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Nicht ohne meine Eltern!

"Dora und die goldene Stadt"
Eigentlich zielen die Abenteuer von "Dora" auf ein Vorschulpublikum ab. Der Realfilm lässt aber nicht nur die Hauptfigur altern, sondern hofft auch auf ein Publikum aller Altersklassen.

Es ist eine ungewöhnliche Entscheidung, ein Erfolgsformat so weit zu verändern, dass es - zumindest auf den ersten Blick - nicht mehr viel mit der Vorlage zu tun hat. Im Falle von "Dora und die goldene Stadt", der Kinoadaption der Kinderserie "Dora", ist aus einem Zeichentrickabenteuer nicht nur ein Realfilm geworden; auch die Hauptfigur ist nun ein Mädchen, das rund zehn Jahre älter ist als im Original. Offenbar hat sich das produzierende Studio Nickelodeon erhofft, so ein größeres Publikum anzusprechen. Mit Erfolg: Weltweit konnte der Film schon mehr als das Doppelte seiner Kosten wieder einspielen.

"Dora und die goldene Stadt" ist eine Art "Indiana Jones" für Kinder und Jugendliche, deren Fantasie nicht nur mit der Suche nach einer verschollenen Stadt angeregt wird. Zugleich transportiert der Film, der zum Teil im High-School-Milieu spielt, auch die wichtige Botschaft, dass man sich selbst immer treu bleiben muss - auch wenn die Menschen um einen herum das lachhaft finden mögen.

Titelheldin Dora (Isabela Moner) ist 16 Jahre alt, als ihre Eltern (Eva Longoria und Michael Peña) im Dschungel Südamerikas zu einer Expedition aufbrechen, um nach einer sagenumwobenen Stadt der Maya zu suchen. Dora, die einst selbst mit ihren Forschereltern im Dschungel groß geworden ist, soll derweil bei ihren Verwandten in Los Angeles bleiben. Sie sieht das als eine Art Forschungsauftrag an, studiert sie doch das Verhalten der Eingeborenen, das ihr höchst eigentümlich erscheint. Eigentümlich wirkt Dora aber auch auf die anderen Schüler, was es ihr und ihrem ebenfalls im Dschungel aufgewachsenen Cousin Diego (Jeff Wahlberg, der Cousin von Mark Wahlberg) nicht gerade leichter macht, in der gnadenlosen High School zu überleben. Wobei die beiden allerdings bald ganz andere Probleme bekommen: Dora wird zusammen mit einigen ihrer Mitschüler entführt. Sie soll die Kidnapper zu ihren Eltern bringen - und damit auch zur Maya-Stadt mit ihren immensen Reichtümern.

Wie bei Disney

"Dora und die goldene Stadt" ist ein flotter, witziger Abenteuerfilm, der an "Jumanji" erinnert, aber unschuldiger daherkommt. Regisseur James Bobin ("Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln") erzählt seine Geschichte in bester Disney-Tradition, obwohl das Erfolgsstudio an der Produktion gar nicht beteiligt war. Die Art, wie kind- und familiengerechte Unterhaltung gemacht wird, hat man sich jedoch abgeschaut vom Mäusekonzern und auf "Dora" übertragen.

Die originale Zeichentrickserie, die im Jahr 2000 startete und immer noch produziert wird, zielt auf Vorschulkinder ab, denen spielerisch etwas beigebracht werden soll. Damit spielt auch der Film, wenn er in den ersten Minuten mehrmals die Figuren innehalten und den Zuschauer fragen lässt, ob er ein bestimmtes Wort aussprechen kann. Das wirkt erst irritierend, ist dann aber irgendwie frech-unverfroren und bricht sehr schön mit der klassischen Erzählform. Wenn Dora und ihre Freunde Opfer von halluzinogenen Sporen werden, nach deren Einatmen sie sich gegenseitig als Zeichentrickfiguren sehen, wird der Serie noch einmal wunderbar Referenz erwiesen.

"Dora und die goldene Stadt" ist luftig-leichte Unterhaltung, bei der der Spaß immer im Vordergrund steht. Die Schurken sind darum nie so schurkisch, wie sie sein müssten. Die Helden singen auch gerne mal, und die Suche nach der verschollenen Stadt nutzt bekannte Konventionen, ohne je altmodisch zu wirken. Dieser Film ist einfach charmant und sympathisch und erfindet Dora für ein Publikum, das die Zeichentrickserie nicht unbedingt kennt, vollkommen neu.