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Was man für Geld nicht alles tut

"Killerman"
Killerman, where you gonna run to? Liam Hemsworth flieht im ziemlich verkorksten Thriller "Killerman" vor der Polizei und muss gleichzeitig zu sich selbst finden.

Es ist vermutlich nicht leicht, Liam Hemsworth zu sein. So wie es generell wohl schwierig ist, wenn der ältere Bruder mehr Erfolg hat als man selbst. Chris Hemsworth, sieben Jahre älter als Liam, war eben im finanziell erfolgreichsten Film aller Zeiten zu sehen ("Avengers: Endgame"), und gerade erst wurde verkündet, dass er auch im vierten "Thor"Film mit dabei ist. Kurzum: Es läuft für ihn. Bruder Liam hingegen muss sich nach dem Ende der "Tribute von Panem"-Filme mit zweitklassigen Rollenangeboten zufrieden geben (sieht man von der groß angelegten, aber letztendlich auch groß gescheiterten "Independence Day"-Fortsetzung einmal ab). Nur so zumindest lässt sich erklären, warum sich der einst gefeierte Australier auf ein Kinodesaster wie "Killerman" eingelassen hat.

"Killerman" ist ein Film, der anmutet wie aus der Zeit gefallen. Das Bild ist grobkörnig wie in einem Gangsterstreifen aus den 70-ern, die Dialoge gemahnen in all ihrer Hölzernheit an die 80-er, und die Action könnte so oder so ähnlich einem 90er-Jahrefilm entwendet sein. Zu einem Ganzen fügen sich diese Puzzleteile allerdings nicht.

Liam Hemsworth spielt Moe, einen Juwelier mit dubiosem Nebenverdienst. Eine unglaublich kompliziert inszenierte Eröffnungssequenz erklärt, was Moe so macht: Irgendwo in New York, vermutlich in Chinatown, tauscht er Geld aus Drogengeschäften gegen Gold und Gold gegen Schecks. Nach einigen Schleudertouren sind die dreckigen Scheine blütenweiß. Und weil Moe das so gut macht, soll er für den Onkel seines Schwagers Skunk (Emory Cohen) eine ganz große Summe Dollars waschen. Perico (Zlatko Buric) heißt der Onkel, ihm legt das Drehbuch einige der bescheuertsten Sätze dieses an markigen Sprüchen nicht armen Films in den Mund. Da steht er, auf einem Dach mit Blick über New York und verkündet voller Pathos: "Wer es auf diesen Straßen nicht schafft, schafft es nirgends auf der Welt."

Wer bin ich?

Juwelier Moe und sein Kumpel Skunk zumindest sind beeindruckt von so viel Küchenphilosophie und nehmen Pericos Angebot an, 20 Millionen Dollar Drogengeld für ihn in legale Scheine zu verwandeln so wie Jesus einst Wasser in Wein. Es geht los mit zwei Millionen Dollar, doch weil Perico den Deal dann doch abbläst, treffen Moe und Skunk eine folgenschwere Entscheidung: Sie lassen sich auf ein Drogengeschäft ein, zwei Millionen gegen billiges Kokain. Was sie nicht wissen: Das weiße Pulver stammt aus der Asservatenkammer der Polizei. Die Übergabe geht schief, als eben zwei korrupte NYPD-Beamten bei der Übergabe auftauchen und mit Geld und Koks gleichzeitig verschwinden wollen.

Auf der Flucht kommt es zu einem Unfall, Moe wird schwer verletzt. Er überlebt - hat aber sein Gedächtnis verloren und weiß nicht einmal mehr, wie er heißt. Während ihm also die korrupten Polizisten auf den Fersen sind sowie Skunks Onkel Perico, der sein Geld wiederhaben will, hat Moe keine Ahnung davon, wie er in diese Situation geraten ist.

Viel macht Regisseur Malik Bader nicht aus der Situation, in die er seine Hauptfigur manövriert. Es wird zunehmend schwerer, der verworrenen Handlung von "Killerman" zu folgen, aber nicht, weil sich der Zuschauer so fühlen soll wie der unter Amnesie leidende Moe. Vielmehr strickt Bader zu viele Fäden, die sich nur schwer zusammenbringen lassen und die noch dazu so quälend langweilig erzählt sind, dass man schon bald keine Lust mehr verspürt, das Handlungschaos zu entwirren. "Killerman" ist ein unnötig brutaler und unkonzentrierter Film, der es dennoch schafft, seine Geschichte mit einer enervierenden Geduld zu erzählen. Jedes Detail wird in seine Einzelteile zerlegt und ausbuchstabiert, bis einem die Augenlider schwer werden. Einen solchen Film hat Liam Hemsworth wahrlich nicht verdient.