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Der Schund von Baskerville

"Holmes & Watson"
Die amerikanischen Spaßvögel Will Ferrell und John C. Reilly schlüpfen in die Rolle des berühmten britischen Detektivduos Sherlock Holmes und Dr. Watson und fabrizieren ... schamlosen Klamauk. Arthur Conan Doyle würde sich wohl im Grabe umdrehen.

Was hat John C. Reilly nur geritten, diesen Film zu machen? In Yorgos Lanthimos' wunderbar bizarrem Liebesdrama "The Lobster" spielte er zuletzt mit, vor wenigen Jahren war er in Polanskis grandioser Satire "Der Gott des Gemetzels" zu sehen, und in wenigen Wochen startet der fantastische Western "The Sisters Brothers" in den deutschen Kinos - mit Reilly als berüchtigtem Auftragskiller. Und nun das: John C. Reilly als dümmliche Version von Dr. Watson, an der Seite von Will Ferrell als ebenso grenzdebilem Sherlock Holmes.

"Holmes & Watson" heißt das Machwerk von Regisseur Etan Cohen ("Der Knastcoach" - nicht zu verwechseln mit Filmemacher Ethan Coen), das eine verstörende Zeitreise jenseits von Gut und Böse geworden ist. In den USA wurde "Holmes & Watson" bereits zu einem der größten Flops der vergangenen Monate - und für sechs Goldene Himbeeren nominiert.

Abstruse Mörderjagd

Der Film beginnt im London des Jahres 1881, mit einer so seltsamen wie schicksalhaften Begegnung. Meisterdetektiv Sherlock Holmes (Will Ferrell) hegt in seinem Garten eine gigantische Zucchini, während sich der traumatisierte Arzt Dr. John Watson (John C. Reilly) vom Dach stürzen will. Er fällt - ausgerechnet - auf besagtes Gemüse. Kein fulminanter, dafür aber ein beispielhaft alberner Auftakt zu einer kriminalistischen Komödie, die sich schnell in unzähligen Absurditäten verliert.

Sherlock Holmes und Dr. Watson sollen den perfiden Verbrecher Professor Moriarty (Ralph Fiennes) überführen, der vor Gericht steht; allerdings könnte er aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden. Als ein Toter in Holmes' Geburtstagskuchen gefunden wird, den ihm keine Geringere als die englische Königin zukommen ließ, besteht weiterer Handlungsbedarf. Zumal auch die Queen höchstselbst bedroht wird. Ihre sagenhaften Ermittlungen führen die beiden Spürnasen direkt in die Pathologie, wo sie auf die smarte amerikanische Gerichtsmedizinerin Grace Hart (Rebecca Hall) und deren katzenhafte Assistentin Millie (Lauren Lapkus) treffen. Amors Pfeil trifft Watson und Sherlock mitten ins Herz - was die Suche nach dem Mörder noch abstruser macht, als sie es ohnehin schon ist.

Was vom Mythos übrig blieb

Vor zehn Jahren standen Will Ferrell und John C. Reilly in "Stiefbrüder" gemeinsam vor der Kamera. Schon damals war das Zusammentreffen der beiden nur leidlich komisch. Jetzt, in Etan Cohens Film-Deaster (er schrieb auch das Drehbuch), sind sie erneut ein reichlich groteskes Gespann. Ferrell und Reilly reduzieren die legendären englischen Detektive auf gänzlich tumbe Gesellen, die sich bar jeder Ernsthaftigkeit wie Kleinkinder gerieren. Vom Mythos Sherlock Holmes bleiben nichts weiter als plumpe Banalitäten.

Seine besten Momente hat der Film immer dann, wenn er für kurze Momente die Gegenwartskultur zitiert oder sich über die aktuelle Politik lustig macht. So zückt Sherlock in einer Szene eine Mütze mit dem Slogan "Make Britain Great Again" aus seinem überbordenden Kleidungsfundus. Die meiste Zeit aber wirkt der abstruse Film wie ein überlanger Sketch ohne Sinn und Verstand. Das filmische Desaster (das übrigens erfolglos dem Streamingdienst Netflix angeboten worden sein soll) können auch die Nebendarsteller Ralph Fiennes und Rebecca Hall nicht verhindern. Als Zuschauer bleibt einem nichts anderes übrig, als das Ganze mit Humor zu nehmen. So gut das eben geht.