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König von Deutschland - Mo. 04.03 - ZDF: 00.10 Uhr

König von Deutschland
In David Dietls Komödie "König von Deutschland" bekommt Otto Normalverbraucher ein Gesicht: das von Olli "Dittsche" Dittrich.

Der Durchschnittsdeutsche. Seine Lieblingsfarbe ist Blau, er isst am liebsten Schnitzel mit Pilzsoße, braucht sieben Minuten bis zum Höhepunkt, sieht am Tag vier Stunden fern, spricht 15 Minuten mit seiner Frau, steht um 6.18 Uhr auf und geht um 23.04 Uhr ins Bett. Klar, der Durchschnittsdeutsche ist ein Konstrukt der Markt- und Konsumforschung, ein fiktives Produkt aus Zahlen und Messwerten. Ein Mensch, den es eigentlich gar nicht gibt. Außer im Fernsehen. Jungregisseur David Dietl, Sohn des verstorbenen Helmut Dietl ("Schtonk!"), gibt dem sprichwörtlichen Otto Normalverbraucher ein Gesicht und zwar eines der wandelbarsten im ganzen Land: das von Olli "Dittsche" Dittrich. In der klugen, kurzweiligen Komödie "König von Deutschland" (2013), die das ZDF im Nachtprogramm wiederholt, spielt er Thomas Müller, den durchschnittlichsten Mann Deutschlands, der plötzlich keinen Bock mehr auf normal hat.

An einem persönlichen Tiefpunkt beginnt für Thomas Müller etwas Neues. Der frisch Entlassene steht hoch oben auf einer Brüstung, weiß nicht mehr weiter. Wie soll er den Hausbau finanzieren, dessen Planung seine Frau Sabine (überrascht als graue Maus: Veronica Ferres) so vehement vorantreibt? Da begegnet ihm der Siegertyp Stefan Schmidt (Wanja Mues), der dem arbeitslosen Thomas auf diese vermeintlich zufällige Begegnung hin einen Job in seiner Firma Industries Unlimited verschafft. Was diese Firma eigentlich macht und worin Thomas' neuer Job besteht, das weiß der Familienvater gar nicht so genau. Aber weil er in der neuen Stelle Maßanzüge, einen ergonomischen Drehstuhl und eine schicke Büroausstattung auf Firmenkosten spendiert bekommt, fragt Thomas auch nicht weiter nach.

Müller junior, der rebellische Teenager Alexander (Jonas Nay), ist der Einzige, dem beunruhigende Veränderungen auffallen, seitdem sein Vater bei Industries Unlimited arbeitet: Thomas' politische Ansichten werden plötzlich fast Wort für Wort von Lokalpolitikern im Fernsehen wiedergegeben, er wünscht sich Bierflaschen mit Drehverschluss, die es dann prompt im Supermarkt zu kaufen gibt. Nur Zufälle? Bei den Müllers werden auch mysteriöse Rauchmelder installiert, von denen keiner sonst im Mietshaus etwas weiß. Und dann beobachtet Alexander auch noch, wie sein ahnungsloser Vater von zwei Männern beschattet wird. Gemeinsam entlarven die beiden ein durchtriebenes Spiel, dessen Regeln jetzt sie bestimmen wollen.

Olli Dittrich zeigt sich einmal mehr als Meister der Verwandlung und hervorragender Schauspieler. Auch die Nebenrollen sind stark besetzt: Moderatorin Katrin Bauerfeind, Jella Haase und Hanns Zischler ("Rommel") komplettieren den für einen Erstling überaus prominenten Cast. Die bitterböse Satire war 2013 unter den Nominierten für den First Steps Award als bester Debütfilm.