Like us

Von der Wut beflügelt

Rage
Mit Kontinuität ins neue Jahrzehnt: Auch mit "Wings Of Rage" bewähren Rage sich als Fels in der Heavy-Metal-Brandung.

Wer denkt, die Zeit der Rückblicke sei vorbei, der täuscht sich - zumindest im Fall der Heavy-Metal-Institution Rage: Die Band aus Herne wagt mit "Wings Of Rage" (erhältlich ab 10. Januar) zu Beginn des neuen Jahres so etwas wie einen Rückblick auf die vergangenen Dekaden. Nicht etwa in Form eines Best-ofs, sondern in Form eines brandneuen Studioalbums, in welchem sich die einzelnen Phasen der Karriere widerspiegeln.

Im Schnelldurchlauf: Die 1984 unter dem Namen Avenger gegründete Band Rage war mit ihrem ebenso unprätentiösen wie ausbalancierten Power Metal lange ein prägendes Element der deutschen Szene. Zum Ende des letzten Jahrtausends überraschte die Gruppe mit der gelungenen Integration orchestraler Klänge und einer runderneuerten Mannschaft. 2015 unterzogen Rage sich erneut einer personellen Komplettüberholung, während die klassische Besetzung sich parallel wieder unter dem Namen Refuge zusammenfand.

Dreh- und Angelpunkt während all den Jahren war und ist bis heute Peter "Peavy" Wagner. Um ihn herum: Virtuosen, Kumpels, Genossen des metallischen Werkelns. Momentan sind Marcos Rodriguez (Gitarre) und Vassilios "Lucky" Maniatopoulos (Schlagzeug) Wagners Mitstreiter bei Rage - zwei Metal-Allzweckwaffen, wie sich spätestens jetzt herausstellt. Denn Rage agieren auf "Wings Of Rage" einerseits souverän wie immer, andererseits jedoch setzen sie klare Schwerpunkte - auf den Thrash, auf das melodische Element, auf den epischen Gestus. Was im Grunde nichts anderes bedeutet als: Das Trio feiert verschiedene Kapitel der eigenen Historie.

Geboren im Rurhpott, gereift in Metallfässern

So zaubert der Opener "True" dem geneigten Rage-Fan - nach einem eher fürchterlichen als furchterregenden Intro - umgehend das Honigkuchengrinsen ins Gesicht. Riffbetont und galoppierend wird nach vorne geprescht, um mit einem unvermeidlich hängenbleibenden Refrain jeden Zweifler schachmatt zu setzen. Und für den Fall, dass dies nicht ausreichen sollte, versetzt ihm das feine Gitarrensolo den finalen Stich.

"Wings Of Rage" zelebriert den ebenso bekannten wie bewährten Sound von Rage in all seinen Facetten - geboren im Ruhrpott und über viele Jahre hinweg in Metallfässern gereift. Zu den Höhepunkten gehören unter anderem das balladesk schmachtende "Shine A Light", das traditionelle Stück "Let Them Rest In Peace" mit seinem Mitsingrefrain sowie das sich orchestral aufschwingende "A Nameless Grave". Die Neuauflage des Klassikers "Higher Than The Sky" hingegen, die sich hinter dem etwas kryptischen Titel "HTTS 2.0" verbirgt, ist relativ überflüssig. Troztzdem kann man festhalten: Rage lassen auf "Wings Of Rage" nichts anbrennen und läuten das nächste Jahrzehnt in der Bandgeschichte standesgemäß ein.

Rage auf Tour:

05.02. Mannheim, MS Connexion Complex

06.02. Hamburg, Grünspan

07.02. Siegburg, Kubana

15.02. Memmingen, Kaminwerk

16.02. Nürnberg, Hirsch

23.02. Bochum, Zeche