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Kuhfladen für die Integration

"Monsieur Claude 2"
"Monsieur Claude 2" macht dort weiter, wo der Multikulti-Erfolg "Monsieur Claude und seine Töchter" vor fünf Jahren aufhörte, und nimmt mit derbem Humor Integrationsprobleme auf die leichte Schulter. Das geht diesmal leider ziemlich in die Hose.

Nur widerwillig hat Claude Verneuil 2014 seine vier Töchter zum Altar geführt: Seiner Meinung nach hatten sie sich die falschen Ehemänner ausgesucht. Bei Familienfesten saßen auf einmal Juden, Muslime, Asiaten und Schwarzafrikaner am Tisch. Das war zu viel für den gut betuchten Notar aus der französischen Provinz, unterhielt aber das Kinopublikum vortrefflich: "Monsieur Claude und seine Töchter" war in Frankreich der erfolgreichste Film des Jahres und auch in Deutschland ein Kassenknüller. Nun kommt die Fortsetzung der Multikulti-Komödie ins Kino - und arbeitet sich einmal mehr an Stereotypen und Klischees ab.

Fünf Jahre nach den vier Hochzeiten fällt es Claude (Christian Clavier) weiterhin schwer, die Balance zu finden zwischen seinem Traditionalismus und dem Liberalismus, den ihm seine Töchter mit der Heirat von Franzosen mit jüdischen, arabischen, chinesischen und schwarzafrikanischen Wurzeln aufgezwungen haben. Immerhin ist er mit seiner Frau Marie (Chantal Lauby) schon mal zu einer Weltreise aufgebrochen, um die Heimatländer seiner Schwiegersöhne zu besuchen. Aha-Erlebnisse haben die beiden dabei nicht gesammelt, wie sie der Großfamilie in ihrem sarkastischen Reisebericht mitteilen.

Jetzt sind Claude und Marie wieder da und erfreuen sich am Duft der Kuhfladen in ihrer Heimat. Zu Hause riecht es doch am besten, da lassen sich auch die Schwiegersöhne ertragen. Alles könnte so schön sein. Doch nun wollen ebendiese Schwiegersöhne das Land verlassen. Frankreich ist zu konservativ, sie werden hier nicht heimisch. Monsieur Claude erwartet ein Pensionärsdasein in Einsamkeit.

Tortur de France

Die Frauen sagen "okay" zum geplanten Exodus, wie sie eigentlich immer alles "okay" finden, was ihre Gatten vorhaben. Die Männer sagen, wo's lang geht, die Frauen folgen artig. Sein Macho-Problem trägt der Film offen zur Schau und versucht nicht einmal, es zu kaschieren. Das ist einfach so, und das ist ziemlich schlimm und wird nicht einmal ironisch gebrochen.

Die Gags in diesem durchaus temporeichen Film konzentrieren sich wie im ersten Teil der Komödie auf den alltäglichen Rassismus. Ressentiments werden eifrig gepflegt und mit brachialem Humor ins Lächerliche gezogen. Einerseits ist das eine durchaus legitime Vorgehensweise, um bittere Wahrheiten etwas bekömmlicher zu machen. Allerdings funktioniert so etwas nur, wenn das eine oder andere Krümelchen im Halse stecken bleibt: Für einen Erkenntnisgewinn müsste sich das Publikum verschlucken, sozusagen im Lachanfall kurz innehalten, anstatt einfach immer weiter auf die Schenkel zu klopfen.

Diese Möglichkeit bietet "Monsieur Claude 2" nicht. Regisseur Philippe de Chauveron spult einfach seine Schenkelklopfer ab und schickt die Protagonisten durch eine Tortur de France. Alles, was (nicht nur) in Frankreich schief läuft im Zusammenleben verschiedener Kulturen, wird einfach ins Lächerliche gezogen. Das Rezept hatte sich 2014 in "Monsieur Claude und seine Töchter" als tauglich für den Geschmack der Massen erwiesen: Elf Millionen Kinozuschauer in Frankreich und vier Millionen in Deutschland wollten über ihre eigenen Vorurteile lachen. Das wird ja wohl erlaubt sein.

Das bisschen Rassismus

Schon damals war die Lust an der Provokation bemerkenswerter als die Feinsinnigkeit des Humors. Fünf Jahre später, die politische Landschaft ist eine noch weniger blühende als zuvor, kann man eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln, mit welcher Leichtfertigkeit Realitäten wie die Flüchtlingskrise, immer offener gezeigter Antisemitismus und stärker werdende Rechtspopulisten auf Kosten des nächsten Kalauers ignoriert werden.

Dass Claude mit einem ausgeklügelten Plan versucht, seine Schwiegersöhne vom Auswandern abzuhalten, hat dann auch weniger etwas mit ernsthaften Bemühungen zu tun, die eigenen Vorurteile abzulegen, sondern damit, dass er ohne seine Töchter und Enkel ziemlich allein sein würde. Er schafft es mit einem großen Täuschungsmanöver, sein Provinzstädtchen als Musterort für Integration zu verkaufen.

Das hat zwar mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun und kostet ihn demzufolge viel Geld. Aber: So schlimm, scheint der Film mit diesem Ende zu suggerieren, kann's dann ja doch nicht sein mit dem Rassismus in Frankreich. Man muss halt nur weg aus Paris und rein ins pralle Landleben. Dorthin, wo der Duft von Kuhfladen so betörend ist. Dorthin aber auch, wo der Rassemblement National - der ehemalige Front National - bei Wahlen gerne die meisten seiner Stimmen holt. Aber auch diese Realität wird einfach weggelacht.