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Charme-Offensive gegen den Alltags-Chauvinismus

"The Marvelous Mrs. Maisel"
Auch in der zweiten Staffel lässt sich "The Marvelous Mrs. Maisel" nicht die Butter vom Brot nehmen und mischt die Comedy-Szene im New York der 1950-er auf - ab dem 15. Februar zeigt Amazon seine Serien-Sensation endlich in deutscher Synchronfassung.

Nur weil die ganz großen Diskussionen etwas abgeflaut sind, heißt das noch lange nicht, dass alles gut ist. Als Amazon im Jahr 2017 die erste Staffel der Eigenproduktion "The Marvelous Mrs. Maisel" veröffentlichte, traf die Serie mitten rein in die große #MeToo-Debatte. Sexismus, das von Männern dominierte Showbiz, die Frage, wann eine Frau eine Frau ist. Die bonbonfarbene Serie über eine New Yorker Hausfrau, die als eine der ersten Komikerinnen die Stand-up-Szene der 1950er-Jahre aufmischt, beschäftigt(e) sich ziemlich kritisch mit diesen Themen. Sie machte es dem Publikum aber mit umwerfendem Charme, hintergründigem Humor und makelloser Ausstattung leicht, die bitteren Pillen zu schlucken. Das ändert sich auch in den zehn Episoden der zweiten Staffel nicht, die ab 15. Februar bei Prime Video nun endlich in deutscher Synchronfassung verfügbar ist.

"Mrs. Maisel" traf nicht nur den Nerv der Zeit und des Publikums, sondern räumte auch bei den wichtigsten Preisverleihungen ab. Die Serie gewann im Jahr 2018 unter anderem acht Emmys und zwei Golden Globes. Klar, dass die Erwartungen an die zweite Staffel hoch sind. Aber was soll man sagen? Sie werden erfüllt. Mindestens.

Das liegt nicht nur an der umwerfenden Hauptdarstellerin Rachel Brosnahan (vor kurzem zum zweiten Mal in Folge mit dem Golden Globe prämiert) und nicht minder großartigen Nebendarstellern (Tony Shalhoub, Alex Borstein, Marin Hinkle), das liegt vor allem daran, dass Serien-Schöpferin Amy Sherman-Palladino ("Gilmore Girls") nach dem furiosen Finale der ersten Staffel, in der Midge (Brosnahan) zum ersten Mal mit ihrem richtigen Namen auftrat, das Tempo rausnimmt.

Nach ihrem großen Aufritt ist Midge nämlich mitnichten auf großen Bühnen unterwegs oder ein Superstar der Comedy-Szene. Wir sind immer noch in den 1950er-Jahren, einer Zeit, in der Fame nicht über Nacht erklickt wird, vor allem aber einer Zeit, in der Frauen nicht mal eben so eine Männerdomäne umkrempeln können.

Ein beschwerlicher Weg

Midge landet also erstmal im Kaufhauskeller: Sie wurde von ihrem Arbeitgeber vom Kosmetiktresen zu den Telefonistinnen strafversetzt. Was sie allerdings erstens nicht stört, weil sie auch beim Strippenziehen ziemlich perfekt ist, und zweitens ziemlich clever für die Entwicklung der Story ist: Der Ruhm nimmt ein paar Umwege; das ist nicht nur realistisch, sondern auch eine gute Gelegenheit, sich intensiv mit den Figuren zu beschäftigen.

Weiterhin darauf bedacht, tagsüber die perfekte Mutter und Frau in der Upper Class zu sein, hält Midge ihre Erfolge auf der Bühne geheim. Kollegen und Eltern dürfen davon nichts wissen. Die Zeit ist noch nicht reif für eine Comedy-Perle. Außerdem muss sie erstmal nach Paris, um ein Problem ihrer Eltern Abe (Shalhoub) und Rose (Hinkle) zu lösen, ihr Ex-Partner Joel (Michael Zegen) will keine Witzfigur sein, ihre Managerin Susie (Borstein) muss ihre Misanthropie ablegen - und dann tauchen auch noch neue Figuren auf, die das Leben nicht einfacher machen.

So ziemlich jeder darf hier an sich arbeiten, Verantwortung übernehmen, kommunikative Fähigkeiten entwickeln, ehrlicher werden. Was auch die zweite Staffel von "The Marvelous Mrs. Maisel" so gut macht: Die Serie nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Zeiten mögen sich seit den 1950er-Jahren geändert haben, Alltags-Chauvinismus ist freilich immer noch salonfähig. Das ist die Wahrheit, die in Midges unfassbar pointierte Stand-up-Szenen und in den perfekten Kostümen und Kulissen der Serie steckt.