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Mit gezückten Messern

"Knives Out - Mord ist Familiensache"
Nicht ist, wie es scheint in der grandiosen Thrillersatire "Knives Out - Mord ist Familiensache", in der Daniel Craig als knorriger Privatdetektiv die Wahrheit hinter einem Selbstmord herausfinden will.

Natürlich darf man nicht alles für bare Münze nehmen, was Rian Johnson ("Star Wars - Die letzten Jedi") in seinem cleveren Krimi "Knives Out - Mord ist Familiensache" erzählen lässt. Der Mann, der mit dem formidablen "Brick" einst den Film noir im Handstreich modernisierte, hat viel mehr zu sagen, als er seinen Darstellern in den Mund legt. Er legt Fährten aus und stellt Fallen, in die ein Dutzend Verwandte bei der Aufklärung eines Todesfalles tappt - nicht etwa, weil sie eines Mordes schuldig sind. Sie sind einfach nur verblendet. Und gierig. Und rassistisch. Und überhaupt ziemlich unangenehme Zeitgenossen.

Dabei könnte der Fall klarer nicht sein. Familienpatron Harlan Thrombey (Christopher Plummer) hat sich mit einem beherzten Schnitt die Kehle durchtrennt. Eine Woche ist das jetzt her, der Patriarch - durch Krimis steinreich geworden - liegt nun unter der Erde. Ein Täter muss nicht gesucht werden, und die Verwandtschaft kann sich auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist: die Testamentseröffnung. Weil die Polizei aber den anonym angeheuerten Privatdetektiv Benoît Blanc (großartig als Anti-Bond: Daniel Craig) an die Seite gestellt bekommen hat, fragt sie bei der Sippschaft sicherheitshalber noch einmal nach, was in der Todesnacht passiert ist. Plötzlich ist der Fall gar nicht mehr so klar.

Daran, dass Harlan selbst sein Leben beendet hat, gibt es zwar weiterhin keine Zweifel. Die Umstände allerdings werden immer nebulöser, je mehr die von einer ganzen Armada Superstars (Jamie Lee Curtis, Don Johnson, Chris Evans, Ana de Armas, Michael Shannon, Toni Collette) gespielte Mischpoche von der fraglichen Nacht erzählt. Jeder erinnert sich an andere Details, keiner lässt den anderen in einem guten Licht dastehen. Ihre Aussagen werden in einem rauschenden Stakkato zusammengeschnitten, in dem jedes Wort sitzt - und eine Giftspritze ist.

Jedes Wort ist eine Giftspritze

Derartig grandiose Dialoge, derartig scharfzüngige Dialoge hat es seit Ewigkeiten nicht mehr gegeben auf der Leinwand. Es ist ein Fest, was da in den zwei aufregendsten und witzigsten Kinostunden seit langer, langer Zeit passiert. Aus einem "Whodunnit" in bester Agatha-Christie-Tradition, nur eben mit doppeltem Boden und grotesker Bösartigkeit, wird eine saucoole Abrechnung mit Trumps Amerika, in dem nicht das Land an erster Stelle steht, sondern vor allem erstmal jeder selbst.

Dabei stimmt jedes Detail, vom knarzenden alten Herrenhaus bis hin zu plötzlichen Twitterverweisen. Allein der Stuhl, auf dem die Befragten während der Verhöre sitzen! Ein Thron aus Messern, mit denen sich die Familie gegenseitig abschlachtet - einfach köstlich.

Langweilig wird's nicht, auch wenn man ziemlich schnell ziemlich viel mehr weiß als Benoît Blanc. Der Detektiv freilich tappt keineswegs im Dunkeln. Er durchschaut nicht nur den Fall, sondern auch die ganze Heuchelei. Die vermeintlich Liberalen und die stramm Konservativen, die onanierenden Neonazis und die Duckmäuser haben mit ihrer ganzen Gier, Dummheit und Engstirnigkeit nicht nur den Familienpatron in Geiselhaft genommen, sondern das ganze Land zu einem Drecksloch voller Scheinheiligkeiten verkommen lassen.