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Der Superschüler, den ich rief

"Unheimlich perfekte Freunde"
In Marcus H. Rosenmüllers unterhaltsamem Kinderfilm "Unheimlich perfekte Freunde" geraten die Doppelgänger gestresster Schüler außer Rand und Band.

Wer hat sich nicht schon einmal einen Doppelgänger gewünscht? Einen, dem man die unangenehmen Aufgaben übertragen kann und der für einen glänzt, wenn es darum geht, etwas Tolles vorzuführen? In Marcus H. Rosenmüllers ("Trautmann") witzigem und mitreißendem Kinderfilm "Unheimlich perfekte Freunde" bekommt ein zehnjähriger Junge die Möglichkeit, ein scheinbar perfektes Abbild von sich selbst in die Schule zu schicken. Doch der unheimliche Superschüler, den er rief, beginnt bald damit, seine eigenen Ziele zu verfolgen.

In Bayern wird im April noch in vielen Elternhäusern gezittert, steht doch Anfang Mai der Tag des Übertrittzeugnisses fürs Gymnasium an. Fast wie ein Kommentar dazu wirkt Rosenmüllers Film, der mit viel Witz und einer raffinierten Story vermittelt, dass jeder Mensch genauso, wie er ist, perfekt ist. Nur, dass das im Stress mit Eltern und Schule gerne mal vergessen wird. Und so glaubt auch der zehnjährige Frido (Luis Vorbach, "Auf Augenhöhe"), dass er ein Glückspilz sei, als sein Doppelgänger auftaucht, der all das kann, was von ihm selbst erwartet wird.

In einem Spiegelkabinett auf einem Jahrmarkt kommt es zu der Verdoppelung, mit der Frido zunächst äußerst zufrieden ist. Sein perfektes Ich bringt nicht nur die von der Mutter (Marie Leuenberger) gewünschten Noten nach Hause, es räumt auch sein Zimmer auf und ermöglicht ihm, viel Freizeit an einem ganz besonderen Ort zu verbringen: In einem stillgelegten Freizeitbad saust Frido auf selbstgebauten Flitzern die Rutschen hinunter.

Eine Klasse voller Doppelgänger

Die unglaubliche Verwandlung macht Fridos besten Freund Emil (Jona Gaensslen) jedoch misstrauisch, denn der neue Frido hat mit seiner arrogant-überheblichen Art keine Ähnlichkeit mehr mit seinem Kumpel. Der schlaue Emil kommt hinter das Geheimnis und wünscht sich auch einen Doppelgänger, der genau sein Gegenteil verkörpert und damit ein exzellenter Sportler, cooler Sprücheklopfer und wilder Raufbold ist. Als plötzlich auch sämtliche Klassenkameraden Wind von der Sache bekommen, sieht sich die Lehrerin Frau Klawitter (herrlich gespielt von Margarita Broich) plötzlich einer Klasse voller hoch motivierter und superkluger Streber gegenüber, die ihr mit ihrem Wissen das Leben schwermachen.

Frido und Emil haben da schon längst gemerkt, dass die Sache aus dem Ruder läuft, denn ihre Abbilder übernehmen entgegen aller Absprachen jetzt in allen Bereichen das Kommando und wollen die Originale sogar loswerden. Frido ist gefragt. Er muss sich auf seine eigenen Stärken wie Herz und Witz besinnen, um den unheimlichen Doppelgänger wieder loszuwerden und seinen Klassenkameraden helfen zu können.

Die Grundidee zum Film stammt von den Autorinnen Simone Höft und Nora Lämmermann, die das Drehbuch geschrieben und glaubwürdige, zeitgemäße Kinderfiguren erdacht haben. Zusammen mit Rosenmüllers Gespür für gutes Comedy-Timing und einer gewissen Verspieltheit in der Inszenierung wird daraus ein wunderbar unterhaltsamer Film, bei dem auch schon mal der Infoabend des Elite-Gymnasiums in einer Tortenschlacht enden darf.

Die größte Leistung erbringen hier jedoch die jungen Darsteller, allen voran der bereits durch große Rollen in Kinofilmen erfahrene Luis Vorbach. Er musste in vielen Szenen Frido samt seinem Doppelgänger verkörpern und so ständig zwischen zwei völlig unterschiedlichen Typen, die sich auch in ihrer Gestik und Mimik unterscheiden, wechseln. Ein toller Familienfilm, witzig und wahr.