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Er läuft und läuft und läuft

"New York - Die Welt vor deinen Füßen"
Matt Green ist jahrelang durch jede einzelne Straße von New York gelaufen. Die Doku "New York - Die Welt vor deinen Füßen" begleitet ihn ein Stück weit.

Wer schon einmal in New York war, weiß: Die Stadt erläuft man sich am besten zu Fuß. Nicht nur, weil das Nahverkehrssystem der Millionenstadt, vorsichtig ausgedrückt, sanierungsbedürftig ist. Nein, man erlebt einfach so viel mehr, wenn man sich auf zwei Beinen duch die Hochhausschluchten schiebt, am Strand von Coney Island spazieren geht oder durch die schicken Wohngegenden am Central Park streift. Aber so extrem wie Matt Green muss man das Ganze dann auch wieder nicht angehen. Rund 13.000 Kilometer ist der ehemalige Bauingenieur durch New York spaziert - jede einzelne Straße ist er abgelaufen, jeden Pfad, jeden Weg durch die vielen Parks der Stadt. Mehr als acht Jahre hat er dafür gebraucht, seinen Job gab er für das wahnsinnig anmutende Projekt auf.

Dass Green trotzdem alles andere als ein Besessener ist, das macht der sympathische Dokumentarfilm "New York - Die Welt vor deinen Füßen" deutlich. Zwar zeichnet Green, eigentlich Landei und kein Stadtmensch, seine Marschroute mit dem Smartphone auf. Aber nicht, um auf Instagram damit zu prahlen; auch der Blog, den er betreibt, hatte über Jahre kaum Besucher. Die Motive des Viel-Gehers sind andere - er läuft, ungewöhnlich genug heutzutage, einfach nur für sich. Schon einmal war er lange unterwegs, fast 5.000 Kilometer quer durch die USA. Das Glück aber, so die einfache, aber berührende Botschaft von Greens Mission, liegt manchmal einfach gleich ums Eck.

Spektakulär unspektakulär

Und so zeigt "New York - Die Welt vor deinen Füßen" die Stadt, die jeder zu kennen glaubt, von einer gänzlich unbekannten Seite. Ja, man sieht die Freiheitsstatue und all die glitzernden Wolkenkratzer. Das Augenmerk von Matt Green und Regisseur Jeremy Workman, der ihn immer wieder auf seinen Fußmärschen begleitet hat, liegt aber ganz woanders. Es sind die Blumen, die aus dem Asphalt brechen, die Green begeistern; oder eine Pfütze, in der sich das Licht so schön spiegelt. Und manchmal auch nur ein paar Rohre, die aus dem Gehweg wachsen.

Daneben sind es die Bewohner New Yorks, die es Green angetan haben. Mit typisch amerikanischer Unbedarftheit gehen sie auf den Stadt-Wanderer zu, erzählen ein wenig aus ihrem Leben, und schon geht's weiter, die nächste Straße entlang. Tiefschürfende Erkenntnisse sucht man da vergebens - aber das würde diesen kontemplativen, gemütlichen Film auch nur stören. Und überhaupt: Ein paar Kilometer sind's noch, also weiter, immer weiter ...