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Die Tragik eines Untergangs

"Kursk"
Die wahre Geschichte eines großen Scheiterns: Dogma-Regisseur Thomas Vinterberg widmet sich in seinem neuen Film den Opfern des im Jahr 2000 gesunkenen russischen Atom-U-Boots "Kursk". Vor der Kamera: viel internationale Schauspielprominenz.

Düster sind die ersten Momente im U-Boot-Drama "Kursk", düster und beklemmend. Die Leinwand ist schwarz, jemand holt ganz tief Luft, dann rauscht es diffus. Verzweifelt hört sich das an, unheilvoll. Dabei taucht lediglich ein kleiner Junge in der Badewanne. 57 Sekunden wird Misha unter Wasser bleiben, neuer Rekord in seinem jungen Leben und der letzte, den sein Vater erleben wird. Der dänische "Dogma 95"-Mitbegründer Thomas Vinterberg ("Das Fest", "Die Jagd", "Die Kommune") beginnt seinen neuen Film mit einer Szene, in der er das persönliche Drama, das hinter jeder Katastrophe steckt, auf einer privaten Ebene greifbar macht: Die von Luc Bessons Europacorp produzierte europäische Koproduktion "Kursk" erzählt anhand zeitgeschichtlicher Fakten vom Untergang des gleichnamigen russischen Atom-U-Boots im August 2000.

Man kennt die Schlagzeilen und die Opferzahlen, im besten Fall noch ein paar grobe Hintergründe: 118 Männer starben an Bord der "Kursk". Das Flaggschiff der russischen U-Boot-Flotte sank, nachdem es an Bord zu zwei Explosionen gekommen war. Ein paar Männer überlebten zunächst, konnten aber nicht gerettet werden, weil die russische Führung nur spärlich Informationen preisgab und internationale Hilfe zu lange ablehnte.

Soweit die Nachrichtenlage. Die Menschen, die in der "Kursk" starben, blieben freilich namenlos. Vinterberg will sie aus der Anonymität holen, in die die meisten Opfer von Katastrophen verbannt sind. Dafür eine Familiengeschichte als Einstieg und als Klammer zu wählen, ist ein probates Mittel: Man sieht die Menschen in ihrem privaten Umfeld, man lernt den in der Badewanne tauchenden Sohn von Kapitänleutnant Mikhail (Matthias Schoenarts) kennen und seine schwangere Frau Tanya (Léa Seydoux).

Für die Hochzeit des Waffenoffiziers geben alle Kameraden ihr letztes Hemd beziehungsweise ihre U-Bootfahrer-Uhren: Das Leben in der Flotte ist hart, wissen sie, "aber der Mensch hält was aus". Dann stechen sie in See und sind nur noch zwei Tage vom Tod entfernt.

Großes Star-Aufgebot

Regisseur Vinterberg und Drehbuchautor Robert Rodat ("Der Soldat James Ryan") orientierten sich an den historischen Fakten, die der Journalist Robert Moore in seinem Tatsachenroman "A Time To Die: The Untold Story Of The Kursk Tragedy" zusammengetragen hat, fiktionalisierten die Geschichte aber natürlich. Die Liebes- und Familiengeschichte zwischen Mikhail und Tanya ist genauso erfunden, wie es die Szene an Bord der "Kursk" sind: Niemand weiß, was genau geschah, nachdem sich etwa 20 Männer nach den Explosionen ins Achterdeck retteten.

Dennoch sind die klaustrophobischen Szenen an Bord der "Kursk" das Beste, was der Film zu bieten hat. Die Männer hoffen und bangen, sie verlieren die Nerven und halten doch zusammen, wie es nur Seeleute tun. An Land kämpfen ihre Frauen derweil für ihr Recht auf Information und versucht ein britischer Navy-Admiral verzweifelt, den Russen helfen zu dürfen. Die Ausrüstung ihrer Flotte ist besserer Schrott, aber die Russen weigern sich störrisch, Hilfe aus dem Ausland anzunehmen.

Fassungslos muss man mit ansehen, wie die Russen in ihrer Hilflosigkeit noch versuchen, ihren Stolz zu retten und "das Unmögliche mit dem Unzulänglichen zu tun", wie es ein Admiral auf den Punkt bringt. Genauso fassungslos muss man aber auch mit ansehen, wie Vinterberg sein Film entgleitet, weil es einfach nicht schafft, die drei Handlungsstränge zusammenzubringen.

"Kursk", so schlimm es in Anbetracht der tragischen Hintergründe klingen mag, plätschert einfach so dahin. Für Aufregung sorgen allenfalls Aha-Erlebnisse, wenn mal wieder ein bekannter Schauspieler auftaucht: Neben Matthias Schoenarts und Léa Seydoux haben unter anderem Max von Sydow, Colin Firth, August Diehl, Matthias Schweighöfer, Peter Simonischek, Joel Basman, Martin Brambach und Pernilla August ihren Auftritt.

Beklemmend wird es erst wieder in den letzten Momenten des Films. Mikhails Sohn Misha verweigert mit trotzigem und traurigem Blick einem russischen General bei der Trauerfeier für seinen Vater und all die anderen toten Matrosen den Handschlag. Es ist dann doch noch einmal ein Moment, in dem das Drama, das hinter dem Untergang der "Kursk" steckt, im Kino spürbar wird und den Menschen hinter den Opferzahlen gerecht wird.