Like us

Schlappes Nümmerchen vom "Gott of Schlager"

Christian Steiffen
Zum dritten Mal in Folge macht Christian Steiffen denselben Witz. Lustig ist das auf "Gott of Schlager" allerdings nicht mehr.

Einst reichte ihm ein Buchstabe, um den deutschen Schlager zu zerlegen. "Ich hab' die ganze Nacht von mir geträumt", sang Christian Steiffen vor fünfeinhalb Jahren auf seinem Debütalbum "Arbeiter der Liebe". Aus dem Du, um das sich in der Schunkelbranche alles dreht, war ein Ich geworden. Das war nicht nur eine nette Wortspielerei, sondern eben auch eine Abrechnung mit einer Branche, die so selbstverliebt ist wie kaum eine andere.

Auf Album Nummer zwei, "Ferien vom Rock'n Roll" (2015), hat diese Dekonstruktion ebenfalls noch hervorragend funktioniert. Etwa, wenn Steiffen auf die Zeile "Ich hab' dir den Mond gekauft" ein süffisantes "Und morgen schiess' ich dich da rauf" folgen ließ. "Gott of Schlager" nennt Christian Steiffen, bürgerlich Hardy Schwetter, nun sein drittes Album. Ein gewagter Titel.

"Das Leben ist so kurz, lass ruhig mal einen fahr'n"

Was die Kunstfigur Steiffen diesmal abliefert, ist - um im humorigen Duktus des selbsternannten "Bernsteinzimmers der guten Laune" zu bleiben - etwas schlapp. Statt kleiner, intelligenter Wortdrehereien gibt es hier Derbes am laufenden Band. "Tu was Verrücktes, das du noch nie getan / Das Leben ist so kurz, lass ruhig mal einen fahr'n", dichtet Steiffen in "Wie der Wind". Oh je. Und viel besser wird es leider nicht. "Es war Liebe auf den ersten Blick / Schon in der allerersten Woche haben sie gefickt", trällert er in "Verliebt Verlobt Verheiratet Vertan". Autsch.

Das Schöne an der Steiff'schen Poesie war immer auch der ironische Ernst, mit dem sie präsentiert wurde. Auf "Gott of Schlager" ist Steiffen, der sich auf dem Plattencover im Rüschenhemd präsentiert, aber vor allem am Blödeln. Andererseits entschädigt ein wunderbarer Titel wie "Hier ist Party" dann doch für vieles. So schmissig klang Steiffen seit dem legendären "Ich fühl' mich Disco" vom Debütalbum (und aus dem gleichnamigen Film) nicht mehr. Vielleicht ist der Witz, den der Antischlagerstar seit seinem ersten Album wiederholt, vielleicht doch noch nicht auserzählt. Nur der Humor, er sollte wieder subtiler werden.