Like us

Nach Protesten: Polanski-Premiere abgesagt

Umstrittener Star-Regisseur
Eine Pariser Premiere von Roman Polanskis neuem Film "Intrige" musste wegen heftiger Proteste abgebrochen werden. Dem Regisseur wird Vergewaltigung vorgeworfen.

Es sollte eine feierliche Premiere werden. Doch am Ende musste das Screening von Roman Polanskis neuem Werk "Intrige" in Paris abgesagt werden. Laut "France Info" versammelte sich eine Stunde vor Vorstellungsbeginn eine in Schwarz gekleidete Protestgruppe vor dem Kino Le Champo im fünten Arrondissement der französischen Hauptstadt. Die Demonstranten hatten rauchenden Kanister und Plakate mit den Namen von Frauen dabei, die den umstrittenen Regisseur der Vergewaltigung beschuldigen. Nicht betroffen war eine weitere Vorstellung, bei der Polansik selbst anwesend war.

Roman Polanski wurde kürzlich von der französischen Fotografin Valentine Monnier beschuldigt, sie 1975 während eines Skiurlaubs in seinem Schweizer Chalet sexuell missbraucht zu haben. Monnier war zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt, Polanski 42. Er wies die Vorwürfe durch seinen Anwalt zurück.

"Falsche Beschuldigungen, korrupte Richter"

"J'accuse" - so der Originaltitel von "Intrige" - ist ein historisches Drama über die sogenannte "Dreyfus-Affäre". Alfred Dreyfus war ein jüdischer Offizier der französischen Armee, der 1894 ungerechtfertigt wegen Landesverrats zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Solch eine falsche Verurteilung könne auch heute genauso wieder passieren, erklärte Polanski im Sommer: "Alle Zutaten sind vorhanden: falsche Beschuldigungen, schlechte Arbeit bei Gericht, korrupte Richter und über allem Social Media, das ohne einen fairen Prozess verurteilt."

Bei der Arbeit zum Film habe der Oscar-Preisträger durchaus Parallelen zu seinem Fall entdeckt, er sehe die gleiche Entschlossenheit, Fakten zu leugnen und ihn für etwas zu verurteilen, was er nicht getan habe. Polanski wurde 1977 wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen angeklagt. Nachdem sich der Richter nicht an eine vereinbarte Absprache hielt, floh der Regisseur aus den USA und lebt seither in Frankreich. "Ich muss zugeben, dass mir viele Vorgehensweisen der Verfolgungsmaschinerie im Film bekannt vorkommen, und das hat mich ganz klar inspiriert."

"Intrige" wurde bei den diesjährigen Filmfestspielen von Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet und für den Europäischen Filmpreis nominiert, darunter als bester Film sowie Polanski als bester Regisseur und Drehbuchautor. Am 6. Februar 2020 soll das Historiendrama in die deutschen Kinos kommen.