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Trauer um Kinolegende Agnès Varda

"Großmutter der Nouvelle Vague"
Vor wenigen Wochen erst präsentierte Agnès Varda ihren neuesten Film auf der Berlinale. Jetzt ist die legendäre belgische Filmemacherin verstorben.

Gut gelaunt und noch ziemlich fidel reiste sie noch im Februar nach Berlin, um ihren neuen Film vorzustellen - 90 Jahre alt war Agnès Varda da schon, aber man merkte es ihr kaum an. Jetzt ist die legendäre Filmemacherin, die 2017 mit einem Ehrenoscar für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde, gestorben. Varda gilt als eine der wichtigsten Regisseurinnen ihrer Generation, ihr Film "Cleo - Mittwoch zwischen 5 und 7" aus dem Jahr 1961 als einer der schönsten der Filmgeschichte.

In dem Drama erzählt Varda von einer Frau, die von ihrem Arzt erfährt, dass sie möglicherweise an Krebs erkrankt ist. Das genaue Ergebnis liegt aber erst in zwei Stunden vor. Also irrt Cleo zwischen 5 und 7 ziellos durch die Stadt. Mit einer unglaublichen Leichtigkeit und Poesie erzählte Varda diese traurige Geschichte, die heute als einer der wichtigsten Beiträge der Nouvelle Vague gilt, jener Bewegung, die ab den späten 50er-Jahren das französische Kino revolutionierte.

"Als ich anfing, gab es nur wenige weibliche Regisseurinnen", erzählte Varda auf der diesjährigen Berlinale. In ihrem ersten Werk "La Pointe Courte" (1955) sei es ihr aber nicht wichtig gewesen, als Frau einen Film zu drehen, "sondern Filme anders zu erzählen": "'La Pointe Courte' ist ein radikaler Film", erinnerte sie sich an ihr Erstlingswerk, der von der Beziehungskrise eines jungen Ehepaars erzählt und richtungsweisend für die Nouvelle Vague war.

"Ich war immer eine Linke"

Agnès Varda, die als Arlette Varda 1928 in der Nähe von Brüssel zur Welt kam und ihre Karriere als Fotografin begann, erzählte in ihren Filmen oft von Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. "Ich war immer eine Linke. Ich war nie in einer Partei. Aber ich kämpfte immer für die Sache der Linken", erzählte sie im Februar auf der Berlinale. "Meine Filme waren nie politisch, aber mir ging es immer darum, sich um die Menschen zu kümmern."

Agnès Varda arbeitete in den 60er-Jahren mit Andy Warhol und Jim Morrison zusammen, drehte mit ihnen den Film "Lions Love" (1969). Kritisch setzte sich Varda darin mit der Filmbranche und der Scheinwelt Hollywoods auseinander. Der Spielfilm hielt der Ära von "Love & Peace" den Spiegel vor. Später erweiterte Varda ihr Repertoire um experimentelle Dokumentarfilme, die auf den bedeutendsten Festivals weltweit liefen.

In der Welt fühlte sich die kleine Belgierin zu Hause: Für ihre fünfteilige Dokumentation "Agnès war da" wagte sie sich, ausgerüstet mit einer Handkamera, an die entlegensten Orte des Planeten, immer auf der Suche nach kreativen Köpfen und dem unerschöpflichen Facettenreichtum der Kunst. 2008 drehte sie ihren autobiografischen Essay "Die Strände von Agnès". "Ich wollte meiner Familie, meinen Freunden und allen anderen einige Stationen meines Schaffens und meines Lebens erklären. Und denen eine Ehre erweisen, die mich ausgebildet haben, denen ich begegnet bin, die ich geliebt habe", erklärte sie.

Auch der letzte Film der Belgierin war autobiografisch: Ihr Berlinale-Beitrag "Varda par Agnès" war ein bewegender Rückblick auf ein bewegtes Leben, ehrlich und unprätentiös. In der Nacht auf Freitag erlag Varda einem Krebsleiden, sie starb im Kreise ihrer Familie.