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Nüchtern heißt nicht langweilig

Bleached
Irgendwo zwischen Disco, Funk und Debbie Harry: Das kalifornische Schwesternduo Bleached schleudert mit "Don't You Think You've Had Enough?" eine perfekte Sommerplatte auf den Markt.

Zitroneneis, der Geruch von Sonnencreme, Kindergeschrei im Freibad. Es braucht eigentlich nicht viel, um unmissverständlich klarzumachen: Jetzt ist Sommer. Umso schöner, dass Jessie und Jennifer Clavin sich die Mühe gemacht haben, gleich ein ganzes Album aufzunehmen, das die gleiche Botschaft verbreitet. Als Bleached hat das kalifornische Schwesternduo nun seinen dritten Langspieler auf den Markt gebracht - ach was, gebracht: geworfen, geschleudert! Eine Melange aus Surfrock und Powerpop, garniert mit Oldschool-Disco-Elementen und Debbie-Harry-Reminiszenzen, macht "Don't You Think You've Had Enough?" zu einer ansteckend energetischen Sommerplatte.

Dabei klingt die Prämisse des Albums alles andere als sonnig: Die Schwestern hatten nach einigen Exzessen einen kritischen Blick auf ihr Leben geworfen und sich eben diese Frage gestellt, die der Albumtitel wiederholt. Und ja, sie hatten genug gehabt. Eigentlich sogar zu viel. Es gab einen harten Schnitt. Die Songs dieses Album, erklärt Sängerin Jennifer im Pressetext, seien die ersten, die sie in völliger Nüchternheit geschrieben habe - sie beschreibt den Prozess als "eine Art spirituelle Erfahrung". In ihren Texten verarbeitet sie nun das ganze Chaos der letzten Jahre, beweist darin aber auch, dass die Erfahrungen sie nicht nur abgeklärter, sondern auch optimistischer gemacht haben: "Turns out I'm very hard to kill", stellt sie in der Single "Hard To Kill" fest, die mit funky Gitarren und gepfiffener Hookline noch lange im Ohr bleibt.

Dass Nüchternheit ein Prozess ist, zu dem man sich immer wieder neu entscheiden muss, erörtern die Schwestern in "Heartbeat Away" zu rotzigem Bass und voranstolperndem Refrain. In "Somebody Dial 911" huldigen sie ausführlich The Cure und schaffen eine unheimlich ansteckende Gute-Laune-Nummer, bei der man erst spät merkt, dass es hier um eine durch Drogen geschädigte Beziehung geht. So haben viele ihrer Songs mehrere Ebenen, und selbst die schlichteren (etwa "Real Life") machen wenigstens noch Spaß. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Nüchtern heißt nicht langweilig, gut gelaunt heißt nicht flach. Hoffentlich dauert dieser Sommer noch eine Weile.