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Kopfkino noir

Bohren & Der Club of Gore
Wie der Soundtrack zu einem David-Lynch-Film: Bohren & Der Club of Gore veröffentlichen ihr betörend düsteres neues Album "Patchouli Blue".

Dass man eigentlich ganz gut auf etwas verzichten kann, weiß man manchmal erst, wenn man es schon hat. Für ihre EP "Beileid" holten sich Bohren & Der Club of Gore vor einigen Jahren den umtriebigen amerikanischen Gesangsakrobaten Mike Patton (Faith No More, Fantômas) ins Studio. Zum ersten Mal hatte die Band aus Mülheim an der Ruhr mit Patton einen Sänger in ihren Reihen; bis dato, und auch danach wieder, spielten Bohren rein instrumentale Stücke. Das machen sie nun auch auf "Patchouli Blue", ihrem neuen Studioalbum. Und so schön, wie der Ausflug in vokale Gefilde damals war: Man vermisst hier nichts.

"Patchouli Blue" ist erneut eine Ansammlung düsterer Soundminiaturen, eine Aneinanderfügung von Tönen, ein Klang nach dem anderen, langsam bis fast zum Stillstand. Bohren & Der Club of Gore gelten mit ihrer minimalistischen Herangehensweise an die Musik als eine der gemächlichsten Bands überhaupt, und das zelebrieren die drei Musiker genüsslich.

Die Kunst, langsam zu spielen

Harte Arbeit sei es, so langsam zu spielen, weil jeder Ton genau sitzen muss, hat Christoph Clöser einmal erzählt. Clöser spielt Saxofon, Klavier und Schlagzeug, ist Multiinstrumentalist, so wie auch der Rest von Bohren. Nach harter Arbeit klingt auf "Patchouli Blue" allerdings nichts. Bohren & Der Club of Gore machen Musik zum Fallenlassen und Entspannen, ganz weit weg aber von Yogastudio und Ingwertee, immer nämlich mit einem düsteren, unbehaglichen Unterton.

"Patchouli Blue" ist ein Soundtrack zu einem Film, der nie gemacht wurde. Von David Lynch vielleicht oder von Dario Argento. Dass die Songs dennoch "Zwei Herzen aus Gold" oder "Meine Welt ist schön" heißen, ist dem schrägen Humor der Band geschuldet. Jazz trifft hier auf Ambient trifft auf Metal im Schneckentempo. "Doom Ridden Jazz Music" nennt die Band das. Ein langsames Schlagzeug gibt den Takt vor, Klavier, Bass, Orgel, manchmal auch ein sehnsüchtiges Saxofon, passen sich dem langsamen Rhythmus an. Auf "Patchouli Blue" schleichen sich hin und wieder auch elektronische Klänge ein, ein leiser Synthesizer, unaufgeregt und betörend. Unbeschreibliche Schönheit im Zeitlupentempo, und den Film gibt's gratis im Kopf mit dazu.