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Nieder mit der Niedlichkeit

"UglyDolls"
Und noch ein Spielzeugfilm: Hollywood lässt in "UglyDolls" die Puppen tanzen und hält ein pathetisches Plädoyer für Toleranz und den Mut, an sich selbst zu glauben.

Leb' dein Leben, so wie es dir gefällt - in Uglyville ist alles gut, beim Gute-Laune-Auftaktsong. Fast alles: Denn Moxy will mit aller ihrer pinkfarbenen Plüschigkeit in die große Welt, um mit echten Kindern zu spielen. Sie kann ihr Leben eben nicht so leben, wie es ihr gefällt. Dafür ist sie zu hässlich. Das ist natürlich Quatsch, Moxy ist überaus niedlich, und weil "UglyDolls" ein als Kinofilm verkleideter überlanger Werbespot ist, wird Moxy ihr Ziel natürlich erreichen. Dann ist wirklich alles gut: in Uglyville wie in der echten Welt. Nur im Kino nicht: Das Puppenmusical ist nämlich eine ganz schwache Nummer.

Wenn Hollywood nichts mehr einfällt, dann müssen Spielzeuge als Filmvehikel malochen. Das kann mal recht unterhaltsam sein, man denke an den "Lego"-Film oder die überkandidelten "Trolls", das kann aber auch ziemlich schiefgehen, wie die meisten anderen Versuche zeigen. "UglyDolls" gehört zur letzteren Kategorie. Guten wie enttäuschenden Filmen gemein ist dabei, dass sie ein ins Kino verlängerter Werbespot sind.

Nun bekommen also die Uglydolls ihren überlangen Reklameauftritt. Die Puppen wurden in der echten Komsumwelt einst wegen ihrer Andersartigkeit geliebt: Anfang der 2000er-Jahre waren sie noch ein Geheimtipp für alle, die sich beim Spielzeugkauf bewusst gegen gängige Niedlichkeitsideale entscheiden wollten. Mittlerweile sind Uglydolls im Mainstream angekommen und ein Hit in den Kinderzimmern, vor allem in den USA.

Nicht jeden Blödsinn hinnehmen

Flankiert von einem umfangreichen Merchandising-Sortiment, haben sich die Uglydolls zu einer Cashcow entwickelt. Weil man eine Kuh melken muss, solange der Euter voll ist, gibt es nun also den Kinofilm zum Spielzeug. Der hätte eine perfekte Werbemaßnahme werden können, wenn Regisseur Kelly Asbury ("Shrek 2", "Gnomeo & Julia") und Drehbuchautorin Alison Peck in irgendeiner Weise mutig, überraschend oder unterhaltsam gewesen wären.

Da die Filmemacher einfach nur abgedroschen Storyideen in neue Kleider hüllen, ging das Konzept (bis jetzt) nicht auf: "UglyDolls" scheiterte in den USA krachend an den Kinokassen. Das kann man durchaus als positives Signal sehen: Die Kunden nehmen nicht jeden Blödsinn hin.

Es grenzt aber auch wirklich an Beleidigung, was sie in "UglyDolls" serviert bekommen, und es ist zum Einschlafen langweilig. Dabei ist der exaltierte Film temporeich geschnitten, die Songs sind flott, und mit Lina Larissa Strahl übernimmt Bibi aus den "Bibi und Tina"-Filmen die Sprach- und Gesangsparts der Hauptfigur.

Perfekt ist, wer schön ist

Moxy heißt sie und ist getrieben von der Sehnsucht, etwas Neues kennenzulernen. "Vielleicht sind wir zu etwas anderem bestimmt", hofft sie und will einfach mal raus aus ihrer chaotischen Kartonwelt Uglyville. Sie überredet ihre Freunde Lucky Bat, Wage, Babo und Ugly Dog, mit ihr zusammen die große Welt zu suchen, in der es dem Vernehmen nach Kinder gibt, die sich über Spielzeug freuen.

Um sich für den Einsatz in einem Kinderzimmer zu qualifizieren, müssen sie erst die Prüfungen im Institut für Perfektion bestehen: Dort übt eine Heerschar von gleichgeschalteten Puppen, wie man mit Babys umgeht, mit Hunden klarkommt und die Waschmaschine vermeidet. Regiert werden die Konformisten vom schönen Lou, dessen Credo lautet: "Perfekt ist, wer schön ist." Es liegt also an den Uglys, ihm zu beweisen, dass innere Werte mehr zählen als ein auf maximale Niedlichkeit getrimmtes Erscheinungsbild.

Perfide Pläne, großer Heldenmut und viele Erkenntnisse - "UglyDolls" liefert seine erbauliche Außenseiterstory in fein portionierten Häppchen. Die Dialoge funktionieren wie eine Bedienungsanleitung: Es ist einfach unmöglich, irgendetwas falsch zu verstehen. Natürlich kann man Kindern (und ihren Eltern) nicht oft genug sagen, dass es völliger Quatsch ist, so perfekt sein zu müssen, wie es die soziale Medienwelt verlangt. Aber das muss doch auch in einem harmlosen Unterhaltungsfilm nicht mit beleidigender Vereinfachung geschehen.