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Warten auf den zweiten Durchbruch

Oli.P
Oli.P und Schlager: Das kann man sich durchaus als eine Erfolgsgeschichte vorstellen. Auf dem zweiten Album seiner zweiten Musiker-Laufbahn sucht der 40-Jährige aber immer noch nach dem richtigen Profil.

Kann man sich einen ehemaligen Schlager-Star vorstellen, der im Rock, Rap oder Pop erfolgreich eine zweite Karriere startet? Eher nicht. Wer einmal das "Schlager"-Label auf der Stirn hat, wird es in anderen Bereichen immer schwer haben. Umgekehrt sieht es ganz anders aus, weil Schlager-Fans wenig Berührungsängste kennen. Das stellt man fest, wenn im "ZDF-Fernsehgarten" mal wieder richtig schön zu einem Metal-Riff geschunkelt wird, oder wenn man auf die Charts blickt: Die einstigen Teenpop-Stars Ross Antony, Giovanni Zarrella oder Eloy de Jong, die "ihre Zeit" vermeintlich schon hinter sich hatten, feiern im Schlager plötzlich wieder riesige Erfolge. Auch Oli.P hat hier eine neue Heimat gefunden - er aber wartet noch auf den (erneuten) Durchbruch. Mit "Alles Gute" erscheint nun das zweite Album seiner zweiten Musiker-Laufbahn.

Wem sollte man es zutrauen, wenn nicht ihm? Oliver Petszokat war in der Unterhaltungsbranche schon immer ein Reisender. Er erlangte als Daily-Soap-Darsteller ("Alle zusammen - jeder für sich", "GZSZ") landesweite Bekanntheit, landete dann mit dem Grönemyer-Cover "Flugzeuge im Bauch" (1998, Dreifach-Platin) einen Riesenhit, spielte später Theater und moderierte TV-Sendungen. Zuletzt die gefloppte Trödel-Rennovier-Show "Hallo Schatz" am ARD-Vorabend. Jetzt macht der inzwischen 40-jährige Petszokat wieder vermehrt Musik und nennt sich auch wieder Oli.P.

Oli.P auf der Suche nach sich selbst

Nachdem sein Comeback-Album "Wie früher" (2016, keine Chartplatzierung) schon mit einem Bein im Schlager stand und er 2017 mit Mia Julia tourte, geht er jetzt aufs Ganze. Oli.Ps Musikvideos erscheinen nicht mehr über seinen eigenen YouTube-Kanal, sondern über die Dachmarke "Schlager für Alle", hinter der unter anderem eine große Plattenfirma steckt. Auch die Songs sind, wie früher schon, nicht seine eigenen. Dafür beweist Oli.P bei der Wahl der Lieder aber durchaus Mut und Originalität.

"Dein ist mein ganzes Herz" (im Original von Heinz Rudolf Kunze) eröffnet das neue Album - das allein ist schon eine Ansage -, und weiter hinten hört man den Karat-Song "Über sieben Brücken musst du gehn", der spätestens seit Peter Maffay unter Denkmalschutz steht. Man muss es klar sagen: In diesen übergroßen Nummern wirkt Oli.P ziemlich verloren, und auch bei seicht-gefällig produzierten Sehnsuchts-Schlagern wie "Für dich" (Yvonne Catterfeld), "Lieb mich ein letztes Mal" (Roland Kaiser) und "Nachts, wenn alles schläft" (Howard Carpendale) kommen nicht die ganz großen Gefühle auf.

Der Musiker Oli.P hat früher vor allem dann begeistert, wenn er hinter der harten Schale noch etwas Knuffiges an sich hatte. Er war nie ein oberflächlicher Posterboy, nie der leidenschaftlichste Lover, nie anzüglich. Oli.P war irgendwie süß. Er hatte das Herz am rechten Fleck, und wenn er mal traurig war, wollte man ihn trösten - so wie damals bei "Flugzeuge im Bauch".

Diesen speziellen Charme findet man auf "Alles Gute" nur selten, und wenn er mal aufblitzt, dann nur in abgründigen Titeln wie "Ich liebe dich" (Clowns und Helden) und "Sehnsucht" (Purple Schulz), die wenig zeitgemäß von abgestürzten Kettenrauchern und entnervten, kinderschlagenden Müttern erzählen. Dann lieber mehr launige Nummern wie "Lass die Sonne in den Herz" (Wind) - die passen immerhin noch zu Petszokats strahlendem Lächeln.