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Kein Leberkäs ist auch keine Lösung

"Leberkäsjunkie"
Verlässlich wie der Geschmack einer guten Leberkässemmel: Der Eberhofer kehrt in seinem sechsten Kinofilm auf die Leinwand zurück und ist dabei unterhaltsam wie immer.

Um den Kriminalfall geht es beim Kino-Eberhofer, anders als in den Büchern, natürlich auch diesmal nur am Rande. Es geht ... um Leberkäs. Und ums Bier. Und um die Frage, wie viel davon ein Bayer so braucht - am Tag. Darum, ob Gemüse essbar und Cholesterin irgendwie bedeutend ist. "Leberjäskunkie" ist die mittlerweile sechste Verfilmung eines Buches aus der erfolgreichen Regionalkrimi-Reihe der Autorin Rita Falk. Jährlich kommt inzwischen eine neue, und jedes Mal laufen die stets von Regisseur Ed Herzog mit zauberhaft leichter Hand verfilmten Komödien bestens auch im großen Kinosaal. Kein Wunder: Das ist Charme pur, liebevoll erzählt, großartig gespielt und dazu traumhaft sicher balancierend zwischen politischer Unkorrektheit und menschlicher Vernunft. Nur: Wer halt einen richtigen Krimi erwartet, der wird vermutlich enttäuscht sein.

"Alles Spießer", schreit der Eberhofer (Sebastian Bezzel), und er hat ja irgendwie auch recht in dieser Zeit, in der im Netz scheinbar alles, im wahren Leben aber dann doch ziemlich wenig geht. Er hat's mal wieder krachen lassen, und dann sinkt er mir nix dir nix ohnmächtig dahin. Wieder erwacht, erstellt der Arzt eine eindeutige Diagnose: Der Alkohol muss weg. Und die Leberkässemmel auch: "Pures Gift!" Für einen urbayerischen Niederbayern kommt dieses Urteil freilich einer Katastrophe gleich. Das grüne Zeug, das die besorgte Oma Eberhofer (Enzi Fuchs) fortan kocht, will jedenfalls so gar nicht hinein in den Polizisten-Magen. Und auch Vater Eberhofer (Eisi Gulp) ist mit der Gesamtversorgung jetzt eher unzufrieden: "Wegen dem Hirsch müssen wir jetzt unseren Komposthaufen zusammenfressen."

Der Tragödie nicht genug: Die Beziehung des Franz Eberhofer zu "seiner Susi" (Lisa Maria Potthoff) ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Aber: Es gibt ja ein gemeinsames Baby, auf das er nun eine ganze Woche lang aufpassen soll. Und ausgerechnet jetzt geschieht er dann doch: der Mord.

Ach ja, einen Mord gibt's auch

Das Haus der Mooshammer Liesl (Eva Mattes) ist abgebrannt, und drin wird die verkohlte Leiche einer jungen Frau gefunden. Eher beiläufig beginnt die Suche nach Verdächtigen: Hat ihr Tod etwas mit einem geplanten Hotelbau in Niederkaltenkirchen zu tun? Die Orts-Rechtsextremen könnten es auch gewesen sein. Oder ihr homosexueller bester Freund? Oder gar der Buengo (Castro Dokyi Affum), was dann ganz blöd wäre, weil der angolisch-stämmige Einwanderer halt auch der beste Stürmer des örtlichen Fußballclubs und insofern unverzichtbar ist. Als Buengo gar in U-Haft geht, muss Eberhofer schon zu ungewöhnlichen Mitteln greifen.

Natürlich haut auch dieser Eberhofer-Krimi wieder ein Klischee nach dem anderen raus. Und natürlich ist das auch diesmal völlig wurscht, weil der spielerisch-leichte Umgang mit Vorurteilen eben auch sein Gutes haben kann, wenn man es so angeht wie hier. Zumal keine einzige Person schadlos durch die Handlung kommt. Sie haben alle ihre Macken, merkwürdige Eigenarten, und am Ende greift das Korrektiv, und die Vernunft setzt sich durch.

Eva Mattes - ein Ereignis!

Dass die Eberhofer-Krimis, ob als Buch oder auch als Film, so gemocht werden, liegt nicht zuletzt aber auch den Darstellern, die sich allesamt bereitwillig auf diese ja dauerhafte und damit auch in Schubladen verfrachtende Reihe einlassen. Man merkt ihnen die Freude, die sie hier vermutlich haben, durchgehend an. Diesmal, neben dem wie üblich sensationell unterhaltsamen Eisi Gulp, ganz vorne auf der Sensationsliste: Eva Mattes. Zusammen mit Sebastian Bezzel stand sie 14 Jahre lang als "Tatort"-Kommissarin vor der Kamera. Und hier nun darf sie als Mooshammer-Liesl in einer Art und Weise die Sau rauslassen, dass es eine wahre Freude ist. Sie hat mit Fassbinder und Werner Herzog gedreht, Stücke von Ibsen auf der Bühne gespielt und hohe Kunst gemacht wie "Deutschland, bleiche Mutter" (1980). Und nun eben die sabbernde, geifernde Mooshammerin, die nicht weniger grandios ist.

Mit Freuden wird zumindest der bayerische Zuschauer darüber hinaus das Wiedersehen mit einem altbekannten Vorzeigebayern erleben: Klaus Augenthaler ist dabei - die Ikone des FC Bayern hat sogar eine Sprechrolle. Regisseur und Hauptdarsteller nutzten dem eigenen Bekunden nach die erste Begegnung mit dem Libero unterwürfigst zunächst für Selfies. Ehre, wem Ehre gebührt.