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Achtung, Mr. President!

Anti-Flag
Zwischen Message und Musik: Auch auf ihrem zwölften Album "20/20 Vision" nehmen die Punkrocker Anti-Flag politische Missstände ins Visier.

Der Begriff "20/20 Vision" bezeichnet im Englischen die Fähigkeit des ausgezeichneten Sehens ohne Hilfsmittel. Das Konterfei von Donald Trump auf dem Cover des neuen Anti-Flag-Albums ist jedoch, ganz im Gegenteil, ziemlich unscharf. So wollen die Punkrocker wohl ausdrücken, dass die Aussichten mit Bezug auf die gegenwärtige politisch-gesellschaftliche Lage alles andere als ausgezeichnet sind.

Dem amtierenden US-Präsidenten gehören denn auch die ersten Worte auf "20/20 Vision": "In the good old days this wouldn't happen because they used to treat them very, very rough." Sie, das sind Protestierende, Aufständler, wütende Ankläger. Mit einem schreienden "Hate Conquers All" übernehmen Anti-Flag das Kommando. Es ist ein Opener nach Maß, ganz so, wie sich das für die gestandenen Polit-Punks gehört. Bereits 2005 sprach "Spiegel Online" mit Bezug auf Anti-Flag von "Parolenpop für Pausenhöfe", vom 4/4-Takt gegen das Establishment. Damals hieß der Präsident, also das Feindbild, George W. Bush, ansonsten hat sich seither wenig verändert. Die Themen sind weiterhin brisant, die Kommentare weiterhin krachend laut.

Nicht deprimiert, sondern motiviert

Auf "20/20 Vision" beziehen Anti-Flag immer wieder Stellung gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie. Der Grundtenor dabei ist aber nicht deprimiert, sondern motiviert. Nein, die vier Herren aus Pittsburgh können die Welt nicht ändern. Aber ihre Musik bringt all diejenigen zusammen, die nicht einfach nur zuschauen wollen. Diejenigen, die sich nicht ihrem Schicksal ergeben oder sich auf die heimische Couch zurückziehen. Die ebenso kurzen wie einfachen Punksongs sind ihr Ventil, und ja, etwas Pop darf gerne mit dabei sein. Wobei immer klar ist: Hier geht es um mehr als Musik.

Selbst ein textlich explosiver Titel wie "Christian Nationalist" trägt die Lebensfreude in den Backen, während "You Make Me Sick" dem erklärten Feind mit einem Lachen ins Gesicht spuckt. "Un-American" schunkelt zu Akustik-Klängen und gebärdet sich musikalisch eher ur- denn unamerikanisch, und "Resistance Frequencies" legt ein von Bläsern angefeuertes Tänzchen aufs Parkett.

"Somewhere in Pittsburgh, some friends decided to start a band. And they kept on playing": Mit dieser Zeile beginnt die vor Kurzem erschienene Band-Dokumentation "Power To The Peaceful". Und obgleich die gesellschaftliche Note eine Konstante im Schaffen von Anti-Flag darstellt - die Musik ist durchaus eine andere als einst. Anti-Flag sind zu ebenso routinierten wie offenherzigen Songwritern herangewachsen. Das spürt man auf "20/20 Vision" stärker denn je.

Anti-Flag auf Tour:

21.01. Berlin, SO36

22.01. München, Backstage Werk

23.01. Nürnberg, Löwensaal

24.01. Chemnitz, Talschock

28.01. Hamburg, Fabrik

29.01. Köln, Essigfabrik