Like us

Von der Paradoxie der Liebe

Tiemo Hauer
Auf seiner neuen EP "Ein kurzes für immer." verarbeitet Tiemo Hauer das Zerbrechen einer langjährigen Beziehung. Das ist auch für seine Zuhörer eine schmerzliche Erfahrung.

Tiemo Hauer geht es schlecht. In den sieben Liedern seiner neuen EP "Ein kurzes für immer." lässt er sich treiben und verfällt mit jedem traurigen Moll-Akkord mehr seiner Seelenpein. Wer mag es dem 29-Jährigen auch verdenken. Nachdem der Musiker im Frühsommer 2018 von seiner langjährigen Freundin verlassen wurde, ist offenbar alle Kreativität verpufft. Sein Leid hat Hauer nun trotzdem in ein paar Songs verpackt, so wie Musiker es eben gerne tun.

Böse Zungen könnten behaupten, der Stuttgarter macht das, was er eigentlich schon seit seinem ersten Album "Losgelassen" (2011) macht. Er besingt die Liebe und all die schönen wie auch schmerzlichen Erfahrungen, die damit verbunden sind. Doch damit wird man diesem Musiker nicht gerecht. Schließlich hat Tiemo Hauer in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, welch begabter Poet in ihm steckt - mit der pulsierenden, direkt aus der Seele geschriebenen Debüt-Single "Ehrlich glücklich" (2009) etwa, oder mit dem schockierend-realistischen und düsteren Titel "Nein" (2010), einem Statement über sexuellen Missbrauch.

Bei der Arbeit an "Ein kurzes für immer." scheint Hauer seine textliche Finesse bis auf wenige Ausnahmen abhandengekommen sein. Lediglich im titelgebenden Song, dem Highlight der EP, blitzt sein lyrisches Talent auf, wenn er singt: "Ich steh am selben Platz wie letztes Jahr, als jetzt geplatzte Träume prall gefülltes Leben waren". Für den Sänger mag es eine heilende Wirkung gehabt haben, solche Lieder zu schreiben. Ganz allein, ohne weitere Musiker oder Produzenten, stellte er binnen weniger Wochen im heimischen Keller seine EP auf die Beine. Für seine Zuhörer aber verkommt Hauers musikalische Abnabelung vom Schmerz zu einem harten Stück Arbeit. Umso paradoxer wirkt es, dass Tiemo Hauer seinen Kritikern in der Klavier-Ballade "Vermüssen" ein Fazit vorwegnimmt: "Niemand verbringt gerne Zeit mit fremdem Selbstmitleid." Stimmt.