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Kampf der Kulturen

"Ip Man 4: The Finale"
Wing-Chun-Legende Ip Man tritt zum letzten Kampf an. Den muss er in "Ip Man 4: The Finale" nicht nur mit Fäusten gewinnen, sondern auch mit Argumenten.

Als im Dezember der neunte "Star Wars"-Teil in die Kinos kam, interessierte sich das chinesische Publikum herzlich wenig für den Film. Warum sollte man sich auch den Abschluss einer amerikanischen Kinosaga aus den 70er-Jahren anschauen, wenn gleichzeitig die "Ip Man"-Reihe in die letzte Runde geht? Und so spielte "Ip Man 4: The Finale" an seinem ersten Startwochenende in China locker mehr als das Vierfache von "Der Aufstieg Skywalkers" ein. Der Erfolg des Martial-Arts-Films passt zu seiner Handlung, geht es in "Ip Man 4" doch vor allem um einen Kampf der Kulturen, ausgetragen zwischen Ost und West, mit Fäusten allerdings, nicht an der Kinokasse.

Nach drei Hauptfilmen, einem Ableger ("Master Z") und einem lose an die Reihe angelehnten Prequel ("The Legend is Born") kehrt Donnie Yen nun ein wohl letztes Mal als Ip Man (1893-1972) zurück, als jener legendäre Wing-Chun-Meister, der die südchinesische Kampfkunst einst zu neuen Höhen führte. "Ip Man 3" endete traurig, mit dem Krebstod der Frau des Großmeisters aus Foshan. "Ip Man 4" erzählt nun, mit reichlich fiktionalen Elementen, von Ip Mans letzten Jahren in Hongkong und in den USA. Auch Ip Man ist mittlerweile krank, auch er hat Krebs. Zusammen mit seinem jugendliche Sohn Ip Ching (Jim Liu) wohnt er Mitte der 60er-Jahre in einer winzigen Wohnung in der damaligen britschen Kronkolonie Hongkong. Von seinem einstigen Ruhm ist ihm wenig geblieben, die Menschen interessieren sich nicht mehr für die alte Kunst des Wing Chun. Und so hält Ip Man auch nicht viel von den Bestrebungen seines Sohnen, ebenfalls die Kampfkunst zu unterrichten.

Ip Man hofft vielmehr, dass der Sohnemann eine ordentliche Ausbildung erhält, am liebsten in den USA. Als ihn sein einstiger Schüler Bruce Lee, den Danny Chan sympathischer anlegt als kürzlich Mike Moh in Tarantinos "Once Upon a Time in Hollywood", nach Amerika einlädt, verlässt Ip Man Hongkong. Eigentlich will er nur eine Schule für seinen Jungen suchen, doch schon bald findet er sich mittendrin in einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Einwanderen und Einheimischen, zwischen Verfechtern chinesischer Kampfkunst und Anhängern des japanischen Karate.

USA vs. China

Leider verliert der Film von Regisseur Wilson Yip, der schon die ersten drei "Ip Man"-Filme inszenierte, seinen Hauptdarsteller, kaum in den USA angekommen, bisweilen aus dem Blick. "Ip Man 4" kämpft an vielen Fronten. Da gerät der Titelheld unvermittelt hinein in die Auseinandersetzung der Schülerin Yonah Wan (Vanda Margraf), die von ihren Klassenkameraden wegen ihrer asiatischen Herkunft gemobbt wird. Ihr Vater (Wu Yue) wiederum, wichtige Figur in der chinesischen Community von San Francisco und Verfecher des Tai Qi, will nicht, dass sie Cheerleaderin wird - das sei zu amerikanisch, meint er. Und dass Bruce Lee die Weißen in die Kunst des Wing Chun einweiht, passt ihm auch nicht. Hartman Wu (Vanness Wu) hingegen, ein US-Marine mit chinesischen Wurzeln und Schüler von Bruce Lee, will genau das. Er versucht, seinen Vorgesetzten, den gnadenlosen Sergeant Geddes (Scott Adkins), von der Überlegenheit der chinesischen Kampfkunst zu überzeugen. Der aber schwört auf Karate.

Durch all diese Konflikte, die der Film ziemlich reißbrettartig aufwirft, wandelt Ip Man etwas planlos. Was passt, schließlich fühlt er sich in Amerika so gar nicht heimisch, geschweige denn willkommen. Immerhin aber darf er in seinem großen Finale wieder ein paar hervorragende choreografierte Kämpfe austragen. Vor allem die Szenen, in der die konkurrierenden Stile aufeinandertreffen, gehören zu den Highlights des Films. Das Grundthema aber, der Rassismus der 60er-Jahre und die kulturellen Unterschiede zwischen Ost und West, werden auf denkbar platte Weise verhandelt. Was schade ist, denn so nah dran an den Problemen der Themen war bislang noch keiner der "Ip Man"-Filme.