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Sie wollen doch nur spielen

"Good Boys"
"Good Boys" versucht die Quadratur des Kreises: ein Film wie "American Pie", aber mit Kindern, deren Wünsche ein wenig simpler sind als die ihrer älteren Kollegen. Hier will niemand seine Unschuld verlieren, ein Kuss reicht schon.

Es gibt Filme, die sehen auf dem Papier perfekt aus. Man kann verstehen, wieso ein Studio grünes Licht gegeben hat und wieso der Produktionsapparat angeworfen wurde. Als Stückwerk im Trailer funktioniert das Ganze dann auch noch. Aber wenn man schließlich den ganzen Film sieht, dann stimmt irgendetwas nicht. Ein solches Werk ist "Good Boys", ein Film, der darunter leidet, dass er eine Geschichte erzählt, für die seine Protagonisten zu jung sind. Der Film der Regisseure Gene Stupnitsky und Lee Eisenberg ist im Prinzip eine Komödie im Stil von "American Pie". Aber während die Teenager vor 20 Jahren noch danach trachteten, endlich ihr erstes Mal zu erleben, geht es in "Good Boys" deutlich unschuldiger zu - bis zu einem gewissen Punkt zumindest. Denn die drei Hauptfiguren sind Zwölfjährige, die in die Junior High School gekommen sind und glauben, dass sich ihr Leben nun ändern muss. Coolness wird nun anders definiert. Wer an einem Bier dreimal kräftig nippt, der ist schon der King der Schule.

Max (Jacob Tremblay) ist in eine Mitschülerin verknallt und sieht endlich seine Chance gekommen, ihr näherzukommen, als er auf eine Knutschparty eines der coolen Kids eingeladen wird. Natürlich will er auch seine uncoolen Freunde Thor (Brady Noon) und Lucas (Keith L. Williams) mitbringen, aber schon bevor die Party startet, scheint alles in die Binsen zu gehen. Denn keines der Kids weiß, wie man küsst. Normalerweise würde man da wohl googeln, diese drei Schlaumeier suchen aber nach "Porno" und finden natürlich nichts, das einem Kuss auch nur ähnlich kommt.

Das Ende der Unschuld

Darum beschließen sie, eine Nachbarin mit einer Drohne auszuspionieren. Als das Hightech-Spielzeug aber kaputtgeht, haben die drei ein Problem. Denn die Drohne gehört Max' Vater, ist teuer und ein wichtiges Arbeitsutensil, das der Sohnemann nicht benutzen darf. Eine neue Drohne soll her, doch dafür müssen die drei erst durch einige Reifen springen.

Soweit ist "Good Boys" eine relativ unschuldige Komödie. Einen großen Teil ihres Humors bezieht der Film aber daraus, Kinder auf Sexspielzeuge treffen zu lassen. Da dürfen die Kids mit Analperlen, einem Dildo oder einer hochqualitativen Gummipuppe hantieren, eine Idee, die sich aber ziemlich schnell abnutzt und angesichts des jungen Alters der Protagonisten durchaus etwas Befremdliches an sich hat. Die jungen Schauspieler mühen sich dabei, ihren Rollen gerecht zu werden, man merkt aber, dass sie von manchem überfordert sind. Das gilt auch für Jacob Tremblay, der 2015 im Drama "Raum" eine grandiose Leistung ablieferte. Was er dort spielte, war wahrhaftig. In "Good Boys" aber wirkt nur wenig wirklich glaubwürdig. Was bleibt, ist eine kleine Geschichte über Kinder, die das erste Mal vom Erwachsenwerden kosten. Nicht nur durch zarte Küsse mit dem anderen Geschlecht. Sondern auch, weil sie erkennen, dass das Leben sogar beste Freunde auseinandertreiben kann.