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Wo Totenkopfsocken noch nicht peinlich sind

Sum 41
Deryck Whibley, Jahrgang 1980, blickt auf 20 Jahre im Musik-Business zurück. Dem lauten Überschwang seiner Band Sum 41 tut das keinen Abbruch. Punk is not dead (yet)!

Das Älterwerden kann für einen Punkrocker schnell zum Problem werden: Wenn sich Genügsamkeit einstellt, das Skateboard in der heimischen Garage verstaubt und die Bierflasche nicht mehr die allerhöchste Priorität hat. So sind mit der Zeit viele einst junge Hüpfer ergraut, und nicht wenige haben das Saiteninstrument an den abgewetzten Nagel gehängt. Doch es gibt auch Punkrock-Bands, die die Zeit überdauern. Die ewigen Schreihälse von Sum 41 sind so eine Band.

Eigentlich haben die Kanadier um Sänger und Gitarrist Deryck Whibley ihre Hochzeit nach dem Debüt-Album "All Killer, No Filler" (2001) und den darauffolgenden, immer noch erfolgreichen Platten schon einige Jahre hinter sich. Trotzdem dröhnen die E-Gitarren auch auf ihrem siebten Langspieler "Order In Decline" noch genauso fett aus den Boxen wie damals, als sie im Video zu "Fatlip" beatboxend und mit Igelfrisur vor dem Supermarktbesitzer standen. Auch die etwas oberflächliche politische Note des Frühwerks findet in Songs wie "The People vs ... " ein modernes Äquivalent. Dazwischen wird gerappt, gesungen und auch mal so richtig geschrien, wie es sich für Punk gehört.

Unpeinlich altern mit Vans und Totenkopfsocken

Die rebellischen Texte über die eigene Verweigerungshaltung und die Unzulänglichkeiten der Anderen kommen zwar kaum über Haus-Maus-Lyrik hinaus ("Now it's your right, 'cause every dog has got its day / We're here to fight, resist in every way"). Dafür haben sich Whibley und Co. einiges bei den Punk-Dramatikern von Green Day abgeschaut: In "The New Sensation" gibt es viel "Hey Hey" zu Drums, die sich schon in großen Stadien wähnen. Im großen Finale "Catching Fire" wird dann sogar ein episches "Oh oh oh" herausgeholt. Früher hätte man sich dazu emporgestreckte Feuerzeuge vorstellen können, heute wären es natürlich eher Smartphone-Lichter.

Die Mischung aus nostalgischem Punk und Glam-Glitzer, die hier und da auch noch mit einem Gitarren-Solo angereichert wird, wirkt 2019 zwar nicht mehr ganz frisch. Trotzdem reihen Sum 41 sich gekonnt in der Nähe der immer noch beliebten Blink-182 und zumindest mit entferntem Blick auch in der Nähe von Billie Joe Armstrong und Konsorten ein - und das ist gewiss besser, als sich mit den nicht mehr ganz jungen Knochen beim Kickflip auf die Schnauze zu legen. Unpeinlich altern mit Vans und Totenkopfsocken: Sum 41 wissen, wie's geht.