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Die irre Masche des Investmentbetrügers Felix Vossen

"Abgezockt! Der Anlagebetrüger Felix Vossen"
Freunde hintergangen und abgezockt: ZDFinfo geht einem der spektakulärsten Betrugsfälle der jüngsten Vergangenheit nach.

Er sitzt in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies am Stadtrand von Zürich in der Schweiz. Frühestens 2020 kommt er raus - bei guter Führung: Felix Vossen, Unternehmersohn aus Gütersloh, hat seine Freunde, die eigene Familie und viele weiter entfernte Investoren um 60 Millionen Euro verprellt. Sie allesamt sind dem betrügerischen Schneeballsystem des angeblichen Finanzunternehmers aus sehr gutem Hause aufgesessen. ZDFinfo zeichnet einen der spektakulärsten Betrugsfälle der jüngeren Vergangenheit nach. Am Samstag, 9. Februar, 20.15 Uhr, ist die Dokumentation "Abgezockt! Der Anlagebetrüger Felix Vossen" von Tim Klime? und Kathrin Neitz-Eliès zu sehen.

Flucht im Morgengrauen

Typisch britisch trüb war es am 3. März 2015. An jenem Tag vor knapp vier Jahren setzte sich Felix Vossen ab. Er flüchtete aus London, der Mega-Finanzmetropole Europas. Unmengen an Geld werden jeden Tag hier an der Börse und in einem weit verzweigten Bankensystem umgesetzt. Manche Daytrading-Geschäfte, die in der britischen Hauptstadt tagtäglich laufen, sind womöglich illegal. Bei Vossen waren sie es ganz bestimmt.

60 Millionen Euro soll der Spross der einst bedeutenden Frottierweberei Vossen, deren schneeweiße Bademäntel auch Udo Jürgens zu den grandiosen Zugaben seiner Konzerte immer getragen hatte, veruntreut haben. So lautete zunächst der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Zürich III. Im Juli 2017 wurde ihm wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Geldwäsche sowie mehrfacher Urkundenfälschung der Prozess gemacht.

Naive Anleger

Knapp ein Jahr war der Betrüger, gejagt von FBI und Scotland Yard, auf der Flucht. Erst Mitte Februar 2016 wurde er in Valencia in Spanien eher zufällig gefasst. Im Dokufilm ist es aber nicht die perfide Betrugsmasche Vossens, die verblüfft. Viel erschütternder ist, wie naiv sich seine Geldgeber angestellt hatten. "Es ist klug zu überlegen, wem man sein Geld gibt", fasst der Finanzpolitiker Lothar Binding (SPD) sehr treffend zusammen.

Vossen gelang es, sich mit einer von Bekannten beschriebenen "sehr charmanten Art" zahlreiche Freunde zu schaffen. Einer von ihnen war Russell Hicks. Der Brite zählte Vossen 13 Jahre lang zu seinen besten Begleitern. Sogar zusammen in den Segel-Urlaub in die Karibik sind sie gefahren. Und Hicks vertraute Vossen. Mehrere Millionen wolle Hicks dem angeblich erfolgreichen Finanzmakler überlassen haben, Wie viel genau: Darüber schweigt er sich aus.

Heulend vor dem Richter

Dennoch ist es Hicks, der im Film beeindruckend offen darlegt, wie er von einem vermeintlichen Freund selbst hinters Licht geführt wurde. "Ich werde ihm das niemals verzeihen können. In das Haus eines Fremden einzubrechen oder eine Bank auszurauben, ist eine wirklich schlimme Sache. Aber sich mit Menschen anzufreunden und dann ihr Geld zu stehlen, Jahr für Jahr, das ist absolut unverzeihlich", zieht er seinen Schlussstrich.

Insgesamt wurde Vossen am 22. November 2017 wegen Betrugs, Geldwäsche und Urkundenfälschung zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. In der Verhandlung hieß es unter anderem, er habe etwa "30 Geschädigte getäuscht und damit rund 20 Millionen britische Pfund, 5,8 Millionen Euro und 7,5 Millionen US-Dollar erzielt". Vor dem Richter hatte der geständige Betrüger an nur einem einzigen Verhandlungstag mit der Urteilsverkündung am Abend sogar geweint. Trotz mehrfacher Anfrage der Filmemacher lehnte Vossen Gespräche für die TV-Doku ab.