit wie in den Unwort-Einsendungen dominierte". Man wolle zugleich darauf aufmerksam machen, dass "auch in anderen Themenbereichen weiterhin inhumane und unangemessene Wörter geprägt und verwendet werden". In der Meldung unterstreichen die Verantwortlichen, dass die "Unwort-Wahl' keineswegs als Zensurversuch zu verstehen ist, wie ihr gelegentlich unterstellt wurde, sondern als Anlass zur Diskussion über den öffentlichen Sprachgebrauch und seine Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben".

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"zynisch und beschönigend"

Das Wort "Corona-Diktatur" wurde 21-mal vorgeschlagen. Die Jury erklärt dazu: "Dass der Ausdruck auf Demonstrationen verwendet wird, die - anders als in autoritären Systemen! - ausdrücklich erlaubt sind, stellt schon in sich einen Widerspruch dar." Zudem verharmlose der Ausdruck tatsächliche Diktaturen. Er verhöhne "die Menschen, die sich dort gegen die Diktatoren wenden und dafür Haft und Folter bis hin zum Tod in Kauf nehmen oder fliehen müssen". Dies, so ist in dem Statement auf der "Unwort des Jahres"-Homepage nachzulesen, erscheine "umso problematischer, als das Schlagwort oft von denen verwendet wird, die - wie es in einer Einsendung heißt - 'ja selbst und zum Teil ganz offen auf die Abschaffung der bürgerlichen Freiheiten und der sie repräsentierenden Verfassung zielen". Der Begriff "Corona-Diktatur" erschwere es, "berechtigte Zweifel an einzelnen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie offen und konstruktiv zu diskutieren".

41 Vorschläge gingen zum Ausdruck "Rückführungspatenschaften" bei der sprachkritischen Aktion in Darmstadt ein. Mit dem Wort wurde im September 2020 von der EU-Kommission ein neuer Mechanismus der Migrationspolitik bezeichnet. Die Jury hält ihn für "zynisch und beschönigend". In der Begründung heißt es: "Der ursprünglich christlich geprägte, positive Begriff der Patenschaft steht für Verantwortungsübernahme und Unterstützung im Interesse von Hilfsbedürftigen. In der Zusammensetzung mit dem ebenfalls beschönigend für 'Abschiebung' gebrauchten Wort 'Rückführung' wird suggeriert, 'dass Abschieben eine gute menschliche Tat' (Zitat aus einer Einsendung) sei."

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